Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Wer­den pri­va­te Tref­fen wei­ter ein­ge­schränkt?

Mer­kel plant Re­gie­rungs­er­klä­rung

- Von Dirk Fis­ser Essen-Werden · Angela Merkel · Michael Müller · Germany · Strand

BER­LIN/HAN­NO­VER An­ge­sichts an­hal­tend ho­her Co­ro­na-In­fek­ti­ons­zah­len wol­len die Län­der den Teil-Lock­down bis zum 20. De­zem­ber ver­län­gern. Dar­auf ver­stän­dig­ten sich die Mi­nis­ter­prä­si­den­ten ges­tern Abend in ei­ner Schalt­kon­fe­renz, wie die Deut­sche Pres­se-Agen­tur von Teil­neh­mern er­fuhr. Bei ei­ner Ver­län­ge­rung des Teil­Lock­downs blei­ben Gas­tro­no­mie­be­trie­be so­wie Frei­zeit­und Kul­tur­ein­rich­tun­gen, die seit An­fang No­vem­ber dicht sind, wei­ter ge­schlos­sen.

Ei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung wird für mor­gen er­war­tet, wenn die nächs­te Vi­deo­kon­fe­renz der Mi­nis­ter­prä­si­den­ten mit Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) an­steht. Am Don­ners­tag will Mer­kel ei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung ab­ge­ben.

„Die Zah­len der Neu­in­fek­tio­nen sind nach wie vor viel zu hoch“, sag­te Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert. Ziel al­ler Maß­nah­men müs­se es sein, dass die Zah­len „stark sin­ken“.

Grund­la­ge für die Ent­schei­dun­gen ist dies­mal ein Be­schluss­ent­wurf der Bun­des­län­der. Die Län­der wol­len die ak­tu­ell gel­ten­den Auf­la­gen an ei­ni­gen Stel­len noch ver­schär­fen – et­wa mit stren­ge­ren Kon­takt­auf­la­gen. An pri­va­ten Zu­sam­men­künf­ten sol­len dem­nach nur noch fünf Men­schen aus zwei Haus­hal­ten teil­neh­men kön­nen, heißt es in der Vor­la­ge. Bis­lang liegt die Gren­ze bei zehn Per­so­nen.

Aus­nah­men soll es dem Vor­schlag zu­fol­ge für die Weih­nachts­fei­er­ta­ge ge­ben – dann soll­ten auch An­ge­hö­ri­ge von mehr als zwei Haus­hal­ten zu­sam­men­kom­men kön­nen. Auch da­bei soll ei­ne Ober­gren­ze von fünf oder zehn Per­so­nen gel­ten. Kin­der un­ter 14 Jah­ren sol­len nicht mit­ge­rech­net wer­den.

Für die Schu­len sieht die Vor­la­ge ei­ne Mas­ken­pflicht ab der sieb­ten Klas­se in je­nen Re­gio­nen vor, in de­nen die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen den Wert von 50 je 100 000 Ein­woh­ner bin­nen sie­ben Ta­gen „deut­lich“über­steigt.

Vor­ge­schla­gen wird au­ßer­dem, ab 20. De­zem­ber die An­ti-Co­ro­na-Maß­nah­men im­mer um je­weils 14 Ta­ge zu ver­län­gern, wenn das In­fek­ti­ons­ge­sche­hen nicht deut­lich ab­nimmt. Die Uni­ons­län­der schla­gen vor, dass Län­der, die we­ni­ger als 50 Neu­in­fek­tio­nen pro Wo­che und 100 000 Ein­woh­ner ver­zeich­nen, den Teil-Lock­down ab­mil­dern kön­nen – in ei­nem Pa­pier des Vor­sit­zen­den der Mi­nis­ter­prä­si­den­ten­kon­fe­renz, Micha­el Mül­ler, ist von ei­nem Wert von 35 die Re­de.

Ob ein Böl­ler­ver­bot zu Sil­ves­ter im Kampf ge­gen die Pan­de­mie hel­fen kann, wird zwi­schen den Län­dern kon­tro­vers dis­ku­tiert.

