„Mei­ne Mut­ter fun­giert als Me­dia­to­rin“

Dan­ger Dan über die Ar­beit mit sei­nem Bru­der Pa­nik Pan­zer und die Hip-Hop-Sze­ne

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - KULTUR REGIONAL - Von Tom Bull­mann

Sie ver­mischt Hip-Hop mit Punk: die An­ti­lo­pen Gang. Im Rah­men ih­rer „An­ar­chie und All­tag“Tour gas­tiert sie im Os­na­brü­cker Hy­de Park. Wir spra­chen mit Rap­per Dan­ger Dan über Hip­pieEl­tern, über sei­nen Bru­der Pa­nik Pan­zer und die deut­sche Hip-Hop-Sze­ne.

Dan­ger Dan, wie sind Sie ei­gent­lich auf den Na­men An­ti­lo­pen Gang ge­kom­men?

Wir ha­ben schon so vie­le Lü­gen­ge­schich­ten dar­über ver­brei­tet, dass wir selbst gar nicht mehr die Wahr­heit wis­sen. Es gibt Ver­sio­nen wie die­se: Wir wa­ren im Pfad­fin­der­la­ger, sind in Tier­grup­pen ein­ge­teilt wor­den, und wir wa­ren die An­ti­lo­pen. Oder: Wir ha­ben am Abend der Band­grün­dung An­ti­lo­pen­fleisch ge­ges­sen, das in ei­ner nie­der­län­di­schen Su­per­markt­ket­te ge­ra­de im Son­der­an­ge­bot war. Ir­gend­wo da­zwi­schen liegt die Wahr­heit.

Sie spre­chen von „wir“. Da­mit mei­nen Sie ver­mut­lich sich und Ih­ren Bru­der Tobias ali­as Pa­nik Pan­zer. Wie läuft die Zu­sam­men­ar­beit?

Es ist wit­zig, dass Sie das fra­gen, denn mein Bru­der und ich ha­ben vor ei­ni­gen Wo­chen ei­ne Ra­dio­sen­dung zu dem The­ma ge­macht. Wir ha­ben zwei St­un­den lang nur Mu­sik von Bands ge­spielt, an de­nen Brü­der be­tei­ligt sind. Oder auch Lie­der, in de­nen es the­ma­tisch um Brü­der geht. Zwi­schen den Songs ha­ben wir uns dar­über un­ter­hal­ten, wie es ist, in ei­ner Band mit ei­nem Bru­der zu spie­len. Als ich mich auf die Sen­dung vor­be­rei­te­te, ha­be ich un­se­re Band mit vie­len an­de­ren Band­bio­gra­fi­en ver­gli­chen, und ich muss sa­gen: Bei uns läuft es schon sehr gut.

Wor­auf füh­ren Sie das zu­rück?

Nun, wir ma­chen ja schon sehr lan­ge zu­sam­men Mu­sik. Wir ha­ben schon als Kin­der im Grund­schul­al­ter im Kel­ler un­se­res El­tern­hau­ses mit Kla­vier, Gi­tar­re und Schlag­zeug ge­j­amt. Bei der Weih­nachts­fei­er der Grund­schu­le ab­sol­vier­ten wir un­se­ren ers­ten Auf­tritt. Das ist bis heu­te die Auf­tei­lung ge­blie­ben: Ich ha­be Kla­vier ge­spielt, mein Bru­der Schlag­zeug.

Und da gibt es nie Streit? Doch, aber Brü­der strei­ten an­ders als Freun­de. Brü­der wis­sen, dass sie sich ir­gend­wann wie­der ver­tra­gen wer­den. Dar­um kön­nen wir mit­un­ter sehr harsch sein. Glück­li­cher­wei­se gibt es dann die klä­ren­de In­stanz: mei­ne Mut­ter. Bei der Pro­duk­ti­on un­se­res letz­ten Al­bums muss­ten wir sie ein­schal­ten – an ei­nem Punkt, an dem wir nicht wei­ter­ka­men.

Wor­um ging es?

Wenn wir ein Al­bum auf­neh­men, ma­che ich Skiz­zen für Songs, die ge­be dann wei­ter an To­bi und Kol­jah, da­mit sie wei­ter dar­an ar­bei­ten kön­nen. Bei „An­ar­chie und All­tag“be­kam ich das Ge­fühl, dass sie al­les, was ich schi­cke, schei­ße fin­den. Und wenn et­was zu­rück­kam, hat­te das oft gar nichts mehr mit dem zu tun, was ich ur­sprüng­lich ge­dacht ha­be. Da muss­te mei­ne Mut­ter dann als Me­dia­to­rin fun­gie­ren.

