Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Trau­er um Karl Dall

Ko­mi­ker starb nach ei­nem Schlag­an­fall

- Celebrities · Otto Waalkes · RTL Group · ARD (broadcaster) · Karl Dall · Emden

HAM­BURG/LÜ­NE­BURG Trau­er in der deut­schen Come­dy­sze­ne: Der Schau­spie­ler und Ko­mi­ker Karl Dall ist tot. Er starb ges­tern im Al­ter von 79 Jah­ren, wie sei­ne Fa­mi­lie mit­teil­te. Dall ha­be sich von ei­nem Schlag­an­fall, den er vor zwölf Ta­gen er­lit­ten hat­te, nicht mehr er­holt. „Trotz Ein­satz al­ler tech­no­lo­gi­schen und in­ten­siv­me­di­zi­ni­schen Maß­nah­men ist er heu­te fried­lich ein­ge­schla­fen, oh­ne vor­her noch ein­mal das Be­wusst­sein wie­der­er­langt zu ha­ben“, hieß es in dem Schrei­ben der Fa­mi­lie. „Er war nicht nur ein be­lieb­ter Ko­mi­ker und En­ter­tai­ner, son­dern vor al­lem ein au­ßer­ge­wöhn­lich lie­bens­wer­ter und net­ter Mensch.“

Dall mo­de­rier­te im Fern­se­hen Talk­shows, plat­zier­te sich mit Schla­gern wie „Die­se Schei­be ist ein Hit“und „Mil­lio­nen Frau­en lie­ben mich“in den Charts und stand als Schau­spie­ler für Ko­mö­di­en vor der Ka­me­ra.

HAM­BURG Hän­gen­des Schlupflid, gro­ße Klap­pe und im­mer ei­nen Ka­lau­er pa­rat: Mit schrä­gem Hu­mor hat Ko­mi­ker Karl Dall die Show­welt er­obert. „Au­ge zu und durch“nann­te er sei­ne Au­to­bio­gra­fie – und ge­nau das dürf­ten sich auch oft die pro­mi­nen­ten Gäs­te sei­ner Talk­shows wie „Dall-As“ge­sagt ha­ben, wenn der TV-Hu­mo­rist sie mal wie­der rot­zig pro­vo­zier­te und or­dent­lich aus­teil­te. Erst sei er da­mit nicht be­ach­tet, spä­ter ver­ris­sen und schließ­lich zum Kult er­klärt wor­den, fass­te er es selbst ein­mal zu­sam­men. „Je­der woll­te mal mit Dall am Tisch sit­zen und sich ver­ar­schen las­sen – wer da nicht da­bei ge­we­sen war, ge­hör­te nicht in die Show­bran­che.“Im Al­ter von 79 Jah­ren ist er ges­tern ge­stor­ben, nach­dem er am 11. No­vem­ber ei­nen Schlag­an­fall er­lit­ten hat­te, wie sei­ne Fa­mi­lie mit­teil­te. Er sei „fried­lich ein­ge­schla­fen, oh­ne vor­her noch ein­mal das Be­wusst­sein wie­der­er­langt zu ha­ben“.

Der nach sei­nem Kol­le­gen Ot­to Waal­kes – wie er in Em­den ge­bo­ren – be­rühm­tes­te Ost­frie­sen-Ko­mi­ker fei­er­te Er­fol­ge auf der Büh­ne und im Fern­se­hen. Da­bei sah es nach ei­ner sol­chen Kar­rie­re bei ihm lan­ge nicht aus. Ei­nen Be­am­ten woll­ten die El­tern aus ihm ma­chen, das Leh­rer­kind selbst sah sich als Fo­to­gra­fen oder Ka­me­ra­mann. Nach dem ver­mas­sel­ten Schul­ab­gang – in der zehn­ten Klas­se brach er ab – platz­ten el­ter­li­che und ei­ge­ne Träu­me. Da­für war er als Klas­sen­clown be­kannt: „Ko­misch fand ich mich nicht, aber al­le

ha­ben über mich ge­lacht“, er­zähl­te er spä­ter mal.

Er, der als Kind we­gen sei­ner Lid­mus­kel­schwä­che ge­hän­selt wur­de, mach­te das Bes­te dar­aus – und wur­de Be­rufs­ko­mi­ker. Nach ei­ner Schrift­set­zer-Leh­re und Ge­le­gen­heits­jobs traf er auf Lie­der­ma­cher In­go Ins­ter­burg, 1967 schlug die Ge­burts­stun­de für die hu­mo­ris­tisch-an­ar­chis­ti­sche Grup­pe Ins­ter­burg & Co („Ich lieb­te ein Mäd­chen“), die schnell zum Ge­heim­tipp in der Stu­den­ten­sze­ne wur­de.

Be­vor die Blö­del-Trup­pe En­de der 70er aus­ein­an­der­ging, hat­te Dall Kon­tak­te zum Fern­se­hen ge­knüpft. Er brach­te den „Mu­sik­la­den“mit auf den Bild­schirm, as­sis­tier­te bei Ru­di Car­rells „Am lau­fen­den Band“und spiel­te in „Ver­ste­hen Sie Spaß?“Te­le­fon­strei­che.

Mit Blö­del­schla­gern schaff­te Dall es so­gar in die Charts („Die­se Schei­be ist ein Hit“, „Mil­lio­nen Frau­en lie­ben mich“). Als Schau­spie­ler stand er für zahl­rei­che Pro­duk­tio­nen vor der Ka­me­ra, dar­un­ter vie­le Ko­mö­di­en. Die Ero­tik­ko­mö­die „Sunshi­ne Reg­gae auf Ibi­za“(1983) et­wa, in der er die Haupt­rol­le hat­te, ern­te­te ver­nich­ten­de Kri­ti­ken. Dall pro­bier­te auf sei­ner un­ge­wöhn­li­chen Lauf­bahn vie­les aus, pro­vo­zier­te und po­la­ri­sier­te gern. Sei­ne Kar­rie­re brach­te der Blö­del­bar­de vor al­lem Mit­te der 80er-Jah­re mit dem Ein­stieg beim frisch ge­grün­de­ten Pri­vat­sen­der RTL auf Tou­ren.

Fern­seh­ge­schich­te schrieb 1992 sein spek­ta­ku­lä­rer Wech­sel zu Sat1 („Jux und Dal­le­rei“) – bis da­hin die pro­mi­nen­tes­te Per­so­na­lie im Kon­kur­renz­kampf der bei­den Pri­vat­sen­der. „Bei RTL ha­be ich mir die Spo­ren ver­dient, bei Sat1 die Mäu­se“, re­sü­mier­te er spä­ter. Doch 1995 kehr­te Dall zu RTL zu­rück, mo­de­rier­te et­wa „Karls Kn­ei­pe“und wirk­te in Ru­di Car­rells Show „7 Ta­ge – 7 Köp­fe“mit. Spä­ter war er nur noch sel­ten auf dem Bild­schirm zu se­hen.

Zu­letzt stand er wie­der vor der Ka­me­ra: Erst An­fang No­vem­ber über­nahm er ei­ne Rol­le für die ARD-Se­rie „Ro­te Ro­sen“– doch nur nach we­ni­gen Ta­gen er­litt er den Schlag­an­fall.

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Fo­to: imago images/C. Nie­haus En­ter­tai­ner Karl Dall
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Fo­to: dpa/Ro­land Scheideman­n Pro­vo­zier­te ger­ne: Karl Dall.

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