Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Land­schaft­lich schö­ner Spa­zier­gang

Im Her­zen des Na­tur- und Geo­parks Ter­ra-Vi­ta: Der sie­ben Ki­lo­me­ter lan­ge Rund­weg im Zit­ter­tal

- Von Frank Wie­b­rock Hiking · Outdoor Hobbies · Hobbies · Lifestyle · Stainz · Germany · UNESCO · Osnabruck · Georgsmarienhutte · Georgsmarienhütte GmbH · Bissendorf

BIS­SEN­DORF/GE­ORGS­MA­RI­EN­HÜT­TE Zit­ter­tal? Wer bei Orts­kun­di­gen nach­fragt, merkt schnell, dass sie an­ge­sichts ei­ner lieb­li­chen Land­schaft und al­ter Hö­fe ins Schwär­men kom­men. Lohnt sich der Spa­zier­gang im Grenz­ge­biet zwi­schen Bis­sen­dorf und Ge­orgs­ma­ri­en­hüt­te?

Bis­sen­dorf liegt zwi­schen Wie­hen­ge­bir­ge und Teu­to­bur­ger Wald mit­ten im Na­turund Geo­park Ter­ra-Vi­ta. Kein Wun­der al­so, dass es in so zen­tra­ler La­ge auch ei­nen Ter­ra-Track gibt, in die­sem Fall ei­nen rund sie­ben Ki­lo­me­ter lan­gen Rund­weg – qua­si im Her­zen des Na­turund Geo­parks.

Ter­ra-Vi­ta? Das rund 1500 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Ter­rain des Geo­parks fir­mier­te ur­sprüng­lich un­ter der Be­zeich­nung Na­tur­park Nörd­li­cher Teu­to­bur­ger Wald-Wie­hen­ge­bir­ge. Ein Na­me, der zwar geo­gra­fisch aus­sa­ge­kräf­tig ist, aber un­ter Mar­ke­ting­ge­sichts­punk­ten eher alt­ba­cken bis sper­rig wirkt. In­zwi­schen heißt der 1962 ge­grün­de­te und 1965 zum Land­schafts­schutz­ge­biet er­klär­te Na­tur­park „Na­tur- und Geo­park Ter­ra.vi­ta“.

Im­mer­hin: Als ers­tem Na­tur­park in Deutsch­land ge­lang es Ter­ra-Vi­ta schon 2001, als Eu­ro­päi­scher Geo­park an­er­kannt zu wer­den. Seit 2004 ge­hört er zum Geo­park-Netz­werk der Unesco, 2008 wur­de er zum na­tio­na­len Geo­park. Im No­vem­ber 2015 folg­te dann die of­fi­zi­el­le An­er­ken­nung als Unesco Glo­bal Geo­park. Ein Ge­län­de vol­ler High­lights – von den Di­no­sau­ri­er­fähr­ten in Barkhausen bis zu den Dö­ren­ther Klip­pen, vom Pies­berg bis zur „Blau­en La­gu­ne“im ehe­ma­li­gen St­ein­bruch im Klee­feld.

Nur: Im Zit­ter­tal ist kei­nes der vie­len High­lights ver­or­tet. Dort scheint al­lein die Land­schaft der Star zu sein. Dort ist, das deu­tet sich schon beim Blick auf die Kar­te und die Weg­be­schrei­bung an, der Weg das Ziel.

Wie bei al­len Rund­we­gen stellt sich am An­fang die Fra­ge: Wo star­ten? Ei­ne Ent­schei­dung, die mit Be­dacht

Mer­ke:

Herbst­stim­mung im Zit­ter­tal: Hier lässt es sich gut wan­dern. ge­trof­fen wer­den will, denn es gibt zwei gas­tro­no­mi­sche Ein­kehr­an­ge­bo­te, bei­de mit Park­mög­lich­kei­ten, in un­mit­tel­ba­rer Nä­he: Zum ei­nen den Gast­hof Zit­ter­tal, der auf ei­ne lan­ge Ge­schich­te zu­rück­bli­cken kann. Die ei­gent­li­che Hof­stel­le geht auf das Jahr 1529 zu­rück, als dort von Her­mann de Vogt ei­ne Vog­tei er­rich­tet wur­de. 1913 er­hielt sein Nach­fah­re Chris­ti­an

Vogt dann die Ge­neh­mi­gung für ei­ne Schank­wirt­schaft. Die Gas­tro­no­mie gibt es noch heu­te.

Die zwei­te Ein­kehr­mög­lich­keit ist deut­lich jün­ger: das im April 2009 er­öff­ne­te Ca­fé Barth am Wan­der­park­platz Zum Ro­chus­berg. Dort bie­tet Ru­dolf Barth selbst ge­ba­cke­ne Ku­chen, Kaf­fee-Va­ria­tio­nen und ku­li­na­ri­sche Klei­nig­kei­ten an.

Blick ins Zit­ter­tal: Hier ist al­lein die Land­schaft der Star, wenn man von den Tie­ren, die der Wan­de­rer am We­ges­rand trifft, mal ab­sieht.

