Bau­ern brau­chen neu­en Prä­si­den­ten

Schul­te to Brin­ke als Hil­se-Nach­fol­ger im Ge­spräch

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEITE - Von Dirk Fis­ser

df OSNABRÜCK. Der nie­der­säch­si­sche Bau­ern­ver­band Land­volk wählt im De­zem­ber ei­nen neu­en Prä­si­den­ten. Bes­te Aus­sich­ten, die Amts­ge­schäf­te von Wer­ner Hil­se zu über­neh­men, hat der Ibur­ger Milch­bau­er Al­bert Schul­te to Brin­ke.

Neu­er Chef­lob­by­ist ge­sucht: Die Amts­zeit von Land­volk-Prä­si­dent Hil­se en­det. Im De­zem­ber soll ge­wählt wer­den. Wer über­nimmt?

OSNABRÜCK. Im De­zem­ber ist für Wer­ner Hil­se Schluss, die Amts­zeit des 65 Jah­re al­ten Land­volk-Prä­si­den­ten en­det. Seit 2003 steht er ei­nem der mit­glie­der­stärks­ten Lob­by­ver­bän­de in Nie­der­sach­sen vor. Bei der Nach­fol­ge­fra­ge läuft al­les auf Milch­bau­er Al­bert Schul­te to Brin­ke aus dem Osnabrücker Land hin­aus.

Die Wahl fällt in ei­ne Zeit der ge­sell­schaft­li­chen Kri­tik an der Land­wirt­schaft. Das Dau­er­feu­er von au­ßen hat auch zu ei­ner Ent­frem­dung der Ba­sis von ih­ren Spit­zen­ver­bän­den ge­führt. Vie­le Bau­ern sind nicht zu­frie­den da­mit, wie es läuft und dass das An­se­hen der Land­wirt­schaft so schlecht ist. Ei­ne Ver­ant­wor­tung da­für se­hen sie nicht nur bei Grü­nen oder Me­di­en, son­dern eben auch bei ih­ren Spit­zen­lob­by­is­ten: beim Land­volk in Nie­der­sach­sen oder dem Bau­ern­ver­band auf Bun­des­ebe­ne. Die Bau­ern­ver­tre­ter ken­nen die Sor­gen der Bau­ern nicht, heißt es. Sie sä­ßen in zahl­rei­chen Gre­mi­en, statt auf dem Acker oder im Stall zu ar­bei­ten. Of­fe­ne Kri­tik äu­ßern aber die we­nigs­ten.

Hil­se kennt die Vor­wür­fe und Vor­be­hal­te ge­gen sei­ne Per­son und an­de­re Spit­zen­ver­tre­ter sehr genau. Der 65Jäh­ri­ge sagt: „Ich kann mich nicht ein­fach hin­stel­len und sa­gen: Wir wol­len hö­he­re Prei­se. Ich muss schon glaub­haft er­klä­ren, wie das ge­hen soll.“Rea­lis­mus sei ihm bei der Lob­by­ar­beit stets wich­tig ge­we­sen – und nicht et­wa ei­ne Viel­zahl von Ne­ben­jobs: „Ja, ich ha­be vie­le Äm­ter in Auf­sichts­rä­ten und so wei­ter. Ich sit­ze da nicht zum Selbst­zweck in die­sen Gre­mi­en, auch wenn mir das den Vor­wurf des Bon­zen ein­bringt.“Es ge­he um Stra­te­gie und Aus­rich­tung von Ge­nos­sen­schaf­ten und Kon­zer­nen und um das bäu­er­li­che Fach­wis­sen, ver­tei­digt er die Äm­ter­häu­fung.

Be­stä­tigt sa­hen sich die Kri­ti­ker al­ler­dings, als aus­ge­rech­net der mög­li­che Hil­seNach­fol­ger und da­ma­li­ge Vi­ze­prä­si­dent Heinz Kor­te an die Spit­ze des Auf­sichts­ra­tes bei Deutsch­lands Mol­ke­reiRie­se DMK wech­sel­te und sein Amt im Ver­band ab­gab. Als neu­er Prä­si­dent wur­de schnell Vi­ze Al­bert Schul­te to Brin­ke aus Bad Iburg ge­han­delt – eben­falls Milch­bau­er. Aus Ver­bands­krei­sen heißt es, die Wei­chen sei­en ge­stellt für ei­ne Wahl des 60-Jäh­ri­gen. Schul­te to Brin­ke selbst sagt: „Bei brei­ter Zu­stim­mung im Ver­band ma­che ich es.“

Amts­in­ha­ber Hil­se will kei­ne Na­men nen­nen. Nur so viel: „Die Be­wer­bungs­frist läuft, ich bin sehr op­ti­mis­tisch, dass wir gu­te Kan­di­da­ten be­kom­men. Ein zwei­ter Na­me, der im­mer wie­der ge­nannt wird, ist Jörn Eh­lers, Schwei­ne­hal­ter, Vor­sit­zen­der des Kreis­ver­ban­des Ro­ten­burg-Ver­den und 45 Jah­re alt. Seit sei­ner Er­nen­nung zum Land­volk-Vi­ze­prä­si­den­ten vor nicht ganz ei­nem Jahr tritt er ver­mehrt in der Öf­fent­lich­keit in Er­schei­nung, nimmt an Po­di­ums­dis­kus­sio­nen teil und ist vor al­lem im In­ter­net ak­tiv.

Gera­de jün­ge­re Land­wir­te se­hen hier in so­zia­len Netz­wer­ken die Platt­for­men, um auf die Kri­tik an ih­rer Ar­beit zu re­agie­ren. Mit Eh­lers ver­bin­den vie­le ei­nen mög­li­chen Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sel an der Spit­ze des Ver­ban­des. An­ge­spro­chen auf mög­li­che Am­bi­tio­nen, sagt der Land­wirt: „Schul­te to Brin­ke wä­re ein ge­eig­ne­ter Prä­si­dent.“

Agrar­nach­rich­ten auf noz.de/land­wirt­schaft

Fo­to: Swa­ant­je Heh­mann

Der nächs­te Prä­si­dent? Al­bert Schul­te to Brin­ke aus Bad Iburg.

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