Fans und Sport­chef rü­cken von Nou­ri ab

Nach dem 0:3-De­ba­kel steht Werder vor ei­nem Trai­ner­wech­sel – Über­nimmt wie­der der U-23-Coach?

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - SPORT - Udo Mu­ras

Sieg­los, ide­en­los – ist Nou­ri noch zu hal­ten?

In Bre­men ste­hen die Zei­chen nach dem 0:3-De­ba­kel ge­gen den FC Augs­burg auf Tren­nung. Zu schwach war die Leis­tung, zu be­sorg­nis­er­re­gend ist der Trend seit dem Sai­son­start. Al­le An­zei­chen deu­ten dar­auf hin, dass Alex­an­der Nou­ri an die­sem Mon­tag sein Amt ab­ge­ben muss. „Wir müs­sen uns bei je­dem ein­zel­nen Fan für un­se­re Leis­tung ent­schul­di­gen“, sag­te der 38-Jäh­ri­ge, der im Sep­tem­ber 2016 vom Trai­ner der U 23 zum Nach­fol­ger von Vik­tor Skrip­nik be­för­dert wor­den war – zu­nächst über­gangs­wei­se, dann als Dau­er­lö­sung. Ein ähn­li­ches Vor­ge­hen er­scheint auch jetzt wahr­schein­lich: Flo­ri­an Koh­feldt, der 2016 die U23 von Nou­ri über­nom­men hat, soll ein­sprin­gen. „Ich kann und möch­te kei­ne Job­ga­ran­tie zum jet­zi­gen Zeit­punkt ge­ben so kurz nach dem Spiel“, sag­te Frank Bau­mann am Sonn­tag­abend, doch zwi­schen den Zei­len war zu hö­ren, dass der Ex­pro­fi vom Trai­ner ab­ge­rückt ist: „Ich hat­te in vie­len Si­tua­tio­nen das Ge­fühl, dass wir ein Freund­schafts­spiel be­strei­ten.“Die Fans auch: Vie­le Zu­schau­er ver­höhn­ten die Mann­schaft in der Schluss­pha­se und rie­fen: „Nou­ri raus!“Es wä­re ei­ne Über­ra­schung, wenn Werder die­sem Druck stand­hal­ten wür­de.

War­um hat der Heynckes-Ef­fekt ei­ne Blitz­wir­kung?

Kol­le­ge Ralph Ha­sen­hüt­tel lä­chel­te dünn, als er nach dem 0:2 sei­ner Leip­zi­ger Jupp Heynckes gra­tu­lier­te: „Das ging ja ver­dammt schnell. Du hast nicht lan­ge ge­braucht – und ihr seid ganz vor­ne“. Es klingt nach Zau­be­rei: Drei Wo­chen Ar­beit und fünf Pflicht­spiel­sie­ge am Stück ha­ben aus­ge­reicht, um die Münch­ner Fuß­ball­welt ro­sa­rot zu fär­ben. Ers­ter in der Li­ga, wei­ter im Po­kal – und am Di­ens­tag (20.45 Uhr) könn­te in Glas­gow ge­gen Cel­tic der Ach­tel­fi­nal­ein­zug in der Cham­pi­ons Le­ague fol­gen. Und im Du­ell mit Bo­rus­sia Dort­mund am nächs­ten Sams­tag ha­ben die Bay­ern in nur drei Spie­len aus ei­nem Fünf-Punk­te-Rück­stand ei­nen Drei-Punk­te-Vor­sprung ge­macht. Und jetzt geht es nach Dort­mund – mit brei­ter Brust. Der 72-jäh­ri­ge Heynckes er­klär­te nach dem fünf­ten Sieg im fünf­ten Spiel, war­um es so schnell geht: „Ich ken­ne die­sen Club in- und aus­wen­dig. Ich weiß, wie ich die Din­ge be­ein­flus­sen kann. Aber fest steht eben auch, es war­ten noch gro­ße Her­aus­for­de­run­gen auf uns.“

Wie lan­ge hat Gis­dol noch das Ver­trau­en des HSV?

An­geb­lich, so hat­te es das Bou­le­vard-Ma­ga­zin „Spor­tBild“ver­mel­det, ste­he Mar­kus Gis­dol bei Nie­der­la­gen in Ber­lin und am Sams­tag ge­gen den VfB Stutt­gart zur Dis­po­si­ti­on. „Die­se Spe­ku­la­ti­on ist falsch“, er­klär­te Vor­stands­chef He­ri­bert Bruch­ha­gen am Tag nach dem 1:2 bei Her­tha BSC. Schon um 7.30 Uhr ver­sam­mel­te Gis­dol am Sonn­tag sei­ne zum ach­ten Mal in Fol­ge sieg­lo­sen Spie­ler zur An- und Aus­spra­che. „Mit Nach­läs­sig­kei­ten wie in Ber­lin wer­den wir kei­ne Punk­te hol­ten. Wir kön­nen das nicht Wo­che für Wo­che wei­ter­lau­fen las­sen“, sag­te der Coach und ver­sprach: „Ich als Trai­ner wer­de den Druck auf die Mann­schaft er­hö­hen, nie­mand sonst.“Auch Sport­di­rek­tor Jens Todt nimmt die Pro­fis in die Pflicht: „Die Zeit ist vor­bei, sich in Ru­he zu las­sen.“

Ist Han­no­ver 96 so gut wie der ak­tu­el­le Ta­bel­len­platz?

