Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Tod nach Po-Ver­grö­ße­rung

Chir­urg we­gen Be­hand­lungs­feh­lern bei Pa­ti­en­tin­nen an­ge­klagt

- Crime · Medicine · Duesseldorf

DÜSSELDORF Nach dem Tod zwei­er Pa­ti­en­tin­nen hat die Staats­an­walt­schaft in Düsseldorf An­kla­ge ge­gen ei­nen Schön­heits­chir­ur­gen er­ho­ben. Sie wirft ihm fahr­läs­si­ge Kör­per­ver­let­zung mit To­des­fol­ge in zwei Fäl­len so­wie in ei­nem drit­ten Fall fahr­läs­si­ge Kör­per­ver­let­zung vor. Die An­kla­ge stützt sich auf Gut­ach­ten, die dem Ope­ra­teur meh­re­re Be­hand­lungs­feh­ler at­tes­tiert hat­ten. So sei in meh­re­ren Fäl­len nicht aus­rei­chend über die Ri­si­ken der Ein­grif­fe auf­ge­klärt wor­den, teil­te die Be­hör­de ges­tern mit.

Der Arzt bot seit meh­re­ren Jah­ren Po-Ver­grö­ße­run­gen („Bra­zi­li­an Butt“) mit­tels Ei­gen­fett-Im­plan­ta­ti­on an. Ei­ne po­pu­lä­re Me­tho­de, die von vie­len plas­ti­schen Chir­ur­gen we­gen ih­res Ri­si­kos kri­tisch ge­se­hen wird. „Bei ei­ner Mor­ta­li­täts­ra­te von 1:3000 ist ein sol­cher Ein­griff ei­gent­lich kaum zu recht­fer­ti­gen“, hat­te Pro­fes­sor Den­nis von Heim­burg, Prä­si­dent der Ver­ei­ni­gung der Deut­schen Äs­t­he­tisch-Plas­ti­schen Chir­ur­gen, nach Be­kannt­wer­den der Vor­wür­fe ge­sagt. Die Ster­be­ra­te sei sehr hoch.

Auf­klä­rung un­zu­rei­chend

Haupt­grund sei das Ri­si­ko ei­ner Fett-Em­bo­lie. Im Fall des Düs­sel­dor­fer Arz­tes, der die Ope­ra­tio­nen durch­ge­führt ha­be, sei zu­dem „sehr schwie­rig“, dass die­ser In­ter­nist sei und kein aus­ge­bil­de­ter Fach­arzt für plas­ti­sche und äs­the­ti­sche Chir­ur­gie.

Am 2. Ju­li 2019 ha­be der Me­di­zi­ner ei­ner 42-Jäh­ri­gen Fett ab­ge­saugt und ins Ge­säß ge­spritzt, be­rich­te­te die Staats­an­walt­schaft. Die Auf­klä­rung vor der Ope­ra­ti­on sei un­zu­rei­chend ge­we­sen. Die Ope­ra­ti­on und die an­schlie­ßen­de Be­hand­lung ge­gen Throm­bo­se hät­ten sta­tio­när er­fol­gen müs­sen. Au­ßer­dem hät­te der Ein­griff nur mit ei­nem Anäs­the­sis­ten durch­ge­führt wer­den dür­fen.

We­der das Fett­ab­sau­gen noch das Ein­sprit­zen sei ord­nungs­ge­mäß er­folgt. Des­halb sei es zu mas­si­ven Ein­blu­tun­gen in die Rü­cken- und Ge­säß­mus­ku­la­tur ge­kom­men. Schließ­lich ha­be ei­ne Nach­be­ob­ach­tung und Nach­sor­ge für die Pa­ti­en­tin ge­fehlt. Sie sei an den Kom­pli­ka­tio­nen des Ein­griffs ge­stor­ben. To­des­ur­sa­che sei ein kri­ti­scher Blut­ver­lust im Ope­ra­ti­ons­ge­biet in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Fet­tem­bo­lie ge­we­sen.

Der Me­di­zi­ner hat­te ein Ver­blu­ten als To­des­ur­sa­che auf An­fra­ge be­strit­ten: „Ver­blu­tet ist sie de­fi­ni­tiv nicht.

Ihr Kreis­lauf war sta­bil nach der OP.“Er ver­mu­te eher ei­nen plötz­li­chen Herz­tod als To­des­ur­sa­che, et­wa durch ei­ne an­ge­bo­re­ne Herz­schwä­che, hat­te er ge­sagt. Am 6. Au­gust 2018 hat­te der Me­di­zi­ner laut An­kla­ge ei­ne wei­te­re am­bu­lan­te Ope­ra­ti­on vor­ge­nom­men, näm­lich ei­ne Fett­ab­sau­gung von mehr als zwölf Li­tern Flüs­sig­keit mit an­schlie­ßen­der Ei­gen­fett­im­plan­ta­ti­on in die Brüs­te und das Ge­säß. Vor dem Ein­griff ha­be er die Pa­ti­en­tin nicht an­ge­mes­sen über Ri­si­ken und Um­fang des Ein­griffs auf­ge­klärt.

Zu ho­he Do­sie­rung

Au­ßer­dem sei das Nar­ko­se­mit­tel un­zu­läs­sig hoch do­siert ge­we­sen. Die 20-Jäh­ri­ge sei noch am glei­chen Tag an den Fol­gen ei­nes ho­hen Blut­ver­lus­tes so­wie ei­ner Fet­tem­bo­lie, al­so ei­nes Ver­schlep­pens

von Fett in die Lun­gen­schlag­adern, ge­stor­ben.

Am 12. Ju­ni 2018 ha­be der Me­di­zi­ner ei­ner Pa­ti­en­tin in sei­ner Pra­xis in Düsseldorf sechs Li­ter Flüs­sig­keit ab­ge­saugt, da­von 4,7 Li­ter Fett, wo­von er 2,2 Li­ter Fett in bei­de Ge­säß­hälf­ten in­ji­ziert ha­be. Dies sei ei­ne un­zu­läs­sig gro­ße Men­ge ge­we­sen. Dann ha­be er die Frau oh­ne die er­for­der­li­che Nach­sor­ge ent­las­sen. Nach der Ope­ra­ti­on sei es bei ihr zu Ein­blu­tun­gen ge­kom­men, sie ha­be in ei­nem Kran­ken­haus be­han­delt wer­den müs­sen. Bei der Ope­ra­ti­on ha­be der Me­di­zi­ner au­ßer­dem ein nicht zu­ge­las­se­nes Me­di­ka­ment ver­wen­det.

Die Staats­an­walt­schaft be­ton­te, dass bis zu ei­ner rechts­kräf­ti­gen Ver­ur­tei­lung für den Me­di­zi­ner die Un­schulds­ver­mu­tung gilt.

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