Die gro­ßen Wil­den keh­ren zu­rück

Zwei Fo­to­gra­fen sind Wolf, Wi­sent, Luchs und Elch ganz nah ge­kom­men

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - RUND UM OSNABRÜCK - Von Ca­ro­lin Hla­watsch

Die Na­tur­fo­to­gra­fen Olaf Göp­fert und Pe­ter Bud­ke ha­ben für die Aus­stel­lung „Die Wie­der­keh­rer“Wolf, Luchs, Wi­sent und Elch vor die Lin­se be­kom­men. Zu se­hen ist sie ab Sams­tag, 9. Sep­tem­ber, in der La­ger­hal­le.

OS­NA­BRÜCK/HAS­BER­GEN. Sie kom­men zu­rück: Nach­dem sie lan­ge Zeit in Deutsch­land fast oder kom­plett aus­ge­rot­tet wa­ren, strei­fen Wi­sent, Elch, Wolf und Luchs wie­der durch un­se­re Wie­sen und Wäl­der. Die gro­ßen Wil­den ge­hör­ten ur­sprüng­lich zu un­se­rer Re­gi­on wie Fuchs und Reh. Pas­sen sie heu­te noch in die ein­ge­schränk­ten Na­tur­räu­me in­mit­ten der vom Men­schen ge­schaf­fe­nen Kul­tur­land­schaft? Die Na­tur­fo­to­gra­fen Olaf Göp­fert aus Os­na­brück und Pe­ter Bud­ke aus Has­ber­gen ha­ben Wi­sent und Co. mit der Ka­me­ra auf­ge­lau­ert. Mit der Wan­der­aus­stel­lung „Die Wie­der­keh­rer“er­he­ben sie Stim­me für die­se uns fremd ge­wor­de­nen Ar­ten.

Für nach­hal­ti­ge Jagd

„Mit ih­rer Rück­kehr be­wei­sen uns die Tie­re, dass sie hier Fuß fas­sen kön­nen. Was wir tun müs­sen, ist, rich­ti­ge Rah­men­be­din­gun­gen zu schaf­fen und öko­no­mi­sches Den­ken neu de­fi­nie­ren“, mei­nen Bud­ke und Göp­fert. Die bei­den Fo­to­gra­fen ver­bin­det die Lie­be zur Na­tur. Als Jä­ger ge­hen sie aber nicht nur mit der Ka­me­ra auf Pirsch. Sie le­gen Wert auf nach­hal­ti­ge Jagd im Sin­ne des Ar­ten­schut­zes, üben Kri­tik an den­je­ni­gen Forst­wir­ten, Wald­bau­ern und Jä­gern, die in ih­ren Au­gen mehr pflan­zen­fres­sen­des Scha­len­wild (Re­he, Hir­sche) er­le­gen als nö­tig, um Bäu­me zu schüt­zen. „Wir trau­en un­se­rer Na­tur zu we­nig zu. Sie re­gu­liert sich von al­lei­ne bes­ser, als vie­le Men­schen den­ken.“

Mit Wi­sent und Elch zie­hen Ar­ten ein, die durch ihr Fress­ver­hal­ten und das Strei­fen durchs Di­ckicht manch ei­nem Wald­wirt­schafts­be­trei­ber ein Dorn im Au­ge sei­en. Dass der Wolf für Vieh­hal­ter zum Pro­blem wer­den kann, ist be­kannt. Zu­sam­men mit dem Luchs wird er Beu­te auf an­de­re Wild­tie­re ma­chen, zum Är­ger­nis manch ei­nes Jä­gers, der Re­he ver­scheucht sieht. Von der Angst gro­ßer Tei­le der Be­völ­ke­rung vor dem Wolf ganz zu schwei­gen. „Die Ab­leh­nung ge­gen­über den Wie­der­keh­rern ist groß“, wis­sen Göp­fert und Bud­ke. Men­schen sei­en den Um­gang mit Wild­tie­ren nicht mehr ge­wohnt. Zu­dem sei jetzt noch nicht ab­seh­bar, wie sich die Tie­re in un­se­rer Kul­tur­land­schaft ent­wi­ckeln.

Ge­wiss sei, dass die Tie­re auch Vor­tei­le für die Na­tur und durch tou­ris­ti­sche Ver­mark­tung für die Re­gi­on brin­gen. So sind Wi­sent und Elch Land­schafts­ge­stal­ter, hal­ten Wald­flä­chen of­fen, so­dass Pflan­zen­viel­falt ent­steht. „Luchs und Wolf re­gu­lie­ren ho­he Scha­len­wild­be­stän­de nach­hal­tig, denn sie fres­sen al­te, kran­ke und ver­letz­te Tie­re“, er­klärt Olaf Göp­fert, der als Wolfs­be­ra­ter im Os­na­brü­cker Land ak­tiv ist. „Es scheint in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten zu sein, dass al­le Tie­re und Pflan­zen und letzt­lich auch der Mensch in Sym­bio­se le­ben und der Rück­gang oder gar das Feh­len, aber auch die Do­mi­nanz ei­ner Art die Le­bens­qua­li­tät ei­ner an­de­ren ein­schränkt, wenn nicht so­gar un­mög­lich macht.“