Wie wei­ter ver­lau­te­te, soll die „No­vem­ber­hil­fe“für die Wirt­schaft als „De­zem­ber­hil­fe“ver­län­gert wer­den. Die Hil­fen sei­en für Un­ter­neh­men und Be­schäf­tig­te es­sen­zi­ell und ein wich­ti­ges Ele­ment für die Ak­zep­tanz der Schutz­maß­nah­men bei den Bür­ge­rin­nen und Bür­gern, heißt es. Die Aus­ga­ben für die Un­ter­stüt­zung im No­vem­ber wer­den mit 15 Mil­li­ar­den Eu­ro be­zif­fert.

OS­NA­BRÜCK Das Bun­des­amt für Strah­len­schutz warnt vor schwe­ren ge­sund­heit­li­chen Fol­gen des Kli­ma­wan­dels. Die In­ten­si­tät der UVS­trah­lung neh­me zu, sagt Prä­si­den­tin In­ge Pau­li­ni im In­ter­view. In der Fol­ge sei mit ver­mehr­ten Haut­krebs­er­kran­kun­gen zu rech­nen.

Frau Pau­li­ni, der Kli­ma­wan­del hat sicht­ba­re und spür­ba­re Fol­gen wie ster­ben­de Wäl­der oder Hit­ze­wel­len. Wie sieht es mit un­sicht­ba­ren Ge­fah­ren, et­wa hö­he­rer UV-Strah­lung, aus?

Die In­ten­si­tät der UV-Strah­lung nimmt zu. Das ist ei­ne bis­lang zu we­nig be­ach­te­te Aus­wir­kung des Kli­ma­wan­dels mit Fol­gen für un­se­re Ge­sund­heit: UV-Strah­lung ver­ur­sacht er­wie­se­ner­ma­ßen Krebs. Es er­kran­ken nicht nur im­mer mehr Men­schen an Haut­krebs, die Pa­ti­en­ten wer­den auch im­mer jün­ger. Wir müs­sen hier drin­gend ge­gen­steu­ern und das Be­wusst­sein für die­se Ge­fahr schär­fen.

Was ist ur­säch­lich für die stär­ke­re Strah­lung, und kann man die­se ge­stie­ge­ne In­ten­si­tät fak­tisch be­le­gen?

In Deutsch­land wer­den we­gen des Kli­ma­wan­dels ver­mehrt wol­ken­lo­se, son­ni­ge Ta­ge ver­zeich­net. Die jähr­li­che Son­nen­schein­dau­er er­höht sich. Ers­te Aus­wer­tun­gen der Mes­s­er­geb­nis­se un­se­res bun­des­wei­ten UV-Mo­ni­to­rings ge­ben Hin­weis dar­auf, dass in Jah­ren mit viel Son­nen­schein die Sum­me der über das Jahr ge­mes­se­nen, son­nen­brand­wirk­sa­men UVS­trah­lung deut­lich über dem lang jäh­ri­gen Mit­tel liegt. Dies war zum Bei­spiel in den Jah­ren 2003 und 2018 der Fall.

Was ist da­ge­gen zu tun?

Der in­di­vi­du­el­le Schutz ist sehr wich­tig. Die Krux da­bei ist: Weil es im Schnitt wär­mer wird, ver­brin­gen wir auch mehr Zeit drau­ßen – al­so in der Son­ne. Wir set­zen uns der Strah­lung ver­mehrt aus und müs­sen uns be­wuss­ter schüt­zen, et­wa mit lan­ger Klei­dung oder ste­tem Ein­cre­men mit Son­nen­schutz­creme. Das darf nicht nur für den Som­mer­ur­laub am Strand gel­ten, son­dern auch im ei­ge­nen Gar­ten. Und wich­tig zu wis­sen: UVS­trah­lung ist kein Phä­no­men, das sich auf den Som­mer be­schränkt.

Im Zu­ge der zu er­war­ten­den Kli­ma­ver­än­de­run­gen wird dis­ku­tiert, wie wir un­se­re Städ­te kli­ma­re­sis­ten­ter ma­chen. Da­bei geht es häu­fig dar­um, die Fol­gen von Hit­ze­wel­len ab­zu­mil­dern. Was ist mit der ge­stie­ge­nen UVS­trah­lung?

