Fahr­stuhl in Hoch­haus steht lan­ge still

Re­pa­ra­tur oh­ne An­kün­di­gung in Hoch­häu­sern an der Bu­er­schen Stra­ße in Osnabrück – Mie­ter stink­sau­er

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEITE - Von An­ne Spiel­mey­er

asp OSNABRÜCK. Die Mie­ter zwei­er Hoch­häu­ser an der Bu­er­schen Stra­ße sind sau­er: Vier Wo­chen lang wird bei ih­nen der Fahr­stuhl still ste­hen. Die An­la­gen in bei­den Häu­sern wer­den sa­niert. Al­ler­dings hat das Woh­nungs­un­ter­neh­men LEG die Mie­ter im Vor­feld nicht über das Vor­ha­ben in­for­miert. Für Se­nio­ren oder Fa­mi­li­en mit klei­nen Kin­dern, die in ei­ner der obe­ren der je­weils sie­ben Eta­gen woh­nen, ist das ein un­zu­mut­ba­rer Zu­stand, sa­gen die Mie­ter. Sie füh­len sich von der LEG al­lein­ge­las­sen, fin­den vor Ort kei­nen An­sprech­part­ner in Form ei­nes Haus­warts.

In zwei Hoch­häu­sern an der Bu­er­schen Stra­ße steht der Fahr­stuhl still, weil er kom­plett sa­niert wird. Vier Wo­chen wird das dau­ern. Die Mie­ter wur­den im Vor­feld nicht von dem Woh­nungs­un­ter­neh­men LEG in­for­miert – und sind stink­sau­er. Ein Marsch durchs Trep­pen­haus mit Frust auf sie­ben Eta­gen.

OSNABRÜCK. Die Mit­ar­bei­ter des Pfle­ge­diens­tes müs­sen erst mal ver­schnau­fen, wenn sie bei Edith Lanä­us an­kom­men. Sechs­ter Stock, 104 Stu­fen. Die 94-Jäh­ri­ge selbst be­nutzt zum Ge­hen ei­nen Rol­la­tor und kann das Haus oh­ne Fahr­stuhl der­zeit nicht ver­las­sen. Vier Wo­chen in den ei­ge­nen vier Wän­den? „Ich kann nicht zum Arzt, nicht zum Fri­seur, an Ein­käu­fe ist nicht zu den­ken“, sagt die äl­tes­te Mie­te­rin des Hau­ses, die von Be­ginn an, seit 1967, hier wohnt. 50 Jah­re Bu­er­sche Stra­ße, noch nie so ein Är­ger. „Es ist ver­ständ­lich, dass der Auf­zug re­pa­riert wer­den muss“, räumt sie ein. Un­ver­ständ­lich aber bleibt, dass die LEG AG mit Sitz in Düs­sel­dorf ih­re Mie­ter nicht dar­über in Kennt­nis ge­setzt hat. „Das ist ei­ne Zu­mu­tung, ei­ne klei­ne Ent­mün­di­gung“, fin­det die 94-jäh­ri­ge Os­na­brü­cke­rin, de­ren Toch­ter nun Ein­käu­fe bis in den sechs­ten Stock tra­gen muss. „Es geht“, sagt Edith Lanä­us. „Aber es hät­te ein­fa­cher ge­hen kön­nen.“

Die LEG AG hat die Mie­ter der Häu­ser 28 und 30 erst am Don­ners­tag per Aus­hang im Trep­pen­haus über die Sa­nie­rung der Auf­zugs­an­la­ge in­for­miert. Seit vier Ta­gen stan­den die Fahr­stüh­le da be­reits

still. „Wir ha­ben vor­her kein per­sön­li­ches Schrei­ben be­kom­men. Wir wur­den nicht vor­ge­warnt“, be­schwe­ren sich Mie­ter. Fa­mi­li­en mit vier Kin­dern müs­sen nun ge­nau­so wie Se­nio­ren zu Fuß bis in die obe­ren Eta­gen lau­fen.

