Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Tür­kei geht ge­gen deut­sche Sol­da­ten vor

An­ka­ra spricht von „in­ak­zep­ta­bler“Durch­su­chung ei­nes Frach­ters vor Li­by­en

- Von Su­san­ne Güs­ten Military · European Politics · Politics · Warfare and Conflicts · World Politics · Turkey · Mediterranean Sea · German Defence Force · Libya · Ankara · U.S. State Department · European Union · United States of America · Europe · DB Schenker · Egypt · Russia · France · United Nations · Angela Merkel · NATO · Greece · The German government · Syria · Berlin · German Railway Corporation · Istanbul · Tripoli · Khalifa Haftar

ISTAN­BUL Im öst­li­chen Mit­tel­meer wach­sen die Span­nun­gen we­gen ei­nes Ver­suchs der Bun­des­wehr, ei­nen tür­ki­schen Frach­ter auf dem Weg nach Li­by­en zu durch­su­chen. Sol­da­ten der deut­schen Fre­gat­te „Ham­burg“woll­ten im Rah­men der eu­ro­päi­schen Über­wa­chungs­mis­si­on Iri­ni im Mit­tel­meer ein Con­tai­ner­schiff auf Waf­fen für Li­by­en über­prü­fen, muss­ten das Schiff nach ei­nem Pro­test aus An­ka­ra aber ver­las­sen.

Sank­tio­nen im Ge­spräch

Das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um in An­ka­ra warf der EU ein „in­ak­zep­ta­bles“Vor­ge­hen vor. Es war das drit­te Mal, dass die Tür­kei die Waf­fen­kon­trol­len eu­ro­päi­scher Staa­ten im Mit­tel­meer ver­hin­der­te. Die EU will im De­zem­ber bei ei­nem Gip­fel über Sank­tio­nen zur Be­stra­fung der ag­gres­si­ven tür­ki­schen Po­li­tik im Mit­tel­meer ent­schei­den. Der neue Vor­fall macht EU-Sank­tio­nen wahr­schein­li­cher. Eu­ro­pa hat­te die Tür­kei mehr­mals auf­ge­for­dert, „Pro­vo­ka­tio­nen“im öst­li­chen Mit­tel­meer zu un­ter­las­sen.

Wel­che Rüs­tungs­gü­ter an Bord der „Ro­sa­li­ne A“ver­mu­tet wur­den, blieb un­klar. Der un­ab­hän­gi­ge Istan­bu­ler Schiffs­ex­per­te Yö­rük Isik sag­te un­se­rer Re­dak­ti­on, das Schiff ge­hö­re zur an­ge­se­he­nen Ree­de­rei Ar­kas. Das Un­ter­neh­men wür­de aus sei­ner Sicht nie­mals il­le­ga­le Gü­ter an Bord ei­nes ih­rer Schif­fe dul­den, be­ton­te er. Ar­kas ist seit 15 Jah­ren Part­ne­rin der deut­schen Bahn-Toch­ter DB Schen­ker. Isik be­zwei­fel­te zu­dem, dass die Tür­kei es noch nö­tig ha­be, Rüs­tungs­gü­ter per Schiff nach Li­by­en zu brin­gen. An­ka­ra schi­cke seit ei­ni­ger Zeit vie­le Trans­port­flug­zeu­ge nach Li­by­en, sag­te er. „Es gibt nichts mehr, was per Schiff trans­por­tiert wer­den müss­te.“

Ver­däch­ti­ge Gü­ter wur­den auf dem 16000-Ton­nenFrach­ter nicht ent­deckt. Dem tür­ki­schen Au­ßen­amt zu­fol­ge trans­por­tier­te die „Ro­sa­li­ne A“hu­ma­ni­tä­re Hilfs­gü­ter und Far­be aus Istan­bul nach Li­by­en. Die Bun­des­wehr­sol­da­ten hät­ten den Ka­pi­tän und Be­sat­zungs­mit­glie­der den­noch ge­walt­sam Lei­bes­vi­si­ta­tio­nen un­ter­zo­gen.

Die Tür­kei un­ter­stützt im Li­by­en-Kon­flikt die Re­gie­rung in Tri­po­lis im Krieg ge­gen den Re­bel­len­ge­ne­ral Kha­li­fa Haftar. Tür­ki­sche Mi­li­tär­be­ra­ter und Kampf­droh­nen hat­ten ent­schei­den­den An­teil am Schei­tern ei­nes Groß­an­griffs von Haft­ars Trup­pen auf die Haupt­stadt. Haftar er­hält Un­ter­stüt­zung aus den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten, Ägyp­ten und Russ­land; auch Frank­reich steht auf­sei­ten des Ge­ne­rals. Die aus­län­di­schen Un­ter­stüt­zer bei­der Kon­flikt­par­tei­en igno­rie­ren ein UN-Waf­fen­em­bar­go für Li­by­en. Das tür­ki­sche Au­ßen­amt warf Eu­ro­pa vor, sich mit Iri­ni par­tei­isch zu ver­hal­ten. Die li­by­sche Re­gie­rung wer­de be­straft, wäh­rend Lie­fe­run­gen für Haftar nicht über­prüft wür­den.

Rüs­tungs­ko­ope­ra­ti­on

Re­gie­rungs­treue Kom­men­ta­to­ren in den tür­ki­schen Me­di­en ver­lang­ten ei­ne Ent­schul­di­gung von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel.

Im Som­mer hat­te die Be­sat­zung ei­nes tür­ki­schen Kriegs­schif­fes

nach fran­zö­si­schen An­ga­ben ih­ren Ziel­ra­dar dro­hend auf ei­ne fran­zö­si­sche Fre­gat­te ge­rich­tet und da­mit die Durch­su­chung ei­nes tür­ki­schen Frach­ters auf dem Weg nach Li­by­en ver­hin­dert. Tür­ki­sche Kriegs­schif­fe hin­der­ten zu­dem grie­chi­sche Fre­gat­ten an der Durch­su­chung ei­nes Schif­fes.

Ges­tern wur­de zu­dem be­kannt, dass die deut­sche Rüs­tungs­in­dus­trie seit 2004 Kriegs­schif­fe oder Tei­le da­für im Wert von 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro in die Tür­kei ex­por­tiert hat. Sol­che Rüs­tungs­lie­fe­run­gen sind in­zwi­schen we­gen des Kon­flikts der Na­to-Part­ner Grie­chen­land und Tür­kei um Erd­gas­vor­kom­men im Mit­tel­meer um­strit­ten. Bis­her un­ter­bin­det die Bun­des­re­gie­rung nur den Ex­port von Rüs­tungs­gü­tern an die Tür­kei, die im Sy­ri­en-Krieg ein­ge­setzt wer­den kön­nen. Gü­ter für den „ma­ri­ti­men Be­reich“wer­den aus­ge­führt. Die Re­gie­rung Grie­chen­lands hat Ber­lin auf­ge­for­dert, den Ex­port­stopp auf Kriegs­schif­fe aus­zu­wei­ten.

 ?? Fo­to: dpa/Sina Schuldt ?? Für die EU-Mis­si­on Iri­ni auf dem Mit­tel­meer im Ein­satz ge­gen Waf­fen­schmugg­ler: die Fre­gat­te „Ham­burg“.
Fo­to: dpa/Sina Schuldt Für die EU-Mis­si­on Iri­ni auf dem Mit­tel­meer im Ein­satz ge­gen Waf­fen­schmugg­ler: die Fre­gat­te „Ham­burg“.

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