Ge­gen­über des Gast­hofs Zit­ter­tal hat das Ca­fé Barth aber ei­nen klei­nen Stand­ort­Nach­teil: Es liegt nicht di­rekt am Rund­weg, son­dern an der Zu­we­gung. Sprich: Am Gast­hof Zit­ter­tal kommt man in je­dem Fall vor­bei, am Ca­fé Barth nur, wenn man den Wan­der­park­platz Zum Ro­chus­berg als Start­punkt wählt. Das soll­te man auch ge­nau des­halb tun: Dann kann man sich gleich zwei Stär­kun­gen oder Er­fri­schun­gen gön­nen. Bes­ser ge­sagt: könn­te. Denn der No­vem­berLock­down ver­hin­dert der­zeit die ge­müt­li­che Ein­kehr.

Der Start­punkt am Wan­der­park­platz Zum Ro­chus­berg hat ei­nen wei­te­ren Vor­teil: Von der rund 600 Me­ter lan­gen Zu­we­gung zum ei­gent­li­chen Rund­weg kann man im­mer mal wie­der ei­nen

Fo­tos: Er­nes­to Mo­ses Wie­b­rock un­ge­wohn­ten Blick aus der Vo­gel­per­spek­ti­ve auf den Bis­sen­dor­fer Ge­wer­be­park Ost und die Au­to­bahn wer­fen. Und wer ge­nau hin­schaut, er­kennt fast schon am Ho­ri­zont das Idu­na-Hoch­haus in Os­na­brück.

Am ei­gent­li­chen Rund­weg stellt sich dann die nächs­te Glau­bens­fra­ge: Wie her­um soll es denn ge­hen? Im Grun­de ist es egal, wirk­lich stei­le Auf- und Ab­stie­ge gibt es nicht. Dies­mal geht es ent­ge­gen des Uhr­zei­ge­sinns zu­nächst durch ei­nen wun­der­bar gold­gelb ein­ge­färb­ten Herbst­wald, wo das Rau­schen der Au­to­bahn end­gül­tig zu­rück­bleibt. Bän­ke la­den zum Ver­wei­len ein, un­ter den Schuh­soh­len knis­tert das Laub.

We­ni­ge Hun­dert Me­ter wei­ter er­war­tet den Wan­de­rer dann ein ganz an­de­res Knis­tern: Hoch­span­nungs­lei­tun­gen über­que­ren den Weg. Kurz da­hin­ter hal­ten ein Schild „Be­tre­ten ver­bo­ten – Ab­sturz­ge­fahr“und ei­ne nur mä­ßig so­li­de Ein­frie­dung den neu­gie­ri­gen Na­tur­freund nur halb­her­zig da­von ab, ge­nau das zu tun, was ver­bo­ten ist. Aber das Ver­bot hat gu­te Grün­de: Das Ge­län­de zwi­schen Vox­tru­per Stra­ße und Zum Bos­sel ge­hört zu den Os­na­brü­cker St­ein­bruch­be­trie­ben, die wie­der­um zur Un­ter­neh­mens­grup­pe Dieck­mann ge­hö­ren. Ein In­diz da­für, dass man die Gren­ze zwi­schen Bis­sen­dorf und dem Ge­orgs­ma­ri­en­hüt­ter Orts­teil Hols­ten-Mündrup über­schrit­ten hat.

Wei­ter geht es, vor­bei an ab­ge­ern­te­ten Fel­dern, lau­schi­gen Wäld­chen, Wie­sen und Wei­den. Wer sich Zeit nimmt, kann vie­le De­tails ent­de­cken: Das klei­ne fast über­wu­cher­te Schild „Ab­fäl­le ab­la­den ver­bo­ten“, den Deutz, der mit ei­ner Feld­sprit­ze über den Acker die­selt, die Streu­obst­wie­se, de­ren Obst­bäu­me – ge­nau wie die dar­an be­fes­tig­te, arg ein­ge­fal­le­ne Kauz­röh­re – schon bes­se­re Zei­ten ge­se­hen ha­ben. Oder die be­hals­ban­de­te Kat­ze, die bei der Brot­zeit auf ein paar Bau­stäm­men am We­ges­rand um die Ecke ge­ti­gert kommt. Oder eben den Blick auf Bis­sen­dorf.

Kei­ne Fra­ge: Schön ist es im Bis­sen­dor­fer Zit­ter­tal, ein­sam al­ler­dings nicht. Man merkt auf Schritt und Tritt, dass vie­le Men­schen hier ger­ne spa­zie­ren ge­hen. Ein­ein­halb bis zwei St­un­den dau­ert es, je nach­dem, wie schnell man wan­dert, dann ist man wie­der am Aus­gangs­punkt. Und wenn der Gast­hof Zit­ter­tal und das Ca­fé Barth wie­der ge­öff­net ha­ben, dau­ert es ver­mut­lich ent­spre­chend län­ger.

Es sind auch ein­ein­halb bis zwei St­un­den oh­ne wirk­li­che Hö­hen und Tie­fen, und das nicht nur im geo­gra­fi­schen Sin­ne. „We­ni­ge High­lights, aber wun­der­schön zu ge­hen“, hat ein Wan­de­rer auf Out­door­ac­tive kom­men­tiert und vier von fünf Ster­nen ver­ge­ben. Dem gibt es ei­gent­lich nichts hin­zu­zu­fü­gen.

Ei­ne Kar­te und wei­te­re Fo­tos vom Ter­ra-Track fin­den Sie auf noz.de/

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Rin­der ste­hen nicht auf Wie­sen, son­dern auf Wei­den.
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