Höchs­te Zeit zum Um­steu­ern

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - WIRTSCHAFT - Von Bri­git­te Schol­tes ak­tu­el­les@noz.de

Es ist kaum ver­wun­der­lich, dass sich die deut­schen Ban­ken be­son­ders schwer­tun im Um­feld der nied­ri­gen Zin­sen. Denn ein gro­ßer Teil ih­res Ge­schäfts ist zins­ab­hän­gig. Doch an die­sem Um­feld wird sich so bald auch nichts än­dern, selbst wenn die EZB all­mäh­lich ih­re An­lei­he­käu­fe be­en­den soll­te.

An­statt sich stär­ker mit ei­ner Ve­rän­de­rung ih­res Ge­schäfts­mo­dells aus­ein­an- der­zu­set­zen, ha­ben die Ban­ken zu ein­fa­chen Mit­teln ge­grif­fen: Sie ha­ben zu­sätz­lich zwei Mil­li­ar­den Eu­ro in ih­ren Tre­so­ren ge­la­gert – als Not­hil­fe ge­gen dro­hen­de Straf­zin­sen. Und sie er­he­ben Ge­büh­ren – zum Teil in gro­ßem Aus­maß und sehr krea­tiv.

Statt die­ser Be­helfs­maß­nah­men soll­ten sie end­lich struk­tu­rell um­steu­ern. Seit fünf Jah­ren liegt der Leit­zins un­ter 1,0 Pro­zent. Seit 2014 er­hebt die EZB Straf­zin­sen. Das kos­tet die Ban­ken Ge­win­ne. Aber er­mu­ti­gen sie Kun­den, ihr Geld an­ders an­zu­le­gen? Of­fen­sicht­lich nicht. Die Deut­schen hal­ten im­mer noch zwei Bil­lio­nen Eu­ro in Spar-, Sicht- und Ter­min­ein­la­gen, wei­te­re zwei Bil­lio­nen in Ver­si­che­run­gen und Pen­si­ons­kas­sen, aber nur gut 370 Mil­li­ar­den Eu­ro in Ak­ti­en. Statt zu jam­mern, wä­re es für al­le hilf­rei­cher, ei­nen Teil der An­la­gen um­zu­schich­ten. Am Ge­schäft mit Ak­ti­en ver­die­nen Kre­dit­in­sti­tu­te bes­ser, und trotz­dem ha­ben Kun­den die Chan­ce auf hö­he­re Ren­di­ten als mit Tages- oder Fest­geld. Das aber er­for­dert gu­te Be­ra­tung – und an der man­gelt es.

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