Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Mil­lio­nen­hil­fe für den FMO

Stadt Os­na­brück zahlt 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro für Co­ro­na-Scha­den am Flug­ha­fen Müns­ter/Os­na­brück

- Von Jean-Charles Fays Coronavirus (COVID-19) · Osnabruck · Muenster · Alliance '90/The Greens · Lower Saxony · Auch · Münster Osnabrück International Airport · Fritz Brickwedde

OS­NA­BRÜCK Der Os­na­brü­cker Stadt­rat hat sich mehr­heit­lich für ei­ne Mil­lio­nen­hil­fe für den Flug­ha­fen Müns­ter/Os­na­brück aus­ge­spro­chen. Die Grü­nen for­der­ten ver­geb­lich, dass der FMO Al­ter­na­tiv­pla­nun­gen mit ver­schie­de­nen Sze­na­ri­en bis hin zur Auf­ga­be des Flug­be­triebs vor­le­gen muss.

OS­NA­BRÜCK Der Rat der Stadt Os­na­brück hat mehr­heit­lich be­schlos­sen, die co­ro­nabe­ding­ten Ver­lus­te am Flug­ha­fen Müns­ter/Os­na­brück aus­zu­glei­chen. Der Co­ro­naScha­den kos­tet die Stadt in den kom­men­den bei­den Jah­ren ge­mäß ih­rer An­tei­le am FMO rund 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Grü­nen in Stadt und Land­kreis Os­na­brück for­dern vom FMO ein an­de­res Nut­zungs­kon­zept und hal­ten die Auf­ga­be des Flug­be­triebs für ei­ne Op­ti­on.

Der Flug­ha­fen Müns­ter/Os­na­brück rech­net bis zum Jahr 2025 mit co­ro­nabe­ding­ten Ver­lus­ten von ins­ge­samt bis zu 30 Mil­lio­nen Eu­ro. FMO-Chef Rai­ner Schwarz geht da­von aus, dass in die­sem und im kom­men­den Jahr ins­ge­samt zehn Mil­lio­nen Eu­ro be­nö­tigt wer­den, um den Co­ro­na-Scha­den aus­zu­glei­chen. Da die Stadt als dritt­größ­ter Ge­sell­schaf­ter rund 17 Pro­zent der An­tei­le am FMO be­sitzt, müss­te sie dem­ent­spre­chend 1,76 Mil­lio­nen Eu­ro für den Flug­ha­fen be­zah­len. Os­na­brück rech­net je­doch da­mit, dass die­ser Be­trag nicht nur im Jahr 2021, son­dern auch im Jahr 2022 ge­zahlt wer­den muss, so­dass der Co­ro­na-Scha­den am FMO die Stadt ins­ge­samt rund 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro kos­ten wird.

So hat sich die Co­ro­na-Pan­de­mie auf den FMO aus­ge­wirkt: Die Stadt ver­wies in ei­ner Vor­la­ge für den Rat dar­auf, dass der FMO bis zum Be­ginn der Co­ro­na-Pan­de­mie im März ein Wachs­tum von rund 25 Pro­zent ver­zeich­net ha­be und bis da­hin der wachs­tums­stärks­te deut­sche Flug­ha­fen in 2020 ge­we­sen sei. In der Fol­ge des Luft­ver­kehr-Lock­downs sei­en die Um­sät­ze des FMO aber na­he­zu kom­plett ein­ge­bro­chen. Die Kurz­ar­beit ha­be die Aus­ga­ben zwar so weit wie mög­lich ge­dros­selt, je­doch wür­den im ge­sam­ten Jahr auf­grund der di­ver­sen Rei­se­be­schrän­kun­gen wahr­schein­lich nur et­wa 20 Pro­zent der ur­sprüng­lich ge­plan­ten Pas­sa­gier­zah­len er­reicht wer­den.

Die Flug­ha­fen­ge­sell­schaft hat­te vor dem Hin­ter­grund der Co­ro­na-Pan­de­mie ge­mein­sam mit ih­rem Be­ra­tungs­un­ter­neh­men ei­ne ak­tua­li­sier­te

Wirt­schafts­pla­nung für die kom­men­den fünf Jah­re er­ar­bei­tet.

Dem­nach könn­ten die co­ro­nabe­ding­ten Schä­den beim FMO – wie bei al­len an­de­ren Re­gio­nal­flug­hä­fen – nur durch Zu­füh­rung von Ei­gen­ka­pi­tal durch die Ge­sell­schaf­ter aus­ge­gli­chen wer­den. Soll­ten vom Bund oder vom Land Nie­der­sach­sen Mit­tel für den Flug­ha­fen zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den oder soll­te sich das FMO-Ge­schäfts­er­geb­nis doch noch ver­bes­sern, wird das bei den Zah­lun­gen noch be­rück­sich­tigt. Der Rat der Stadt stimm­te mit gro­ßer Mehr­heit für das Kon­zept, le­dig­lich Grü­ne, Lin­ke so­wie UWG-Rats­mit­glied Wulf-Sieg­mar Mier­ke und das Rats­mit­glied der Pi­ra­ten, Nils Ell­mers, stimm­ten da­ge­gen.

