Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Brief an den Bür­ger­meis­ter

So kämpft die sie­ben­jäh­ri­ge Mia aus Wis­sin­gen für ei­nen si­che­ren Schul­weg

- Von Ro­bert Schä­fer Lower Saxony · Osnabruck · Bludenz Sonnenbergstraße Kindergarten

BIS­SEN­DORF Die sie­ben­jäh­ri­ge Mia möch­te gern al­lein zur Schu­le ge­hen kön­nen. Die kur­ze Am­pel­schal­tung an der Min­de­ner Stra­ße in Wis­sin­gen und rück­sichts­lo­se Au­to­fah­rer ma­chen den Fuß­weg al­ler­dings viel zu ge­fähr­lich für die Schü­le­rin und ih­re Freun­de. Jetzt tut sich was, weil Mia an den Bür­ger­meis­ter ge­schrie­ben hat.

Die Min­de­ner Stra­ße ist viel be­fah­ren. Und selbst wenn die Ge­schwin­dig­keit im Orts­be­reich Wis­sin­gen auf 50 km/h be­schränkt ist, ist die Lan­des­stra­ße 90 für Schü­ler auf dem Weg zur Grund­schu­le oder zum Sport­platz ein ge­fähr­li­ches Hin­der­nis. Das Land Nie­der­sach­sen hat­te die Ge­fahr be­reits vor ei­ni­ger Zeit er­kannt und ver­sucht, die Stel­le mit ei­ner Be­darf­s­am­pel zu ent­schär­fen. In der Pra­xis stellt die­se aber eben­falls ein Pro­blem dar: Die Schalt­zei­ten pas­sen nicht zum Be­darf.

Auf das Pro­blem auf­merk­sam wur­de die Ge­mein­de durch Mia Lau­mann. Die Sie­ben­jäh­ri­ge hat­te sich mit ei­nem bun­ten Brief an Bür­ger­meis­ter Gui­do Half­ter ge­wandt und um Hil­fe ge­be­ten. Der Schul­weg sei zu ge­fähr­lich, und ih­re El­tern wür­den sie nicht al­lein zur Schu­le ge­hen las­sen. Das aber wol­le sie un­be­dingt: „Ich ha­be näm­lich ex­tra im Kin­der­gar­ten ei­nen Fuß­gän­ger­füh­rer­schein ge­macht“, hat­te Mia ih­rer Mut­ter dik­tiert.

Bei ei­nem ge­mein­sa­men Vor-Ort-Ter­min mach­ten sich Half­ter und Orts­vor­ste­her Vol­ker Klau­sing nun ge­mein­sam mit Mia und an­de­ren

Die Am­pel­an­la­ge an der Min­de­ner Stra­ße soll den Kin­dern den Schul­weg er­leich­tern. Die Schal­tung je­doch muss an­ge­passt wer­den.

An­woh­nern ein Bild von der Si­tua­ti­on. Ein Test zeig­te: Was Mia ge­schrie­ben hat­te, stimmt.

Be­gon­nen ha­be das Pro­blem mit der Um­rüs­tung der Am­pel auf LED-Tech­no­lo­gie, be­rich­te­te Mi­as Mut­ter Lea Lau­mann. Da­bei sei auch der Schalt­rhyth­mus ver­än­dert wor­den, die Grün­zeit für die Fuß­gän­ger deut­lich kür­zer ge­wor­den. Hin­zu kom­me, dass die Schü­ler ge­ra­de bei den aus Rich­tung Wis­sin­gen kom­men­den Fahr­zeu­gen be­son­ders viel Angst be­kä­men: „Wenn die Gelb se­hen, ge­ben die noch mal rich­tig Gas, um schnell noch durch­zu­kom­men“, er­klärt Lau­mann. Oft ge­nug rei­che der Sprint al­ler­dings nicht aus, die Au­tos füh­ren bei Rot durch.

