Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Ent­schä­di­gung für El­tern mit Schü­lern

Ho­me­schoo­ling im „Sze­na­rio B“: So­zi­al­mi­nis­te­ri­um schwenkt um

- Von Lars Laue Family · Parenting · Lifestyle · homeschooling · The Greens · Lower Saxony

HAN­NO­VER Im so­ge­nann­ten „Sze­na­rio B“ha­ben El­tern kei­nen An­spruch auf ei­ne Ent­schä­di­gungs­leis­tung, wenn sie ih­re klei­nen Kin­der in der Ho­me­schoo­ling-Pha­se be­treu­en müs­sen. So hat­te es das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um noch vo­ri­ge Wo­che kom­mu­ni­ziert. Doch jetzt gibt es ei­ne Kehrt­wen­de.

HAN­NO­VER Gibt es ei­ne Ver­dienst­aus­fall-Re­ge­lung für El­tern, die sich um ih­re Kin­der im Ho­me­schoo­ling küm­mern müs­sen? Kla­res „Nein“, lau­te­te vo­ri­ge Wo­che die Ant­wort aus dem nie­der­säch­si­schen So­zi­al­mi­nis­te­ri­um. Doch nach un­se­rer Be­richt­er­stat­tung und Kri­tik der Grü­nen­Frak­ti­on im Land­tag kommt Be­we­gung in die An­ge­le­gen­heit. Mit dem Er­geb­nis, dass es nun doch staat­li­che Ent­schä­di­gungs­leis­tun­gen gibt.

„Ab­stim­mun­gen“zwi­schen dem So­zi­al- und dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um hät­ten zu der Klar­stel­lung ge­führt, dass der Wech­sel ins „Sze­na­rio B“fak­tisch zu ei­nem Be­tre­tungs­ver­bot für die­je­ni­gen Schü­ler füh­re, die zu Hau­se un­ter­rich­tet wer­den. „Das hat zur Fol­ge, dass ein Ver­dienst­aus­fall kom­pen­siert wer­den kann, wenn Schü­le­rin­nen und Schü­ler im Sze­na­rio B zu Hau­se ler­nen müs­sen“, er­klär­te An­ne Ha­ge, Spre­che­rin der So­zi­al­mi­nis­te­ri­ums, ges­tern auf Nach­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on.

Dem­nach kön­nen El­tern von Schü­lern, die sich im Wech­sel­mo­dell aus Prä­senz­un­ter­richt und Ler­nen zu Hau­se be­fin­den, nun doch Aus­gleichs­zah­lun­gen für Ver­dienst­aus­fall nach dem In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz be­an­tra­gen, wenn sie kei­ne Be­treu­ungs­mög­lich­keit ha­ben, sich al­so küm­mern müs­sen, und nicht ih­rer Ar­beit nach­kom­men kön­nen. Der schu­li­sche Be­treu­ungs- und Be­auf­sich­ti­gungs­auf­trag wer­de im „Sze­na­rio B“aus Grün­den des In­fek­ti­ons­schut­zes wie­der auf die El­tern über­tra­gen.

Das So­zi­al­mi­nis­te­ri­um hat­te ver­gan­ge­ne Wo­che zu­nächst er­klärt, dass es ei­nen Ent­schä­di­gungs­an­spruch aus­schließ­lich für er­werbs­tä­ti­ge El­tern ge­be, die we­gen ei­ner Schul­schlie­ßung oder Qua­ran­tä­ne­maß­nah­me ihr Kind zu Hau­se be­treu­en müs­sen und nicht ar­bei­ten kön­nen. Hier sprin­gen die Bun­des­län­der mit ei­ner Ent­schä­di­gungs­leis­tung ein: Der Ar­beit­ge­ber zahlt 67 Pro­zent des Ge­halts als Lohn­fort­zah­lung aus, kann sich die­se Sum­me aber er­stat­ten las­sen. Beim „Sze­na­rio B“han­de­le es sich aber nicht um ei­ne nach dem In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz an­ge­ord­ne­te Schlie­ßung oder ein Be­tre­tungs­ver­bot. „Da­her be­steht kein An­spruch auf ei­ne Ent­schä­di­gungs­leis­tung“, hieß es aus dem So­zi­al­mi­nis­te­ri­um. Die­se Sicht­wei­se wur­de jetzt kor­ri­giert. Die Mög­lich­keit der Aus­gleichs­zah­lun­gen über das In­fek­ti­ons­schutz­ge­setz beim „Sze­na­rio B“im He­im­mo­dus sei „kon­se­quent“, meint Mi­nis­te­ri­ums­spre­che­rin Ha­ge.

Die ur­sprüng­li­che Hal­tung des Lan­des war un­ter an­de­rem auf mas­si­ve Kri­tik der Grü­nen-Op­po­si­ti­on ge­sto­ßen. Der so­zi­al­po­li­ti­sche Spre­cher Vol­ker Ba­jus for­der­te, die Ent­schei­dung zu kor­ri­gie­ren. Auch Ju­lia Willie Ham­burg, Grü­nen-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de und Spre­che­rin für Schul­po­li­tik, ver­lang­te Klar­heit für die be­trof­fe­nen El­tern: „Es kann nicht wahr sein, dass die Lan­des­re­gie­rung Sze­na­ri­en ein­führt und sich nicht über die Aus­wir­kun­gen Ge­dan­ken macht.“Die Grü­nen er­war­te­ten, „dass die Lan­des­re­gie­rung um­ge­hend öf­fent­lich klar­stellt, dass El­tern in Nie­der­sach­sen ge­ne­rell bei Ho­me­schoo­ling Hil­fen für Be­treu­ung und Ver­dienst­aus­fall be­an­spru­chen kön­nen“. Das hat das Land ges­tern ge­tan, wenn auch auf Druck der Op­po­si­ti­on und of­fen­bar nach ent­schei­den­den Hin­wei­sen aus dem Kul­tus­mi­nis­te­ri­um.

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Fo­to: imago images/Sci­ence Pho­to Li­bra­ry Wenn Ma­ma nicht ar­bei­ten ge­hen kann, weil das Kind per Ho­me­schoo­ling un­ter­rich­tet wird, will das Land künf­tig ei­ne Ent­schä­di­gung zah­len.

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