Sturm „Her­wart“trifft den Nor­den

Nach dem Sturm­tief: Zwei To­te, Ver­letz­te und gro­ße Sach­schä­den

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEITE - Fo­tos: dpa

Zwei­ter schwe­rer Herbst­sturm: To­te, Ver­letz­te und er­heb­li­che Schä­den hat das Sturm­tief „Her­wart“am Wo­che­n­en­de in Eu­ro­pa hin­ter­las­sen. An der Nord­see wur­de ein 63-jäh­ri­ger Cam­per von der Sturm­flut über­rascht und er­trank. In Meck­len­burg-Vor­pom­mern starb ei­ne Frau nach ei­nem Boots­un­fall. Meh­re­re Men­schen ver­letz­ten sich bei Sturm-Un­fäl­len. In Po­len und Tsche­chi­en wa­ren min­des­tens drei To­des­op­fer zu be­kla­gen. Die Deut­sche Bahn stopp­te in sie­ben Bun­des­län­dern ih­ren Fern­ver­kehr. Vie­le Stra­ßen wur­den we­gen um­ge­kipp­ter Bäu­me ge­sperrt. Vor al­lem in Nord- und Ost­deutsch­land ent­wur­zel­te „Her­wart“zahl­rei­che Bäu­me. Me­teo­ro­lo­gen warn­ten vor dem Be­tre­ten der Wäl­der. Im nord­frie­si­schen Ol­dens­wort fiel die­se Müh­le (Bild) aus dem Jahr 1786 dem Sturm zum Op­fer.

Das Sturm­tief „Her­wart“sorgt im Nor­den für mehr als 1000 Feu­er­wehr­ein­sät­ze. Min­des­tens fünf Men­schen kom­men in Eu­ro­pa ums Le­ben.

dpa HAM­BURG. Wer am Sonn­tag­mor­gen die Woh­nungs­tür öff­ne­te, dem pfiff ein hef­ti­ger Wind um die Oh­ren: Mit Sturm­tief „Her­wart“hat nach dem ver­hee­ren­den Or­kan „Xa­vier“ein zwei­ter gro­ßer Herbst­sturm den Nor­den durch­ge­wir­belt.

Auf dem Pee­ne­strom in Meck­len­burg-Vor­pom­mern war am Vor­mit­tag ein Mo­tor­boot mit drei Ur­lau­bern aus Sach­sen ge­ken­tert. Ei­ne ins Kran­ken­haus ge­brach­te Frau starb St­un­den spä­ter, wie ein Po­li­zei­spre­cher in Neu­bran­den­burg am Abend mit­teil­te. Die Su­che nach ei­nem drit­ten Pas­sa­gier blieb nach An­ga­ben der Be­am­ten auch nach rund fünf St­un­den er­folg­los.

Am Ufer des Ja­de­bu­sens im Kreis We­ser­marsch wur­de ein 63-jäh­ri­ger Mann aus Nord­rhein-West­fa­len von der Sturm­flut über­rascht und er­trank. Der Mann ha­be mit sei­nem Bru­der auf ei­nem Cam­ping­platz in ei­nem Bul­li über­nach­ten und sich beim Her­an­na­hen des Was­sers zu Fuß in Si­cher­heit brin­gen wol­len, teil­te die Po­li­zei mit. Der 59 Jah­re al­te Bru­der konn­te sich noch an ei­nem Mast fest­hal­ten. Er wur­de von ei­ner DLRG-Schlauch­boot-Be­sat­zung am frü­hen Mor­gen ge­ret­tet und un­ter­kühlt in ein Kran­ken­haus ge­bracht. Der 63-Jäh­ri­ge aus Hal­ver im Sau­er­land wur­de we­nig spä­ter tot ge­bor­gen.

Al­lein in Ham­burg muss­te die Feu­er­wehr mehr als 900mal aus­rü­cken. Die Ein­satz­kräf­te hät­ten sich vor al­lem um um­ge­stürz­te Bäu­me, Bau­ge­rüs­te und Dach­tei­le ge­küm­mert, sag­te ein Spre­cher. Die Hö­he des Sach­scha­dens lie­ge ver­mut­lich im Mil­lio­nen­be­reich.

