Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

„Wir füh­len uns auf Mallor­ca si­che­rer als in der Hei­mat“

Vie­le Aus­län­der kom­men wie­der für ei­nen län­ge­ren Win­ter­auf­ent­halt auf die Ba­lea­ren­in­sel – auch weil die Ge­sund­heits­be­hör­de ei­nen gu­ten Job macht

- Von Ralph Schul­ze Majorca · Germany · The Weekend · Austria · Switzerland · Luxembourg · TUI · Berlin · Duesseldorf · Frankfurt · Hamburg · Rostock · Arancha González

PAL­MA DE MALLOR­CA Ein­sa­me Strän­de, traum­haf­te und manch­mal so­gar ver­schnei­te Berg­land­schaf­ten und mil­de Tem­pe­ra­tu­ren an der Küs­te prä­gen den Win­ter auf Mallor­ca. Das spa­ni­sche Mit­tel­meer­pa­ra­dies hat in der küh­le­ren Jah­res­zeit schon im­mer ei­ne An­zie­hungs­kraft auf je­ne Mallor­ca-Freun­de ge­habt, die vor al­lem ei­nes su­chen: viel Ru­he.

Die­sen Win­ter dürf­te es auf dem Ei­land, das kaum zwei Flug­stun­den von den deutsch­spra­chi­gen Län­dern in Zen­tral­eu­ro­pa ent­fernt liegt, noch et­was ru­hi­ger wer­den. Denn die Co­ro­na-Pan­de­mie mit Qua­ran­tä­ne- und Test­pflich­ten hat die eu­ro­päi­sche Rei­se­lust stark ge­bremst. Das be­kommt auch Mallor­ca, seit vie­len Jah­ren die meist­be­such­te Ur­laubs­in­sel Eu­ro­pas, schmerz­haft zu spü­ren.

Zu­mal die Ba­lea­ri­schen In­seln mit­samt Mallor­ca mit ei­ner der­zei­ti­gen 7-Ta­ge-In­zi­denz von et­wa 100 Fäl­len pro 100 000 Ein­woh­nern of­fi­zi­ell noch als Ri­si­ko­ge­biet gel­ten. Aber auch mit die­sem Co­ro­na­wert ist das sta­tis­ti­sche In­fek­ti­ons­ri­si­ko auf Mallor­ca mo­men­tan nicht hö­her als in den meis­ten Her­kunfts­län­dern der aus­län­di­schen Ur­lau­ber und Re­si­den­ten. In Deutsch­land zum Bei­spiel, dem wich­tigs­ten Rei­se­markt der In­sel, lag die wö­chent­li­che In­zi­denz laut Ro­bert-KochIn­sti­tut zu­letzt bei über 140.

Ent­spre­chend las­sen sich nicht al­le Mallor­ca-Fans von Co­ro­na und den Hür­den, die zur Epi­de­mie­be­kämp­fung auf­ge­baut wur­den, ab­schre­cken. „Wir sind zur­zeit auf der In­sel und füh­len uns sehr wohl“, heißt es in ei­nem Le­ser­brief, den die deutsch­spra­chi­ge „Mallor­ca Zei­tung“die­ser Ta­ge ver­öf­fent­lich­te. Den ört­li­chen Ge­sund­heits­be­hör­den be­schei­ni­gen die­se Deut­schen ei­ne „sehr gu­te“Co­ro­na­po­li­tik. Dies stär­ke das Ver­trau­en: „Wir wer­den jetzt mehr als vor­her her­kom­men.“

Man­che Aus­län­der ha­ben so­gar gleich ihr Bü­ro auf die In­sel ver­legt: „Ak­tu­ell sind wir bis Ja­nu­ar 2021 im Ho­me­of­fice auf un­se­rer Fin­ca und füh­len uns hier deut­lich si­che­rer als in Deutsch­land“, heißt es in ei­nem wei­te­ren Le­ser­schrei­ben. „Wir ha­ben un­ser Ver­hal­ten da­hin ge­hend ge­än­dert, dass wir nicht mal kurz übers Wo­che­n­en­de oder für ei­ne Wo­che auf die In­sel flie­gen. Son­dern wir ver­brin­gen län­ge­re Zeit am Stück hier, weil uns auch die Flie­ge­rei ziem­lich nervt.“

Seit An­fang die­ser Wo­che gibt es ein wei­te­res Hin­der­nis für In­sel­rei­sen­de: Al­le Tou­ris­ten aus Deutsch­land, Ös­ter­reich, der Schweiz oder Lu­xem­burg dür­fen nur mit ei­nem ne­ga­ti­ven PCR-Test auf

Mallor­ca ein­rei­sen. Die­ser mo­le­ku­lar­bio­lo­gi­sche Test darf nicht äl­ter als 72 St­un­den sein und muss das Er­geb­nis in eng­li­scher oder spa­ni­scher Spra­che be­schei­ni­gen – die als we­ni­ger zu­ver­läs­sig gel­ten­den An­ti­gen-Schnell­tests wer­den nicht an­er­kannt.