Grü­ne se­hen Auf­ga­be des Flug­be­triebs als ei­ne Op­ti­on: Der Grü­nen-Frak­ti­ons­chef im Os­na­brü­cker Stadt­rat, Vol­ker Ba­jus, zeig­te sich vom mehr­heit­li­chen Be­schluss des Stadt­rats zum Aus­gleich des co­ro­nabe­ding­ten Scha­dens ent­täuscht. Die Grü­nen woll­ten die Zah­lung der Mil­lio­nen zur

Be­glei­chung des co­ro­nabe­ding­ten Ver­lus­tes nur zah­len, wenn der FMO im Ge­gen­zug Al­ter­na­tiv­pla­nun­gen zur Um­nut­zung des Flug­ha­fens vor­legt, die ver­schie­de­ne „Nut­zungs­sze­na­ri­en“be­inhal­ten. Die Grü­nen er­war­ten nicht, dass die Flug­gast­zah­len nach der Co­ro­na-Pan­de­mie auf das al­te Ni­veau zu­rück­keh­ren. Wenn kei­ne pri­va­ten Geld­ge­ber ge­fun­den wür­den, müss­ten ei­ne Ver­klei­ne­rung der In­fra­struk­tur oder auch Um­nut­zun­gen ge­prüft wer­den, um den Fi­nanz­be­darf zu sen­ken. Auch ei­ne Auf­ga­be des Flug­be­triebs darf nach An­sicht der Öko-Par­tei „nicht ta­bu sein“.

CDU und SPD kri­ti­sie­ren Grü­ne:

Der Chef der CDU-Stadt­rats­frak­ti­on, Fritz Brick­wed­de, hat­te be­reits vor der Rats­sit­zung deut­li­che Wor­te für den po­li­ti­schen Mit­be­wer­ber: „Die Grü­nen nut­zen Co­ro­na, um dem Flug­ha­fen wei­ter zu scha­den. Sie igno­rie­ren, wel­che wirt­schaft­li­che Be­deu­tung der FMO für Ar­beits­plät­ze und Wert­schöp­fung un­se­rer Re­gi­on hat.“Der Flug­ha­fen sei aber Teil ei­ner leis­tungs­fä­hi­gen, mo­der­nen In­fra­struk­tur

wie Bahn­hö­fe und Glei­se, Au­to­bah­nen und Ka­nä­le. Die Stadt Os­na­brück ha­be sich aus die­sem Grun­de an der Ent­schul­dung des FMO be­tei­ligt und wer­de auch in Zu­kunft zum Flug­ha­fen ste­hen. Auch der Chef der So­zi­al­de­mo­kra­ten im Os­na­brü­cker Rat, Frank Henning, hat­te her­aus­ge­stellt, dass der Os­na­brü­cker Ver­lust­an­teil am FMO durch 30-jäh­ri­ge Kom­mu­nal­kre­di­te re­fi­nan­ziert wer­den kön­ne.

Die jähr­li­che Be­las­tung für Zins und Til­gung ei­nes sol­chen Re­fi­nan­zie­rungs­kre­di­tes be­tra­ge ge­ra­de ein­mal 76 000 Eu­ro pro Jahr. Vor dem Hin­ter­grund ei­ner lang­fris­ti­gen Re­fi­nan­zie­rung er­schei­ne der Co­ro­na-Ver­lust­an­teil in ei­nem an­de­ren Licht.

Grü­ne im Land­kreis for­dern al­ter­na­ti­ves Kon­zept: Der Land­kreis Os­na­brück wird in der Sit­zung des Kreis­tags am 14. De­zem­ber über den Aus­gleich des Co­ro­na-Scha­dens am FMO ab­stim­men. Da der Land­kreis le­dig­lich fünf Pro­zent Ge­sell­schaf­ter­an­tei­le be­sitzt, wür­de der An­teil im Jahr 2021 ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro be­tra­gen. Ähn­lich wie die Grü­nen-Frak­ti­on

in der Stadt Os­na­brück be­an­tra­gen auch die Grü­nen im Land­kreis, dass der FMO „ein nach­hal­ti­ges und al­ter­na­ti­ves Nut­zungs­kon­zept“vor­le­gen soll. Nur wenn der FMO un­ter­schied­li­che Nut­zungs­sze­na­ri­en bis hin zur Auf­ga­be des Flug­be­triebs vor­le­ge, soll der Re­gio­nal­flug­ha­fen nach dem Wil­len der Land­kreis-Grü­nen Un­ter­stüt­zung be­kom­men.