Man kann es auf den ein­fa­chen Punkt brin­gen: Wer Schat­ten sucht, muss ihn auch fin­den. Das gilt bei­spiels­wei­se in In­nen­städ­ten und Fuß­gän­ger­zo­nen. Die­se soll­ten so kon­zi­piert sein, dass Pas­san­ten ei­nen ge­wis­sen Schutz vor Son­nen­strah­lung fin­den. Aber das gilt na­tür­lich auch für öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen wie Schu­len oder Kin­der­gär­ten, et­wa in Form von Son­nen­se­geln über Spiel­plät­zen. Der Son­nen­schutz muss bei Bau- und Um­bau­maß­nah­men viel stär­ker mit­be­dacht wer­den als bis­lang. Es gibt da­zu auch schon ent­spre­chen­de För­der­pro­gram­me, die Bau­her­ren un­ter­stüt­zen.

Wo kann man sich über die UV-Strah­lung in­for­mie­ren?

Un­ser Bun­des­amt er­ar­bei­tet zu­sam­men mit an­de­ren In­sti­tu­tio­nen ei­ne UV-Pro­gno­se, in der wir die zu er­war­ten­de In­ten­si­tät für die nächs­ten drei Ta­ge vor­her­sa­gen. Der UV-In­dex hat ins­ge­samt elf Stu­fen. Je hö­her die Stu­fe des­to grö­ßer das Ri­si­ko ei­nes Son­nen­bran­des auf un­ge­schütz­ter Haut, und je­der Son­nen­brand er­höht das Haut­krebs­ri­si­ko. Ich kann nur drin­gend emp­feh­len: Wer län­ge­re Zeit im Frei­en ver­brin­gen will, soll­te sich nicht nur über die zu er­war­ten­den Tem­pe­ra­tu­ren in­for­mie­ren, son­dern auch dar­über, wie hoch die UV-Be­las­tung sein wird.

Ein an­de­res un­sicht­ba­res Ri­si­ko ist das Edel­gas Ra­don – ei­ne der häu­figs­ten Ur­sa­chen für Lun­gen­krebs ne­ben dem Rau­chen. Der­zeit wer­den bun­des­weit Ra­don-Vor­sor­ge­ge­bie­te aus­ge­wie­sen. War­um?

Ra­don ist Teil un­se­rer Um­welt, es steigt aus dem Bo­den nach oben. Durch un­dich­te Stel­len im Mau­er­werk oder Fun­da­ment kann Ra­don sich dann im Kel­ler oder den un­te­ren Stock­wer­ken ei­nes Hau­ses an­sam­meln. Weil Ra­don so ge­sund­heits­schäd­lich ist, brau­chen wir ei­nen Über­blick, wo das Ri­si­ko be­son­ders groß ist. Hier müs­sen dann Ge­gen­maß­nah­men er­grif­fen wer­den.

Was wird denn die Kon­se­quenz sein, wenn man in so ei­nem Ge­biet wohnt?

In den Vor­sor­ge­ge­bie­ten wird bei Neu­bau­ten künf­tig ein Ra­don-Schutz

ein­ge­baut wer­den müs­sen. Das kann bei­spiels­wei­se ei­ne Fo­lie sein, die das Gas nicht durch­lässt. Für Ar­beit­ge­ber in sol­chen Ge­bie­ten wird die Pflicht be­ste­hen, bin­nen 18 Mo­na­ten die Ra­don-Be­las­tung im ei­ge­nen Be­trieb zu mes­sen. Ist die­se zu hoch, müs­sen Ge­gen­maß­nah­men er­grif­fen wer­den; et­wa un­dich­te Stel­len im Fun­da­ment oder in Lei­tun­gen ab­dich­ten.

Und pri­va­te Haus­be­sit­zer? Müs­sen die auch mes­sen?

Nein, das nicht. Aber wir emp­feh­len auch au­ßer­halb von Vor­sor­ge­ge­bie­ten, die Ra­donSi­tua­ti­on im ei­ge­nen Haus frei­wil­lig zu mes­sen. Dies ist ins­be­son­de­re sinn­voll, wenn es Hin­wei­se gibt, dass die Ra­don-Kon­zen­tra­ti­on hoch sein könn­te, zum Bei­spiel bei ei­nem Bau­jahr vor 1960. Ein Mess­ge­rät kos­tet et­wa 30 bis 50 Eu­ro, das ist kei­ne gro­ße In­ves­ti­ti­on an­ge­sichts des Ri­si­kos, das von Ra­don aus­ge­hen kann. Nur wer weiß, dass ein Pro­blem be­steht, kann et­was da­ge­gen tun.

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Fo­to: dpa/Cars­ten Ko­all In­ge Pau­li­ni

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