Im Ham­bur­ger Ha­fen be­schäf­tig­te ei­ne schwe­re Sturm­flut die Feu­er­wehr­leu­te. So lief ei­ne Tief­ga­ra­ge in der Nä­he der Elb­phil­har­mo­nie voll. Das Was­ser stieg teils auf ei­nen Stand von 1,50 Me­tern an, weil gleich meh­re­re Flut­schutz­to­re nicht ge­schlos­sen wor­den wa­ren. Am über­flu­te­ten Fisch­markt und an der Stran­dal­lee im Stadt­teil Blan­ke­ne­se muss­ten meh­re­re Au­tos ge­bor­gen wer­den.

Feu­er­wehr­spre­cher Wer­ner Nöl­ken zog ins­ge­samt ei­ne po­si­ti­ve Bi­lanz: „Wir wa­ren den An­kün­di­gun­gen ent­spre­chend gut auf­ge­stellt. Aber auch die Bür­ger soll­ten vor ei­nem Un­wet­ter ent­spre­chen­de Vor­keh­run­gen tref­fen, um Schä­den zu ver­hin­dern.“

Die El­be er­reich­te am Vor­mit­tag vor­über­ge­hend ei­nen Höchst­stand von mehr als drei Me­tern über dem mitt­le­ren Hoch­was­ser, wie das Bun­des­amt für See­schiff­fahrt und Hy­dro­gra­phie an­gab.

Die star­ken Bö­en er­reich­ten im Nor­den Ge­schwin­dig­kei­ten von 140 Ki­lo­me­tern pro St­un­de auf Sylt und Hid­den­see, 130 km/h auf Feh­marn, 120 km/h in War­ne­mün­de und auf Hel­go­land so­wie 100 km/h in Ham­burg.

In Po­len und Tsche­chi­en wa­ren min­des­tens drei wei­te­re To­des­op­fer zu be­kla­gen. In Ham­burg gab es bis zum Nach­mit­tag laut Feu­er­wehr auch kei­ne Ver­letz­ten. In an­de­ren Tei­len Deutsch­lands ist die Zahl der Ver­letz­ten glück­li­cher­wei­se über­schau­bar. In Ber­lin wur­de ein Fuß­gän­ger von ei­nem um­kip­pen­den Bau­ge­rüst schwer ver­letzt. In Sach­sen-An­halt wur­de ei­ne Au­to­fah­re­rin leicht ver­letzt, die mit ih­rem Wa­gen ge­gen ei­nen Baum prall­te, der auf die Stra­ße ge­stürzt war. In Ol­dens­wort (Kreis Nord­fries­land) über­schlug sich ein Au­to beim Aus­wei­chen vor her­ab­ge­stürz­ten Äs­ten.

Doch „Her­wart“hat­te auch fas­zi­nie­ren­de Sei­ten. So wa­ren am Vor­mit­tag vie­le Tou­ris­ten und Schau­lus­ti­ge zum über­flu­te­ten Ham­bur­ger Fisch­markt ge­kom­men, um das Na­tur­er­eig­nis zu be­trach­ten. Auch ei­ni­ge Fisch- und Ge­mü­se­händ­ler lie­ßen sich ihr Ge­schäft von „Her­wart“nicht ver­mie­sen: Sie ver­kauf­ten ih­re Wa­ren ein­fach auf ei­nem na­he ge­le­ge­nen Platz, den das Was­ser nicht er­reicht hat­te.

Fo­to: dpa

Dem star­ken Wind hat ein Bau­ge­rüst in Ber­lin nicht stand­ge­hal­ten (oben). Auch in Tsche­chi­en wü­te­te Sturm „Her­wart“, dem un­ter an­de­rem das Dach ei­ner Kir­che zum Op­fer fiel (links). Am Ja­de­bu­sen ha­ben zwei Brü­der die Warn­schil­der (rechts) igno­riert und sind von der Sturm­flut über­rascht wor­den. Ei­ner der Män­ner starb.

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