Fest­akt im Mu­se­um der Va­rus­schlacht

Fest­akt im Mu­se­um und Park Kal­k­rie­se: Ers­te Fun­de vor drei Jahr­zehn­ten

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEITE - Von Mar­cus Al­wes

maa BRAMSCHE. In Bramsche wur­de das Ju­bi­lä­um „30 Jah­re ers­te Fun­de Kal­k­rie­se“ge­fei­ert. Lan­des­ar­chäo­lo­ge Hen­ning Haß­mann be­ton­te, es sei nicht ab­schlie­ßend ge­klärt, ob hier wirk­lich die „Schlacht im Teu­to­bur­ger Wald“statt­ge­fun­den ha­be.

Der nie­der­säch­si­sche Lan­des­ar­chäo­lo­ge Dr. Hen­ning Haß­mann hat bei ei­nem Fest­akt im Mu­se­um und Park auf „30 Jah­re ers­te Fun­de Kal­k­rie­se“zu­rück­ge­blickt.

BRAMSCHE. Den al­les ent­schei­den­den, fi­na­len Be­weis für die fast schon my­thi­sche Schlacht­stät­te zwi­schen dem Ger­ma­nen-An­füh­rer Ar­mi­ni­us und dem Rö­mer-Feld­herrn Va­rus konn­te aber auch er in ei­nem Fest­vor­trag (noch) nicht lie­fern. Des­halb müs­se, so Haß­mann vor rund 100 Gäs­ten, die Ar­beit der Wis­sen­schaft­ler wei­ter­ge­hen.

Der Lan­des­ar­chäo­lo­ge er­in­ner­te in ei­nem kurz­wei­li­gen Vor­trag un­ter an­de­rem an die ers­ten Fun­de des En­g­län­ders To­ny Clunn im Jah­re 1987 und des­sen lang­jäh­ri­ges For­schen vor Ort („Er ist Hun­der­te Ki­lo­me­ter über die Äcker ge­gan­gen“). Aber auch an die wis­sen­schaft­li­che An­nä­he­rung an das mög­li­che Va­rus­schlacht­ge­län­de in Kal­k­rie­se mit­tels Land­schafts­bil­dern, um­fang­rei­chen Aus­wer­tun­gen von Kar­ten­wer­ken, Gra­bungs­schnit­ten oder das auf­wen­di­ge Zu- und Ein­ord­nen von Fund­stü­cken. Mün­zen („Ein Spek­trum, das nur in die Zeit des Va­rus passt“), Pfeil­spit­zen, Schleu­derbleie oder die le­gen­dä­re Mas­ke ei­nes rö­mi­schen Sol­da­ten führ­te Haß­mann bei­spiels­wei­se an.

Für den Wis­sen­schaft­ler steht fest, dass al­le bis­he­ri­gen Er­kennt­nis­se „dar­auf hin­wei­sen, dass wir es hier mit ei­nem Va­rus-Er­eig­nis zu tun ha­ben“. Die­ses kön­ne auf den ei­gent­li­chen Schlacht­ort im Jah­re 9 nach Chris­tus hin­deu­ten, kön­ne aber auch ei­ne Kampf- und La­ger­stät­te im Rah­men ei­nes nur we­ni­ge Jah­re spä­ter er­folg­ten Feld­zu­ges des Rö­mer-Füh­rers Ger­ma­ni­cus sein. Für die Archäo­lo­gie lie­ge zwi­schen bei­den Er­eig­nis­sen „nur ein Wim­pern­schlag“, so Haß­mann. Ei­ne end­gül­ti­ge, ab­schlie­ßen­de Fest­le­gung sei – For­schungs­stand heu­te – des­halb sehr schwie­rig bzw. kaum mög­lich.

An­ti­kes Schlacht­feld

Der Fach­ex­per­te wies al­ler­dings dar­auf hin, dass es „die ei­gent­li­che Sen­sa­ti­on an Kal­k­rie­se“sei, hier vor drei Jahr­zehn­ten „über­haupt noch ein an­ti­kes Schlacht­feld ge­fun­den zu ha­ben“. Im Lau­fe der ver­gan­ge­nen 2000 Jah­re sei auf und im Bo­den „so viel pas­siert“, be­ton­te Haß­mann, dass die Ent­de­ckung ei­nes sol­chen Kampf­plat­zes „un­heim­lich schwer“und ei­ne ech­te Be­son­der­heit sei.

Der Lan­des­ar­chäo­lo­ge gab aber zu, dass mit je­dem neu­en Gra­bungs­schnitt bzw. Fund – zum Bei­spiel der un­längst ent­deck­ten, wei­te­ren Wall-Gr­a­ben-An­la­ge – „gleich­zei­tig auch zehn neue Fra­gen auf­kom­men“. Es blei­be al­so für Wis­sen­schaft­ler und Ge­schichts­in­ter­es­sier­te span­nend rund um die Sen­ke bei Kal­k­rie­se und Nie­wed­de. Des­halb sei es auch zu be­grü­ßen, dass erst vor we­ni­gen Ta­gen im Va­rus-Mu­se­um die wei­te­re staat­li­che For­schung mit ei­nem lang­fris­ti­gen Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag be­kräf­tigt und ab­ge­si­chert wor­den sei (un­se­re Re­dak­ti­on be­rich­te­te).

„Ein Mar­ken­zei­chen“

Vor Haß­mann hat­te be­reits Os­na­brücks Kreis­rat Mat­thi­as Sel­le am Red­ner­pult die Ar­bei­ten in Kal­k­rie­se ge­wür­digt. „Archäo­lo­gen tra­gen In­diz für In­diz zu­sam­men“, stell­te er fest, „fast tag­täg­lich gibt der Bo­den sei­ne Ge­heim­nis­se frei.“Die 1991 ge­fun­de­ne ei­ser­ne Mas­ke sei zu „ei­nem Mar­ken­zei­chen des Mu­se­ums ge­wor­den, aber auch zu ei­nem des Land­krei­ses“, füg­te Sel­le nicht oh­ne Stolz hin­zu. Kal­k­rie­se sei eben „ein Glücks­fall für die Re­gi­on“, so der Kreis­rat.

Va­rus-For­schung in Kal­k­rie­se bis min­des­tens 2029 ge­si­chert: Un­ser Be­richt auf noz.de/ar­ti­kel/970134

Fo­to: Her­mann Pen­ter­mann

Er­in­ner­ten an ers­te und jüngs­te Fun­de im Os­ten von Bramsche: Va­rus­schlacht-Ge­schäfts­füh­rer Dr. Jo­seph Rott­mann (l.), Lan­des­ar­chäo­lo­ge Dr. Hen­ning Haß­mann und der Osnabrücker Kreis­rat Mat­thi­as Sel­le.

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