Die­se PCR-Hür­de sei al­lein aus lo­gis­ti­schen Grün­den nicht so ein­fach zu über­win­den, be­kennt man beim deut­schen Rei­se­an­bie­ter DER Tou­ris­tik. Denn die re­gio­na­len Test­ka­pa­zi­tä­ten sei­en zum Bei­spiel in Deutsch­land auf­grund der ho­hen Fall- und Test­zah­len teil­wei­se er­schöpft oder für me­di­zi­nisch drin­gend not­wen­di­ge Ana­ly­sen re­ser­viert. Des­we­gen bie­tet DER den Mallor­ca-Kun­den nun ei­nen PCR-Heim­test an, der vor dem Rei­se­start nach Hau­se ge­schickt und dann von ei­nem Ver­trags­la­bor aus­ge­wer­tet wird.

„Die Kos­ten der PCR-Tests be­lau­fen sich auf 129 Eu­ro für ei­nen Ein­zel­test für Al­lein­rei­sen­de und 199 Eu­ro für ei­nen Dop­pel­test für zwei Per­so­nen. Die Kos­ten des Tests tra­gen die Rei­se­gäs­te“, er­klärt das Un­ter­neh­men in ei­ner Mit­tei­lung. „An­ti­gen-Schnell­tests kön­nen in ab­seh­ba­rer Zeit zwar ein wich­ti­ges In­stru­ment wer­den“, be­kennt In­go Bur­mes­ter, DER-Chef für Zen­tral­eu­ro­pa. Aber da­für müss­ten „Min­dest­qua­li­täts­an­for­de­run­gen auf na­tio­na­ler und in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne“ver­ein­bart wer­den.

Der Rei­se­kon­kur­rent Tui ver­weist die Kun­den in Deutsch­land der­weil an die „be­kann­ten Test­stel­len, wie Arzt­pra­xen oder Kran­ken­häu­ser“oder pri­va­te Test­cen­ter auf den Flug­hä­fen in Ber­lin, Düsseldorf, Frank­furt, Ham­burg und in Ros­tock. Dort muss üb­li­cher­wei­se ein Ter­min ver­ein­bart wer­den. In ei­li­gen Fäl­len, so teilt Tui auf sei­ner Web­sei­te mit, ste­he oft­mals das Er­geb­nis „be­reits in­ner­halb von sechs St­un­den nach Pro­ben­ent­nah­me“zur Ver­fü­gung.

Üb­ri­gens: Wer oh­ne ne­ga­ti­ven PCR-Test auf Mallor­ca lan­det, ris­kiert ei­ne ge­wal­ti­ge Stra­fe, teil­te Spa­ni­ens Au­ßen­mi­nis­te­rin Aran­cha Gon­zá­lez La­ya mit. Der Buß­geld­ka­ta­log se­he ei­ne Sank­ti­on von 3000 bis 6000 Eu­ro vor. Ei­ne ho­he Sum­me, die ein tie­fes Loch in die Rei­se­kas­se schla­gen könn­te. War­um die­se Ham­mer­stra­fe? Gon­zá­lez La­ya: „Zur Ab­schre­ckung.“

 ?? Fo­to: dpa/Isaac Buj/EU­RO­PA PRESS ?? Teil des Si­cher­heits­kon­zepts: Ein Po­li­zist führt am Ein­gang der Stadt Ma­na­cor auf der In­sel Mallor­ca ei­ne Fahr­zeug­kon­trol­le durch.
Fo­to: dpa/Isaac Buj/EU­RO­PA PRESS Teil des Si­cher­heits­kon­zepts: Ein Po­li­zist führt am Ein­gang der Stadt Ma­na­cor auf der In­sel Mallor­ca ei­ne Fahr­zeug­kon­trol­le durch.

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