Das wich­tigs­te Prin­zip ver­letzt

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - VORDERSEITE - Von Ste­fa­nie Wit­te s.wit­te@noz.de

In Je­ru­sa­lem ist ein Prin­zip al­len hei­lig. Ju­den und Mus­li­men eben­so wie At­he­is­ten: der Sta­tus quo. Der Glau­be dar­an, dass der ak­tu­el­le Zu­stand un­ter al­len Um­stän­den er­hal­ten wer­den muss. Was das be­deu­tet, war zu­letzt am Tem­pel­berg zu be­ob­ach­ten, wo sim­ple Me­tall­de­tek­to­ren Un­ru­hen aus­lös­ten. Am En­de wur­den die Ge­rä­te ab­mon­tiert.

An der Gr­a­bes­kir­che steht wie ein Mahn­mal die so­ge­nann­te Sta­tus-quo-Lei­ter. Ei­ne Holz­lei­ter, die ver­mut­lich Bau­ar­bei­ter vor Jahr­hun­der­ten dort ver­ges- sen ha­ben. Sie darf nicht be­wegt wer­den, weil das den Zu­stand der Kir­che än­dern wür­de. So weit geht das Je­ru­sa­le­mer Ge­bot „Du sollst nicht ver­än­dern“. Denn Ve­rän­de­run­gen kön­nen neue Be­sitz­an­sprü­che und Anne­xio­nen be­deu­ten.

Das Prin­zip lässt sich auf das gan­ze Land über­tra­gen. Auch wenn nie­mand mit dem ak­tu­el­len Zu­stand zu­frie­den ist, er­mög­licht die Ze­men­tie­rung zu­min­dest ei­nen All­tag in Is­ra­el und Pa­läs­ti­na und dämpft das Ge­walt­po­ten­zi­al.

Wenn die USA Je­ru­sa­lem als Haupt­stadt an­er­ken­nen, ist das ein kras­ser Ein­griff. Der Tem­pel­berg ist den Mus­li­men hei­lig. Und ei­ne is­rae­li­sche Haupt­stadt Je­ru­sa­lem wür­de die Zwei-Staa­ten-Lö­sung er­schwe­ren bis un­mög­lich ma­chen. Am En­de ist zu be­fürch­ten, dass die ein­sei­ti­ge Ver­let­zung des Sta­tus quo das zur Fol­ge hat, was sie im­mer zur Fol­ge hat: To­te und Ver­letz­te.

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