Archäo­lo­ge fin­det Pfeil­spit­ze aus der St­ein­zeit

Auch neo­li­thi­sches Werk­zeug auf ei­nem Acker in Wulften ent­deckt

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - RUND UM OSNABRÜCK - Von Clau­dia Scholz

Ein Os­na­brü­cker Archäo­lo­ge und ein Hei­mat­for­scher aus Os­ter­cap­peln ha­ben auf ei­nem Acker in Wulften Werk­zeu­ge und ei­ne Pfeil­spit­ze ge­fun­den – sie sol­len aus der St­ein­zeit stam­men.

BISSENDORF/OS­TER­CAP­PELN. Der Archäo­lo­ge Da­ni­el Lau und sein Be­glei­ter Gui­do Gron­eik hat­ten an ei­nem Au­gust­mon­tag ein Er­leb­nis, das je­dem St­ein­zeit­for­scher das Herz zum Sprin­gen brin­gen dürf­te. Die bei­den fan­den auf ei­nem Acker im Bis­sen­dor­fer Ors­teil Wulften meh­re­re Feu­er­stei­ne, die sie auf 2500 bis 2200 vor Chris­tus da­tie­ren. Über ei­nen Fund freu­ten sie sich aber be­son­ders: Ei­ne ge­stiel­te und ge­flü­gel­te Pfeil­spit­ze, die eben­falls aus der Jungstein­zeit stam­men könn­te.

Die Spit­ze ist 2,7 Zen­ti­me­ter lang, 1,6 Zen­ti­me­ter breit und wur­de als Pfeil­be­weh­rung ge­nutzt, wie Lau ver­mu­tet. „Ein Flü­gel der Spit­ze ist lei­der ab­ge­bro­chen – ob die­se Be­schä­di­gung schon in der St­ein­zeit ge­schah oder erst durch die mo­der­ne land­wirt­schaft­li­che Nut­zung, kön­nen wir nicht sa­gen“, er­klärt der Wis­sen­schaft­ler.

Die äu­ße­ren Ge­ge­ben­hei­ten sei­en an je­nem Tag per­fekt für die Su­che nach stein­zeit­li­chen Über­res­ten ge­we­sen, er­zählt der 38-jäh­ri­ge Lau, der sich zu­sam­men mit dem 41-jäh­ri­gen Hei­mat­for­scher und Ge­schichts­stu­dent Gron­eik seit 2015 auf Er­kun­dungs­tou­ren durch die Re­gi­on be­gibt. In ih­rem selbst fi­nan­zier­ten Frei­zeit-Pro­jekt St­ein­zeit­for­schung.de sam­meln, kar­to­gra­fie­ren und be­schrei­ben sie neo­li­thi­sche Fund­stel­len im Land­kreis Os­na­brück.

Die Fel­der sei­en nach der Ern­te frisch be­ar­bei­tet wor­den, und vor Kur­zem hat­te es stark ge­reg­net, so­dass St­ei­ne und an­de­res har­tes Ma­te­ri­al aus dem Erd­reich ge­wa­schen wer­den konn­ten und gut sicht­bar an der Erd­ober­flä­che ge­le­gen ha­ben. Von Me­tall­son­den, die manch­mal Hob­by-Archäologen ein­set­zen, ma­chen sie kei­nen Ge­brauch, da sie ja Über­res­te aus der St­ein­zeit su­chen. Son­den­gän­ger such­ten da­ge­gen eher Bron­ze, Sil­ber und Me­tall aus der Ei­sen­zeit und dem Mit­tel­al­ter. Schau­feln kom­men bei Lau und Gron­eik ge­nau­so we­nig zum Ein­satz. Die bei­den su­chen mit blo­ßem Au­ge.

Den Acker, der ih­nen die Re­lik­te aus­spuck­te, kennt das Archäo­lo­gen­team schon län­ger. Be­reits durch Feld­be­ge­hun­gen in den Jah­ren 1977–1988 wur­de die Ge­gend be­kannt, lie­fer­te bis heu­te zahl­rei­che Feu­er­steinar­te­fak­te, Werk­zeu­ge und vor­ge­schicht­li­che Ke­ra­mik. Au­ßer­dem das Frag­ment ei­nes end­neo­li­thi­schen Rie­sen­be­chers, der sich heu­te im Kul­tur­ge­schicht­li­chen Mu­se­um Os­na­brück be­fin­det.

Im Eck der Ge­mein­den Belm, Bissendorf und Os­ter­cap­peln be­fin­den sich ei­ni­ge me­ga­li­thi­sche Gr­ab­bau­ten, bei­spiels­wei­se die be­kann­ten Sloopstei­ne, die nur hun­dert Me­ter vom ak­tu­el­len Fund­ort ent­fernt lie­gen.

Im März die­ses Jah­res fan­den die bei­den For­scher be­reits ei­ni­ge Feu­er­stei­ne. Das stein­zeit­li­che Ma­te­ri­al der Ge­gend rei­che teil­wei­se bis 10000 Jah­re vor Chris­ti zu­rück. Da­ni­el Lau ver­mu­tet, dass sich dort ei­ne Sied­lung be­fand. To­te wur­den in St­ein­grä­bern be­gra­ben und Gr­ab­bei­la­gen da­zu­ge­legt: Ton­ge­fä­ße, St­ein­bei­le und -äx­te. Klei­ne Werk­zeu­ge wie Scha­ber oder Krat­zer. Da­mit be­ar­bei­te­ten die St­ein­zeit­men­schen Fel­le, Äs­te, schnit­ten Wur­zeln.

Vor drei Jah­ren un­ter­such­te Lau ein Groß­stein­grab am Feld­rand bei Sch­wags­torf, im Orts­teil Fel­sen. Da­bei ent­deck­te er acht Ki­lo­gramm stein­zeit­li­che Ke­ra­mik so­wie zehn Pfeil­spit­zen von 3000 vor Chris­ti. Ih­re Fun­de wer­ten sie aus, fo­to­gra­fie­ren und be­schrei­ben sie, schät­zen ihr Al­ter und ver­glei­chen sie mit ähn­li­chen Fun­den an­de­rer Ge­gen­den. Dann stel­len sie ih­re Er­kennt­nis­se der Os­na­brü­cker Stadt- und Kreis­ar­chäo­lo­gie vor.

Wei­te­re Be­rich­te und In­ter­views aus Bissendorf fin­den Sie im Ort­spor­tal auf www.noz.de/bissendorf

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