Ba­by­lo­ni­sche Tür­me

Klaus Hack prä­sen­tiert Aus­stel­lung „Po­lis“in Ga­le­rie Kunst­ge­nuss

Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst - - KULTUR REGIONAL - Von Tom Bull­mann

OS­NA­BRÜCK. Er macht sie zu sei­nem Mar­ken­zei­chen: die fi­li­gra­nen, wie schwar­ze Stri­che wir­ken­den, se­ri­ell ge­tak­te­ten Ver­tie­fun­gen im Holz. In ba­by­lo­ni­schen Tür­men wer­den sie zu Fens­ter­öff­nun­gen, im Kleid ei­ner Frau­en­fi­gur ma­chen sie den Ein­druck, als hät­te je­mand Mün­zen ge­sta­pelt, an an­de­rer Stel­le wer­den sie zur Haar­pracht ei­ner Fi­gur aus prä­his­to­ri­schen Zei­ten.

Klaus Hack stellt in der Ga­le­rie Kunst­ge­nuss ak­tu­el­le und ei­ni­ge äl­te­re Ar­bei­ten aus. Vor drei Jah­ren war er schon ein­mal mit ei­ner Aus­stel­lung in Os­na­brück zu Gast. Da­mals hat­te er ei­nen Schwer­punkt auf die mensch­li­che Fi­gur ge­legt, die er aus sei­nem Werk­stoff – Höl­zer al­ler Art – her­aus­ar­bei­tet. Jetzt scheint sein In­ter­es­se am Men­schen in­di­rek­ter ge­wor­den zu sein. Da­her lau­tet der Ti­tel der Schau auch „Po­lis“, das grie­chi­sche Wort für „Stadt“. Wie lebt der Mensch in der Stadt? Wie ge­stal­tet sich die Ar­chi­tek­tur, in der er lebt?

Um beim Grie­chi­schen zu blei­ben: Das Wort Hy­bris fällt ei­nem bei der Be­trach­tung vie­ler sei­ner Skulp­tu­ren ein, denn es grenzt an „Über­mut“oder „An­ma­ßung“, sol­che Städ­te aus dem Bo­den zu stamp­fen, wie sie in Hacks Fan­ta­sie ent­ste­hen. In unend­li­che Hö­hen schrau­ben sich sei­ne Wohn­tür­me, bis­wei­len ste­hen sie wag­hal­sig auf Stel­zen, und in sei­nen Bil­dern und Holz­schnit­ten ver­dich­ten sie sich zu end­lo­sen La­by­rin­then.

Schwarz und weiß ge­stal­tet Hack sei­ne Skulp­tu­ren. Als le­ben­di­gen Farb­ton lässt er bis­wei­len die na­tür­li­che Tö­nung des Hol­zes zu, an­sons­ten färbt er die in pe­ni­bler Klein­ar­beit ge­haue­nen Ver­tie­fun­gen schwarz, um den Rest weiß zu fas­sen.

Ei­ne au­ßer­ge­wöhn­li­che Ar­beit trägt den Ti­tel „Do­mus“. Den Ab­schnitt ei­nes aus­ge­wach­se­nen Baustamms funk­tio­nier­te Hack zu ei­ner Druck­wal­ze um, die er, mit Far­be be­han­delt, über ei­ne Lein­wand roll­te, so­dass sich das Druck­mo­tiv un­end­lich wie­der­holt. Es wirft die Fra­ge auf, ob sein „Haus“viel­leicht auf ei­nem Fried­hof steht, weil es von zahl­rei­chen Kreu­zen um­ge­ben ist. Skur­ri­le Tän­ze­rin­nen, Fan­ta­sie­fi­gu­ren mit Reif­rock oder bo­den­lan­gen Zöp­fen ste­hen ne­ben höl­zer­nen Al­tä­ren. Durch Aus­klap­pen der Al­tar­flü­gel lässt sich die Ar­chi­tek­tur im In­ne­ren ver­hül­len, die Be­zü­ge ver­än­dern.

Für die Aus­stel­lung in der Ga­le­rie Kunst­ge­nuss hat Klaus Hack ei­ne Son­der­edi­ti­on auf­ge­legt: Hol­zschnit­te in li­mi­tier­ter Auf­la­ge mit drei ver­schie­de­nen Mo­ti­ven bie­tet er exklusiv in Os­na­brück an.

Po­lis – Ar­chi­tek­tur und Fi­gur. Skulp­tur, Re­lief, Ma­le­rei und Holz­schnitt von Klaus Hack, Ga­le­rie Kunst­ge­nuss (Lie­big­stra­ße 29):bis 14. Ja­nu­ar, Do. 14–20 Uhr, So. 14–18 Uhr, sonst nach te­le­fo­ni­scher Ver­ein­ba­rung un­ter 01 70/8 35 03 20.

Fo­to: Gert West­dörp

In unend­li­che Hö­hen schrau­ben sich die Tür­me von Klaus Hack, die Ga­le­rist Wolf­gang Knaup (Bild) zeigt.

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