„Nor­ma­ler­wei­se in­for­mie­ren wir un­se­re Mie­ter zwei Wo­chen vor Be­ginn sol­cher Ar­bei­ten in ei­nem An­schrei­ben“, sagt Ju­dith-Ma­ria Gil­lies, Spre­che­rin der LEG AG. „Bei der in­ter­nen Über­ga­be ist et­was schief­ge­lau­fen, so­dass die Brie­fe lei­der erst jetzt raus­ge­gan­gen sind.“Für die­sen Feh­ler ent­schul­di­ge sich das Un­ter­neh­men. Eben­falls für die Tat­sa­che, dass fal­sche Ar­beits­zeit­räu­me aus­ge­hängt wur­den. Die Ar­bei­ten sol­len laut Plan in den Hoch­häu­sern 28 und 30 am 20. No­vem­ber ab­ge­schlos­sen sein. In ei­nem drit­ten Haus, Num­mer 32, be­gin­nen sie am 20. No­vem­ber und sol­len vor­aus­sicht­lich am 11. De­zem­ber en­den.

Auf ei­nem Aus­hang hat ein Mie­ter hand­schrift­lich mit den Wor­ten „Das ist ei­ne bo­den­lo­se

Frech­heit“sei­nem Frust Luft ge­macht. „Wir wur­den ein­fach über­rum­pelt“, nennt Hil­de­gard Matt­ner es, fünf­te Eta­ge, 88 Stu­fen. Die 81-Jäh­ri­ge macht ei­ne Pau­se bei Stu­fe 64, at­met tief durch und lä­chelt zwei klei­nen Gar­ten­zwer­gen aus Por­zel­lan auf der Fens­ter­bank zu: „Wenn ich die se­he, dann weiß ich im­mer, gleich ha­be ich es ge­schafft“, nennt sie ei­nen Er­fah­rungs­wert der ver­gan­ge­nen Ta­ge im Trep­pen­haus. Ih­re Zei­tung kann sie erst nach dem Früh­stück ho­len, nüch­tern nimmt sie die Trep­pe nicht. „Hät­te ich es vor­her ge­wusst, hät­te ich Vor­rä­te mit dem Auf­zug trans­por­tiert“, sagt sie. Ih­re Ge­trän­ke la­gert sie nun im Kel­ler und nimmt höchs­tens ei­ne Fla­sche Was­ser mit nach oben.

So muss es in den nächs­ten Wo­chen nicht wei­ter­ge­hen. Die LEG AG will ab die­sem Mon­tag (30. Ok­to­ber) für die­je­ni­gen Mie­ter, die al­ter­so­der krank­heits­be­dingt auf den Auf­zug an­ge­wie­sen sind, Trans­port­diens­te an­bie­ten. Au­ßer­dem soll ein Tra­ge­ser­vice

zum Ein­satz kom­men, der schwe­re Ein­käu­fe für die­je­ni­gen nach oben bringt, die Hil­fe brau­chen. Für drei Mie­ter sei­en be­reits kon­kre­te Lö­sun­gen ge­fun­den wor­den. „Ei­ne Miet­min­de­rung bei solch ei­ner Maß­nah­me ist mög­lich“, bie­tet LEG-Spre­che­rin Gil­lies an. „Nach Ab­schluss

der Ar­bei­ten wer­den wir die An­sprü­che un­se­rer Mie­ter auf Ba­sis der aus­ge­fal­le­nen Zeit be­rech­nen.“