Für ih­re Fo­to­se­rie wa­ren die Na­tur­fo­to­gra­fen seit 2015 zu ver­schie­de­nen Jah­res­zei­ten in ganz Deutsch­land un­ter­wegs. Dem Luchs ka­men sie im Na­tio­nal­park Harz auf die Sch­li­che. Dort le­ben cir­ca 80 Pro­zent der in Deutsch­land wil­den Luch­se. An der Ra­ben­k­lip­pe bei Bad Harz­burg gibt es ein Schau­ge­he­ge, in dem In­ter­es­sier­te die in frei­er Na­tur sehr scheu­en Pin­sel­oh­ren be­ob­ach­ten kön­nen. Ei­ne klei­ne Po­pu­la­ti­on an Luch­sen lebt im Baye­ri­schen Wald. Ex­per­ten hof­fen auf Wan­de­rung der eher ortstreu­en Kat­zen, da­mit sich die „Har­zer“mit den „Bay­ern“mi­schen und so für ge­ne­ti­sche Va­ria­ti­on und ge­sun­den Nach­wuchs sor­gen. Der Luchs un­ter­schei­det sich von den an­de­ren Wie­der­keh­rern, da er nicht nach Deutsch­land ein­ge­wan­dert ist, son­dern aus­ge­wil­dert wird, um die noch klei­ne na­tür­lich vor­han­de­ne Po­pu­la­ti­on zu stär­ken.

„Bei Wolf und Elch ha­ben wir ein we­nig ge­mo­gelt“, ver­ra­ten Bud­ke und Göp­fert. Da die­se Ar­ten in Deutsch­land in frei­er Wild­bahn nicht so ein­fach mit der Ka­me­ra ein­zu­fan­gen sei­en, ha­ben sie in Wild­ge­he­gen fo­to­gra­fiert: den Elch im Wis­ent­ge­he­ge Sprin­ge, den Wolf im Tier­park Kunster­spring bei Neu­rup­pin, da das dort ge­hal­te­ne Ru­del der bei uns vor­kom­men­den Zen­tral­eu­ro­päi­schen Po­pu­la­ti­on, dem Grau­wolf, ent­spricht. Frei le­ben El­che in Bran­den­burgs Schorf­hei­de, der Oder­nie­de­rung und im Na­tur­park Schlau­be­tal so­wie in der Lau­sitz. In Sach­sen und im Baye­ri­schen Wald sind sie als Durch­züg­ler un­ter­wegs.

Be­ein­druckt vom Wi­sent

Am meis­ten be­ein­druckt zei­gen sich die Fo­to­gra­fen vom Wi­sent. Vie­le Mo­na­te be­ob­ach­te­ten sie das uri­ge Wild­rind in Dam­row-Wer­der in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Förs­ter Fred Zent­ner führ­te sie im Re­ser­vat zu den im­po­san­ten Tie­ren, die sie dann von An­sitz­war­ten, von der Kut­sche, auf der Pirsch, aber auch vom Bo­den aus fo­to­gra­fier­ten. Ein un­ver­gess­li­ches Er­leb­nis sei ge­we­sen, ei­ne Wi­sen­ther­de im Vor­bei­lau­fen zu er­le­ben. „Der gan­ze Bo­den beb­te“, so Göp­fert. Mit der Aus­stel­lung, die vom 9. Sep­tem­ber bis 30. Ok­to­ber in der Os­na­brü­cker La­ger­hal­le zu se­hen ist, möch­ten sie mit ih­rer Be­geis­te­rung an­ste­cken.

„Wir Men­schen sind für das Ver­schwin­den der Tie­re ver­ant­wort­lich. Nun wol­len wir uns da­für ein­set­zen, dass das nicht ein zwei­tes Mal ge­schieht. Es lohnt sich, neue Ar­ten­viel­falt zu­zu­las­sen“, be­to­nen Bud­ke und Göp­fert. Im Ja­nu­ar 2018 wan­dern „die Wie­der­keh­rer“ins Ca­fé im Spei­cher nach Engter. Dort wer­den die Fo­to­gra­fen am 6. Ja­nu­ar ab 16 Uhr per­sön­lich von ih­ren Fo­to-Tou­ren be­rich­ten.

Bil­der­ga­le­rie auf www.noz.de

Fo­to: Göp­fert und Bud­ke

Die Na­tur­fo­to­gra­fen Olaf Göp­fert (links) und Pe­ter Bud­ke sind ur­sprüng­lich in Deutsch­land be­hei­ma­te­ten und nun zu­rück­keh­ren­den Tier­ar­ten auf der Spur.

Fo­tos (2): Dag-Olaf Göp­fert

Klei­ner Luchs im Na­tio­nal­park Harz.

Wi­sen­te in Dam­row-Wer­der in Meck­len­burg-Vor­pom­mern.

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