Das al­ler­dings ist bei der be­ste­hen­den Am­pel­schal­tung be­son­ders hei­kel, denn die Fuß­gän­ger­am­pel springt fast un­mit­tel­bar nach der

Rot­schal­tung für Au­to­fah­rer auf Grün. Wenn die Kin­der dann schnell los­lau­fen, wird es eng. Doch schnell müs­sen die Kin­der sein, da die Am­pel­pha­se für die Fuß­gän­ger nur we­ni­ge Se­kun­den an­dau­ert. Für Nach­züg­ler oder bei grö­ße­ren Kin­der­grup­pen reicht die Zeit meist nicht. „Au­ßer­dem nut­zen ja auch äl­te­re Men­schen die Am­pel, die nicht mehr gut zu Fuß sind“, merkt Lau­mann an.

Kein Ri­si­ko­punkt

Im Zwei­fel soll­ten die El­tern, wenn sie ei­ne sol­che Si­tua­ti­on be­ob­ach­ten, bei der Po­li­zei An­zei­ge er­stat­ten, rät Orts­vor­ste­her Klau­sing. Zur Not auch ge­gen un­be­kannt, wenn man sich das Kenn­zei­chen nicht mer­ken konn­te. Zwar sei ei­ne Stra­fe für den Übel­tä­ter äu­ßerst un­wahr­schein­lich, die Ört­lich­keit tau­che auf die­se Wei­se aber auf dem Ra­dar der Ord

nungs­hü­ter auf, so der Po­li­zei­be­am­te im Ru­he­stand. Bis­lang sei die Stel­le näm­lich nicht als Ri­si­ko­punkt be­kannt. Da­bei sieht man ent­lang der Min­de­ner Stra­ße durch­aus, dass hier schnell ge­fah­ren wird: Vie­le Mar­kie­rungs­pfei­ler sind um­ge­fah­ren und ka­putt – auch im Be­reich der Am­pel­an­la­ge.

Lö­sungs­ide­en gibt es ei­ni­ge. Ganz wich­tig dürf­te sein, dass so­wohl die Grün­zeit der Fuß­gän­ger als auch die Zeit zwi­schen dem Rot­licht für Au­to­fah­rer und dem Grün für Fuß­gän­ger ver­län­gert wer­den. Au­ßer­dem schla­gen die An­woh­ner ei­ne bes­se­re Kenn­zeich­nung der Am­pel ins­be­son­de­re für die von Os­na­brück kom­men­den Fahr­zeu­ge vor. Ein Vor­schlag: Die Hal­t­el­i­nie könn­te bis vor die Ein­mün­dung der Ro­sen­stra­ße ver­legt wer­den. Auch deut­li­che Mar­kie­run­gen

und Hin­wei­se auf der Fahr­bahn kön­nen sich die Wis­sin­ger vor­stel­len. Al­les, was die Si­tua­ti­on ent­schär­fe, sei

Mit ei­nem Bild und ei­nem Brief an Bür­ger­meis­ter Gui­do Half­ter, den sie ih­rer Mut­ter dik­tiert hat­te, hat Mia Lau­mann auf die Si­tua­ti­on in Wis­sin­gen auf­merk­sam ge­macht.

Fo­tos: Ro­bert Schä­fer

ih­nen recht, be­kräf­ti­gen die An­woh­ner.

„Wir von der Ge­mein­de kön­nen das lei­der nicht di­rekt ver­an­las­sen“, be­dau­ert Half­ter. Für die Land­stra­ße 90 sei die Lan­des­be­hör­de zu­stän­dig. Dort ha­be man das Pro­blem be­reits ge­mel­det. Ei­ne ers­te Ver­län­ge­rung der Am­pel­schal­tung, die be­reits vor ei­ni­ger Zeit in­stal­liert wor­den war, sei aber bei Wei­tem noch nicht aus­rei­chend, stellt auch Klau­sing klar. Im Mo­ment über­le­ge man ver­schie­de­ne Lö­sun­gen, um die Schü­ler mög­lichst kurz­fris­tig zu schüt­zen. So wol­len die An­woh­ner ih­re Kin­der mit spe­zi­ell ge­schul­ten Be­glei­tern oder ei­nem Wal­king-BusKon­zept zur Schu­le schi­cken. Al­lein, wie sie es so ger­ne möch­te, wird Mia aber ver­mut­lich noch ei­ni­ge Zeit nicht über die Min­de­ner Stra­ße ge­hen.

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