Ka­rin Ko­patz, drit­ter Stock, 56 Stu­fen, ist nicht auf Hil­fe an­ge­wie­sen und hat be­reits ei­nen klei­nen Hams­ter­vor­rat auf dem Bal­kon an­ge­legt. „Es är­gert mich, wie die LEG mit den Mie­tern um­geht“, sagt sie. In ih­rer Aus­sa­ge steckt mehr als der Är­ger über den un­an­ge­kün­dig­ten Aus­fall des Auf­zugs. In ihr steckt auch der Frust über ei­ne Haus­ver­wal­tung, die für die Mie­ter nicht prä­sent zu sein scheint. „Was die Leu­te hier brau­chen, ist ein An­sprech­part­ner. Sie füh­len sich al­lein­ge­las­sen“, sagt sie. Zwar lä­chelt in je­dem Haus­flur ein Mit­ar­bei­ter der LEG von ei­nem Pla­kat mit dem Hin­weis auf ei­ne Re­pa­ra­tur-Hot­li­ne und die Num­mer ei­nes so­ge­nann­ten Haus­warts, aber „der ist nicht mehr für uns zu­stän­dig“, sa­gen die Mie­ter.

Das Woh­nungs­un­ter­neh­men er­klärt das mit in­ter­nen Um­struk­tu­rie­run­gen. Es ge­be noch ei­ne Haus­war­tin an der Bu­er­schen Stra­ße, aber die Be­schwer­den wür­den zu­nächst über die Hot­li­ne des Zen­tra­len Kun­den­ser­vice ab­ge­wi­ckelt. Den Stamm­mie­tern an der Bu­er­schen Stra­ße ist kei­ne Haus­war­tin be­kannt. „Den Mie­tern kommt es häu­fig so vor, als küm­me­re sich nie­mand mehr“, be­stä­tigt die LEG-Spre­che­rin und be­tont: „Das ist aber nicht so.“

Drau­ßen im Hof liegt der Müll nicht im gel­ben Sack, son­dern auf dem Bo­den des Sam­mel­plat­zes von Haus 28.

„Ei­ne Miet­min­de­rung bei solch ei­ner Maß­nah­me ist mög­lich“Ju­dith-Ma­ria Gil­lies, Spre­che­rin der LEG AG

„Der zieht hier un­glaub­lich vie­le Rat­ten an“, er­zählt Be­woh­ne­rin Hil­de­gard Matt­ner. An­de­re Mie­ter nen­nen die de­fek­te Au­ßen­be­leuch­tung, die Au­ßen­rei­ni­gung oder lär­men­de Ju­gend­li­che auf dem pri­va­ten Spiel­platz der Miets­häu­ser als Knack­punk­te, die das Woh­nungs­un­ter­neh­men gar nicht oder erst spät an­pa­cke.

„Die durch­schnitt­li­che Er­reich­bar­keit der Re­pa­ra­turHot­li­ne liegt bei über 96 Pro­zent“, nennt Gil­lies ei­ne Zahl. Knapp 70 Pro­zent al­ler Klein­re­pa­ra­tu­ren wür­den in­ner­halb von fünf Ar­beits­ta­gen be­ho­ben, in­ner­halb von zehn Ar­beits­ta­gen sind es be­reits rund 85 Pro­zent.

„Mir kommt es so vor, als müss­te die LEG ex­tra aus Düs­sel­dorf an­rei­sen, um hier mal ei­ne Glüh­bir­ne aus­zu­wech­seln“, kri­ti­siert ein Mie­ter. Mo­na­te­lang hät­ten sie auf Licht war­ten müs­sen. Bleibt die Hoff­nung, dass – wenn schon nicht der Auf­zug – so zu­min­dest die an­ge­kün­dig­te Hil­fe ab die­sem Mon­tag in Fahrt kommt.

Fo­tos: Micha­el Grün­del

Trep­pen stei­gen, bis der Arzt kommt? Hoch­par­terre plus sie­ben Eta­gen zäh­len die drei Hoch­häu­ser an der Bu­er­schen Stra­ße 28, 30 und 32.

Ei­ne gu­te Kon­di­ti­on brau­chen die Be­woh­ner der Hoch­häu­ser in den kom­men­den Wo­chen.

Aus­ge­bremst: Edith Lanä­us (94) kann mit ih­rem Rol­la­tor das Trep­pen­haus nicht be­wäl­ti­gen. Sie sitzt im sechs­ten Stock fest.

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