Ein mit­rei­ßen­der 4:2-Sieg ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund, Platz vier nach zehn Spiel­ta­gen, vor Schal­ke, Glad­bach und Hof­fen­heim – Han­no­ver schwärmt von den „Ro­ten“ wie lan­ge nicht mehr. Und von „Brei­te“, wie der po­pu­lä­re Trai­ner An­dré Brei­ten­rei­ter ge­nannt wird. So en­ga­giert der ge­bür­ti­ge Han­no­ve­ra­ner am Spiel­feld­rand coacht, so sach­lich blieb er, als um ihn her­um die Eu­pho­rie gras­sier­te: „Wir spie­len das Spiel nicht mit, das vie­le spie­len wol­len, und be­hal­ten die Bo­den­haf­tung.“Von Ma­na­ger Horst Heldt be­kam er Lob für sei­ne tak­ti­sche Fein­ar­beit: „Der hat in die Trick­kis­te ge­grif­fen und der Mann­schaft das Rüst­zeug ge­ge­ben, wie man ge­gen Dort­mund be­steht.“Dass er da­zu auch psy­cho­lo­gi­sches Ge­schick hat, zeig­te der Um­gang mit dem hoch­be­gab­ten, aber manch­mal phleg­ma­ti­schen Stür­mer Fe­lix Klaus. Den kri­ti­sier­te Brei­ten­rei­ter vor dem Top­spiel öf­fent­lich, no­mi­nier­te ihn dann aber für die Start­elf. Klaus dank­te es mit ei­ner star­ken Leis­tung und ei­nem herr­li­chen Frei­stoß­tor zum 3:2. „Der Trai­ner weiß, dass ich manch­mal ei­nen klei­nen Arsch­tritt brau­che. Ich woll­te es al­len zei­gen, vor al­lem dem Trai­ner.“

Soll die Fan­kul­tur Welt­kul­tur­er­be wer­den?

Wenn es nach dem im Mai ge­grün­de­ten Ver­ein „FC Play­Fair!“geht, auf je­den Fall. An die­sem Mon­tag stellt die Initia­ti­ve für ganz nor­ma­le Fuß­ball­fans ei­nen ent­spre­chen­den An­trag bei der Unesco, Au­ßen­stel­le Pa­der­born. „Mit dem An­trag an die Unesco will der FC Play Fair! fe­der­füh­rend das öf­fent­li­che Be­wusst­sein dar­über stär­ken, dass der Fuß­ball eben nicht nur zum Spiel­ball von Ver­bän­den und In­ves­to­ren wird“, heißt es in der Be­grün­dung. „Fuß­ball funk­tio­niert nicht oh­ne Fans“, bringt es Dr. An­dré Büh­ler auf den Punkt. Der Un­ter­neh­mer aus dem Schwä­bi­schen hat­te schon die Grün­dung des Ver­eins wir­kungs­voll un­ter­malt: Mit den Er­geb­nis­sen ei­ner Stu­die, in der über 17 000 Fuß­ball­freun­de den Ent­wick­lun­gen ih­res Sports den Spie­gel vor­hiel­ten. Das floss ein in die Über­zeu­gung, dass die Fan­kul­tur ge­nau­so schüt­zens­wert ist wie der rhei­ni­sche Kar­ne­val, der Welt­kul­tur­er­be ist. Beim „FC Play­Fair!“weiß man, dass es ein sym­bo­li­scher Akt ist. Und dass sie auf das Er­geb­nis lan­ge war­ten müs­sen. Auf der War­te­lis­te ste­hen 70 An­trä­ge vor der Fan-Kul­tur, dar­un­ter die Falk­ne­rei und die säch­si­sche Brau­kunst. Aber die Mäch­ti­gen des Fuß­balls hät­ten ei­nen An­lass mehr, dar­über nach­zu­den­ken, was ih­nen die Fans noch wert sind.

Fo­to: dpa

Ganz Han­no­ver schwärmt von den „Ro­ten“: Fe­lix Klaus, Ih­las Be­bou und Wal­de­mar An­ton (von links) be­ju­beln den 4:2-Sieg ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund.

Fo­to: im­a­go/Nord­pho­to

Vor dem Aus: Werder-Trai­ner Alex­an­der Nou­ri (rechts) und As­sis­tent Mar­kus Feld­hoff beim 0:3.

Fo­to: dpa

Schnell wirk­sam: Trai­ner-Rou­ti­nier Jupp Heynckes bringt die Bay­ern in Re­kord­zeit auf Kurs.

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