CDU, SPD und FDP für Aus­gleich des Co­ro­na-Scha­dens:

Es ist aber un­wahr­schein­lich, dass die Grü­nen sich mit ih­rem Vor­stoß durch­set­zen. Der CDU-Kreis­tags­frak­ti­ons­chef Jo­han­nes Ko­op hat­te be­reits be­tont, dass die CDU „wie die gro­ße Mehr­heit der üb­ri­gen Kreis­tags­frak­tio­nen hin­ter dem FMO steht“. Be­son­de­re Her­aus­for­de­run­gen durch Co­ro­na müss­ten ge­mein­sam mit al­len Be­tei­lig­ten in ei­nem ab­ge­stimm­ten Vor­ge­hen ge­löst wer­den.

Auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on hat­te auch der Vor­sit­zen­de der SPD-Kreis­tags­frak­ti­on, Tho­mas Reh­me, For­de­run­gen der Grü­nen kri­ti­siert: „Ge­dan­ken wie ein Aus­stiegs­sze­na­rio kom­men zu ei­nem völ­lig fal­schen Zeit­punkt.“Viel­mehr sei­en fi­nan­zi­el­le Hil­fen für den FMO das Ge­bot der St­un­de. Auch der Chef der FDP/CDWG­rup­pe im Kreis­tag, Mat­thi­as See­stern-Pau­ly, sieht im FMO „un­ser Tor zur Welt“. Ge­ra­de in Kri­sen­zei­ten sei es wich­tig, ei­ne star­ke In­fra­struk­tur im In­ter­es­se der re­gio­na­len Wirt­schaft und al­ler Bür­ger zu er­hal­ten.

Die Land­rä­tin des Land­krei­ses Os­na­brück, An­na Keb­schull (Grü­ne), will den FMO „nicht über­stürzt schlie­ßen“. Ihr Ziel ist es, „auf­grund der ge­än­der­ten Be­dar­fe über ein trag­fä­hi­ges Ge­schäfts­mo­dell und Nut­zungs­kon­zept zu be­ra­ten und die in­ner­deut­schen Flü­ge über ei­nen Zei­t­raum von zehn Jah­ren et­wa durch gu­te Bahn­an­bin­dun­gen zu er­set­zen“. Das Flug­gast­auf­kom­men wird nach ih­rer Über­zeu­gung auch nach Co­ro­na ge­rin­ger sein. Da­her sei die ak­tu­el­le Pro­gno­se für die Ent­wick­lung der Flug­gast­zah­len „nicht mehr trag­fä­hig“.

Grü­ne in Müns­ter wol­len Land NRW in die Pflicht neh­men: Die Grü­nen in Müns­ter sind „der Auf­fas­sung, dass sei­tens des FMO auch an­de­re Op­tio­nen ge­prüft und ge­nutzt wer­den soll­ten, um den co­ro­nabe­ding­ten Scha­den aus­zu­glei­chen“, so der ver­kehrs­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen in Müns­ter, Cars­ten Peters. „Hier bö­te sich die Mög­lich­keit an, die den Flug­hä­fen sei­tens des Lan­des an­ge­bo­te­nen Kre­di­te zu nut­zen, die lang­fris­tig ge­tilgt wer­den kön­nen.“Die Müns­te­ra­ner Grü­nen for­dern, dass der FMO in den nächs­ten fünf Jah­ren den Ein­stieg in den fi­nan­zi­el­len Aus­stieg schafft und nicht mehr von den Kom­mu­nen un­ter­stützt wer­den muss. Die Stadt Müns­ter be­sitzt mit 35 Pro­zent die meis­ten An­tei­le am FMO. Der Rat der Stadt Müns­ter muss noch über die Mil­lio­nen­hil­fe für den FMO ent­schei­den.

FMO-Chef Rai­ner Schwarz warn­te: „Wenn der Flug­ver­kehr in zwei bis drei Jah­ren wie­der boomt – wie es nach den an­de­ren Kri­sen stets zu be­ob­ach­ten war – dann ist es nach deut­schem Pla­nungs­und Um­welt­recht na­he­zu un­mög­lich, ei­nen ein­mal ge­schlos­se­nen Flug­ha­fen wie­der zu re­ak­ti­vie­ren.“

 ?? Fo­to: Da­vid Ebe­ner ?? Die Stadt Os­na­brück will 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro zah­len, um ei­nen Teil des Co­ro­na-Scha­dens am Flug­ha­fen Müns­ter/Os­na­brück zu be­glei­chen.
Fo­to: Da­vid Ebe­ner Die Stadt Os­na­brück will 3,5 Mil­lio­nen Eu­ro zah­len, um ei­nen Teil des Co­ro­na-Scha­dens am Flug­ha­fen Müns­ter/Os­na­brück zu be­glei­chen.

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