Man sagt, Ih­re El­tern sei­en ei­ne Art Althip­pies … Nein, so rich­ti­ge Hip­pies sind das nicht. Eher Lin­ke, die aus der Frie­dens­be­we­gung kom­men. Mein Va­ter, dar­an er­in­ne­re ich mich als Kind, hat in ir­gend so ei­ner Po­li­trock­band ge­spielt, hat­te ei­nen lan­gen Bart und lan­ge Haa­re. Aber ich be­haup­te mal, dass sie für rich­ti­ge Hip­pies ei­gent­lich zu bür­ger­lich wa­ren.

Ihr ak­tu­el­les Al­bum be­steht aus ei­ner Hip-Hop-CD und ei­ne Punk-CD. Wie pas­sen die­se bei­den Mu­sik­rich­tun­gen ei­gent­lich zu­sam­men? Auf den ers­ten Blick passt das gar nicht. Aber wenn man sich die His­to­ri­en an­guckt, gibt es Par­al­le­len. Bei­de Rich­tun­gen sind un­ge­fähr zur sel­ben Zeit ent­stan­den. Bei­den liegt auf ih­re Art ei­ne Ab­leh­nung ge­gen­über dem Esta­blish­ment zu­grun­de. Und für bei­de braucht man kein Mu­sik­stu­di­um. So et­was wä­re für die­se Mu­sik eher hin­der­lich. Punk ist ein­fach Ge­schram­mel und Lärm, Hip-Hop be­deu­tet, al­ten Sound­müll als Samp­le neu an­ein­an­der­zu­fü­gen, zu ver­zer­ren und neu zu ge­stal­ten. Da­her glau­be ich, dass die Zu­gän­ge recht ähn­lich sind.

Die An­ti­lo­pen Gang hat ja ei­ne aus­ge­präg­te Pro­testat­ti­tü­de. Passt das über­haupt in die deut­sche HipHop-Land­schaft?

Die deut­sche Hip-Hop-Land­schaft gibt es ja gar nicht – und wenn, dann ist sie di­vers wie noch nie. Es gibt er­folg­rei­che queer-fe­mi­nis­ti­sche Rap­pe­rin­nen, aber es gibt auch rap­pen­de Neo­na­zis. Da­zwi­schen fin­det al­les Mög­li­che statt.

Sind Sie ei­gent­lich hy­per­ak­tiv? Oder wie er­klä­ren Sie sich die Ener­gie, die Sie auf der Büh­ne ver­strö­men? Ich bin als Büh­nen­fi­gur emo­tio­nal ziem­lich la­bil. Ge­ra­de bei so ei­ner gro­ßen Tour, wie wir sie jetzt mit 39 Kon­zer­ten star­ten, neh­me ich mir vor, mich nicht kom­plett aus­zu­powern. Und nicht so rum­zu­schrei­en, dass hin­ter­her die Stim­me kom­plett weg ist. Aber das funk­tio­niert nicht. Spä­tes­tens wenn die Punk­rock­band an­fängt zu bal­lern, dre­he ich kom­plett durch. Bei den letz­ten Lie­dern ste­he ich nur noch tau­melnd auf der Büh­ne und wi­sche mir den Schweiß von der Stirn. Ob­wohl ich zur­zeit ge­ra­de ei­ne gu­te Kon­di­ti­on ha­be, mer­ke ich dann: Ich ha­be mal wie­der nicht gut mit mei­nen Kräf­ten haus­ge­hal­ten.

An­ti­lo­pen Gang live: Sams­tag, 16. De­zem­ber, 20 Uhr, Hy­de Park, Sup­port Gold­ro­ger

Das In­ter­view in vol­ler Län­ge le­sen Sie auf noz.de/kul­tur-re­gio­nal

Fo­to: Ro­bert Ei­kel­poth

Macht auf ih­rer „An­ar­chie und All­tag“-Tour Dan und Kol­jah (von links). Sta­ti­on im Os­na­brü­cker Hy­de Park: die An­ti­lo­pen Gang mit Pa­nik Pan­zer, Dan­ger

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