Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Schau­spie­le­rin hält nichts von Iso­la­ti­on

An­to­ni­us weicht nicht vor Co­ro­na

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LÜ­NE­BURG Bri­git­te An­to­ni­us (87), Ur­ge­stein der ARD-Te­le­no­ve­la „Ro­te Ro­sen“, ge­nießt die Dreh­ar­bei­ten trotz Co­ro­na mehr denn je. „Durch die Iso­la­ti­on wird nichts bes­ser, die Leu­te mei­ner Al­ters­klas­se ster­ben trotz­dem. Und psy­chi­sche Ver­ein­sa­mung schä­digt die Men­schen“, sagt die Schau­spie­le­rin.

LÜ­NE­BURG Die Trep­pe von ih­rer klei­nen Fern­seh-Woh­nung steigt Bri­git­te An­to­ni­us ali­as Jo­han­na Jan­sen in ih­rem apri­cot­far­be­nen Kos­tüm mit Schwung her­un­ter. Die 87-Jäh­ri­ge mit der mar­kan­ten grau­en Sträh­ne im röt­li­chen Haar scherzt mit Kol­le­gen und holt sich in der Kan­ti­ne in dem Bü­ro­kom­plex am Ran­de Lü­ne­burgs Mar­me­la­den­bröt­chen und Kaf­fee nach ih­rem mor­gend­li­chen Dreh. Der We­cker geht um 5.30 Uhr an die­sem kal­ten Herbst­mor­gen, ein Ta­xi holt sie mit ih­rem Pe­ki­ne­sen Pin­ki von ih­rem Apart­ment zur Ar­beit ab. Im rei­fen Se­nio­ren­al­ter trau­en sich vie­le Men­schen in Co­ro­na-Zei­ten kaum noch auf die Stra­ße. Nicht so die Gran­de Da­me der Te­le­no­ve­la „Ro­te Ro­sen“im Ers­ten, die nach mo­na­te­lan­ger Iso­la­ti­on in ih­rer Hei­mat am Set der Han­se­stadt ge­ra­de­zu auf­lebt.

„Die Ar­beit hält fit. Es ist ein Irr­tum zu glau­ben, dass man sich nur aus­ru­hen soll. Das kann ich in mei­nem be­reits be­zahl­ten Gr­ab in Ös­ter­reich tun“, sagt An­to­ni­us beim Ab­stands­ge­spräch im dau­er­ge­lüf­te­ten Auf­ent­halts­raum der Schau­spie­ler. Seit 14 Jah­ren ist sie bei der Nach­mit­tags­se­rie da­bei, in­zwi­schen läuft die 18. Staf­fel. „Die Leu­te mei­ner Al­ters­klas­se ster­ben wie die Flie­gen weg, aber es gibt kei­ne Si­cher­heit. Ich ha­be über­haupt kei­ne Angst“, be­tont die klei­ne, for­sche Frau. „Durch die Iso­la­ti­on wird nix bes­ser, sie ster­ben trotz­dem. Und psy­chi­sche Ver­ein­sa­mung schä­digt die Men­schen.“Leicht­fer­tig sei sie aber nicht im Um­gang mit der Pan­de­mie.

Noch kein Co­ro­na-Fall

„Das ist tap­fer“, sagt Bern­hard Möll­mann, Pres­se­spre­cher der ARD, über die cou­ra­gier­te Hal­tung von An­to­ni­us. „Das ist aber auch ei­ne vor­bild­li­che Se­rie, es wur­den ganz früh Vor­sor­ge­maß­nah­men ge­trof­fen.“Zu­dem wer­de viel ge­tes­tet, be­son­ders vor Sze­nen, in de­nen sich die Prot­ago­nis­ten nä­her kom­men. So ha­be bis­her ein Co­ro­na-Fall ver­mie­den wer­den kön­nen.

Die Ro­sen muss­ten vom 23. März an nur für fünf Wo­chen pau­sie­ren. An­to­ni­us hat vol­les Ver­ständ­nis für al­le Ein­schrän­kun­gen: „Bes­ser ,Ro­te Ro­sen‘ mit Ab­stand als gar nicht.“Mit den po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen in Deutsch­land und der Rol­le der Kanz­le­rin

ist sie in der Kri­se ein­ver­stan­den. „Ich lie­be und be­wun­de­re An­ge­la Mer­kel.“

Sechs Mo­na­te, in de­nen sie seit dem Früh­jahr co­ro­nabe­dingt nicht dre­hen durf­te, ha­be sie ein ge­müt­li­ches Le­ben mit Pen­de­lei zwi­schen Wi­en und dem Bur­gen­land ge­habt, wo sie zu Hau­se ist. „Ich kann sehr gut al­lein sein“, be­tont die Ös­ter­rei­che­rin mit dem char­man­ten Ak­zent. In der Hei­mat le­ben ih­re Schwes­ter und Freun­de der Schau­spie­le­rin, die lan­ge am Burg­thea­ter in Wi­en spiel­te. Gas­si­ge­hen war in der schwe­ren Zeit wie ei­ne The­ra­pie – den 15 Jah­re al­ten Pin­ki nahm sie einst ver­ein­samt an ei­ner Tank­stel­le auf und bangt nun nach ei­nem Herz­feh­ler und jah­re­lan­ger Me­di­ka­ti­on um sein Le­ben.

Fal­sch­nach­richt über Tod

Der klei­ne Ge­fähr­te ist stets bei ihr, auch wenn sie in ih­rem Mi­ni-Pkw durch Lü­ne­burg fährt. Zu Be­ginn des Lock­downs im Früh­jahr bot sie selbst seel­sor­ge­ri­sche Hil­fe per Te­le­fon an, in­zwi­schen geht die Pro­tes­tan­tin selbst wie­der in die Kir­che. „Das ge­fällt mir so gut am Nor­den, dass er evan­ge­lisch ist.“Zwei- bis drei­mal jähr­lich traf sie sich mit ih­rem Fan­club, ser­vier­te sü­ße Na­sche­rei­en aus Ös­ter­reich. Das geht in die­sem Jahr nicht. „Aber ich wer­de stän­dig an­ge­spro­chen“, er­zählt die vie­len Zu­schau­ern be­kann­te Be­sit­ze­rin des Ro­sen­hau­ses. Wäh­rend die Haupt­dar­stel­le­rin­nen der oft in Be­zie­hungs­fra­gen ver­schlun­ge­nen Se­rie tur­nus­mä­ßig nach 200 Fol­gen ab­ge­löst wer­den, ist An­to­ni­us im­mer da­bei ge­we­sen.

Ei­nen Schreck be­kam sie aber, als ein Ju­gend­freund sie in Ös­ter­reich an­rief, weil er ge­le­sen hat­te, sie sei ge­stor­ben. Auf Youtube war im Som­mer ver­brei­tet wor­den, dass An­to­ni­us tot sei. „Das war ei­ne be­son­de­re Saue­rei, ich ha­be ei­ne An­zei­ge ge­macht“, er­zählt sie. Bis auf ei­ne neue Hüf­te ist die quir­li­ge Frau ge­sund.

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Fo­to: dpa/Phil­ipp Schul­ze Trotzt der Pan­de­mie: „Ro­teRo­sen“-Ur­ge­stein Bri­git­te An­to­ni­us.

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