Streit­punkt Tem­pel­berg

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - DIALOG -

Zum Ar­ti­kel „Un­ru­hen we­gen Tem­pel­berg-Kri­se es­ka­lie­ren“(Aus­ga­be vom 22. Ju­li) und dem Le­ser­brief von Klaus Maß­mann „Rechts­wid­ri­ge Anne­xi­on“(Aus­ga­be vom 21. Au­gust).

„Die Kri­tik an der is­rae­li­schen Po­li­tik in Ost­je­ru­sa­lem im Le­ser­brief von Herrn Maß­mann be­ruht auf ei­ner sehr un­voll­stän­di­gen Fak­ten­ba­sis. Ers­tens: Is­ra­el hat in der Tat Ost­je­ru­sa­lem an­nek­tiert – wie zu­vor üb­ri­gens Jor­da­ni­en von 1950 bis 1967. Da­mals wur­den dort wie auch in der eben­falls an­nek­tier­ten West­bank al­le Ju­den ver­trie­ben. Da­ge­gen wur­den die Ara­ber in Ost­je­ru­sa­lem, seit es zu Is­ra­el ge­hört, nicht ver­drängt; seit 1967 hat ihr An­teil an der Be­völ­ke­rungs­zahl Je­ru­sa­lems bis heu­te zu­ge­nom­men. An­ders als die ara­bi­schen Is­rae­lis leh­nen fast al­le Be­woh­ner Ost­je­ru­sa­lems es ab, is­rae­li­sche Staats­bür­ger zu sein, ge­nie­ßen aber trotz­dem al­le Vor­tei­le ei­nes west­li­chen So­zi­al­sys­tems und ei­ner kos­ten­lo­sen Ge­sund­heits­ver­sor­gung auf dem ho­hen is­rae­li­schen Ni­veau. Zwei­tens: Der Tem­pel­berg ist un­ter al­lei­ni­ger mos­le­mi­scher Ver­wal­tung. Kein Nicht­mos­lem darf dort be­ten. Wenn ein Be­su­cher es den­noch ver­such­te, droht ihm phy­si­sche Ge­walt. Die­ser Sta­tus quo ist seit Jahr­zehn­ten un­ver­än­dert. An die Er­rich­tung ei­nes jü­di­schen Tem­pels dort denkt au­ßer Herrn Maß­mann kein ernst zu neh­men­der Mensch. Drit­tens: Me­tall­de­tek­to­ren ste­hen seit Lan­gem am Ein­gang zur Kla­ge­mau­er und am Zu­gang zum Tem­pel­berg für Nicht­mus­li­me, der vor­mit­tags für ein paar St­un­den ge­öff­net wird. War­um dies für Mus­li­me an ih­ren zahl­rei­chen Ein­gän­gen un­zu­mut­bar sein soll, er­schließt sich mir nicht. In Mek­ka wer­den sol­che De­tek­to­ren trotz gro­ßen An­drangs ein­ge­setzt. Vier­tens: Herr Maß­mann er­wähnt mit kei­nem Wort den trau­ri­gen Si­cher­heits­as­pekt. Mit auf den Tem­pel­berg ge­schmug­gel­ten Waf­fen wird Ter­ror aus­ge­übt; es gab To­te. Die­ses Trei­ben ver­hin­dern zu wol­len er­scheint mir be­rech­tigt.“

Prof. Dr. Wolf­gang St­ad­je Os­na­brück

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