Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Drei Ge­ne­ra­tio­nen am Ball

Fa­mi­lie Gar­cia prägt seit 40 Jah­ren den weib­li­chen Fuß­ball der TSG Burg Gre­tesch

- Von Ja­na Probst Fußball-Kreisliga · Osnabruck

OS­NA­BRÜCK Bei den Gar­ci­as wird seit drei Ge­ne­ra­tio­nen Fuß­ball ge­spielt – nicht un­ter den Män­nern, son­dern un­ter den Frau­en der Fa­mi­lie. Ma­ria Gar­cia, mitt­ler­wei­le seit 40 Jah­ren ak­ti­ve Spie­le­rin, ih­re Töch­ter Eli­sa Gar­cia und Me­lis­sa Böh­mer und Eli­sas Toch­ter Naye­li ha­ben ih­re sport­li­che Hei­mat bei der TSG Burg Gre­tesch ge­fun­den.

Über Jah­re ha­ben Mut­ter und Töch­ter so­gar ge­mein­sam in der zwei­ten Mann­schaft ge­spielt. Nun läuft Ma­ria Gar­cia für die drit­te Frau­en­mann­schaft in der Kreis­klas­se auf, Eli­sa und Me­lis­sa für die Zwei­te in der Kreis­li­ga. „Wenn wir ein Tor ma­chen, dann heißt es: Die Gar­ci­as ha­ben ein Tor ge­macht“, sagt Eli­sa Gar­cia mit ei­nem Schmun­zeln. „Wir wer­den als Fa­mi­lie zu­sam­men­ge­fasst.“Die neun­jäh­ri­ge Naye­li Gar­cia spielt bei den E-Ju­nio­rin­nen.

Drei Ge­ne­ra­tio­nen im Frau­en­fuß­ball, je­de mit ih­ren ei­ge­nen Her­aus­for­de­run­gen. In den frü­hen 70er-Jah­ren hat­te es Ma­ria Gar­cia als fuß­ball­be­geis­ter­tes Mäd­chen nicht leicht. Als Grund­schü­le­rin kick­te sie mit deut­lich äl­te­ren Jun­gen auf der Pies­ber­ger Stra­ße in Os­na­brück, wo die Fa­mi­lie zeit­wei­se wohn­te, oder auf dem Straß­bur­ger Platz. „Da hat man ein­fach mit­ge­macht, es gab ja nichts an­de­res“, er­zählt die heu­te 56-Jäh­ri­ge.

Viel Un­ter­stüt­zung fand ihr Hob­by nicht. Vor al­lem ihr Va­ter ver­trat da noch die Mei­nung: Mäd­chen spie­len kein Fuß­ball. Des­we­gen sch­lich sich Ma­ria Gar­cia als Ju­gend­li­che auch mal heim­lich zum Trai­ning: Mit 13 oder 14 Jah­ren trai­nier­te sie zum ers­ten Mal bei der Frau­en­mann­schaft der TSG Burg Gre­tesch. Ei­ne Ju­gend­mann­schaft gab es da­mals nicht.

Doch Ma­ria Gar­cia setz­te sich durch, blieb bei der TSG und stieg mit der Mann­schaft un­ter Trai­ne­rin Ma­nue­la Prus 1991 in die heu­ti­ge Re­gio­nal­li­ga auf – kein Frau­en­Team in der Re­gi­on spiel­te hö­her. Der sport­li­che Er­folg än­der­te an der Ver­eins­po­li­tik je­doch lan­ge Zeit nichts. „Die Män­ner stan­den an ers­ter Stel­le“, er­in­nert sie sich. „Ob­wohl wir ei­gent­lich hö­her ge­spielt ha­ben.“

Nach­dem sich die Frau­en­fuß­ball­ab­tei­lung des Ver­eins von der der Män­ner ab­ge­spal­ten hat­te, muss­te Ma­ria Gar­cia mit ih­ren Mann­schafts­ka­me­ra­din­nen auf Spon­so­ren-Su­che ge­hen – „bet­teln ge­hen“nennt sie es heu­te. Et­li­che Fir­men hät­ten sie da­mals ab­ge­klap­pert, um die Tri­kots und Fahr­ten zu Aus­wärts­spie­len be­zah­len zu kön­nen.

Dass sie in den 90er-Jah­ren auch als jun­ge Mut­ter wei­ter auf ho­hem Ni­veau Fuß­ball spie­len konn­te, ver­dankt sie der Un­ter­stüt­zung des Ver­eins: Der fi­nan­zier­te ihr, wenn nö­tig, ein Kin­der­mäd­chen. Dum­me Sprü­che oder gar Be­lei­di­gun­gen ge­gen Fuß­ball spie­len­de Frau­en hat die 56-Jäh­ri­ge nicht er­lebt.

Ih­ren Töch­tern hat Ma­ria Gar­cia das In­ter­es­se für Fuß­ball wohl buch­stäb­lich mit in die Wie­ge ge­legt: Von klein auf ver­brach­ten die Zwil­lin­ge Eli­sa und Me­lis­sa viel Zeit im Sport­park Gre­tesch – im­mer dann, wenn ih­re Mut­ter auf dem Platz stand.

Im Jahr 1999 – rund 20 Jah­re, nach­dem Ma­ria Gar­cia in Gre­tesch an­ge­fan­gen hat­te – gab es für ih­re Töch­ter Eli­sa und Me­lis­sa bei der Ver­eins­wahl zu­min­dest Op­tio­nen, wenn auch nicht vie­le. Ih­re Lauf­bahn be­gan­nen die Zwil­lin­ge mit neun Jah­ren beim SSC Do­des­hei­de, wo der Frau­en­fuß­ball da­mals kei­ne gro­ße Un­ter­stüt­zung er­hielt, er­in­nert sich Eli­sa Gar­cia. Trai­nings­an­zü­ge gab es für die Mäd­chen nicht.

Nun wie­der­holt sich die Ge­schich­te mit ih­rer ei­ge­nen

Toch­ter: Eli­sa Gar­cia hat die heu­te neun­jäh­ri­ge Naye­li schon als Säug­ling mit­ge­nom­men, wenn sie auf dem Platz stand. „Da muss­te ei­ne der an­de­ren Müt­ter ran und auf­pas­sen, mei­ne Mut­ter hat ja mit­ge­spielt.“Auch der vier­jäh­ri­ge Emi­lio ist meis­tens mit da­bei.

Die Ent­schei­dung, Fuß­ball im Ver­ein zu spie­len, hat Eli­sa Gar­cia ih­rer Toch­ter selbst über­las­sen. „Sie muss kein Fuß­ball spie­len, nur weil ich das spie­le“, be­tont sie. Wäh­rend des Trai­ning mit den EJu­gend-Mäd­chen passt sie nun auf das Ba­by der Trai­ne­rin auf. „Man über­gibt sich da die Kin­der“, er­klärt sie. „Es ist ein Ge­ben und Neh­men, Gre­tesch ist ja ei­ne Fa­mi­lie.“

Mit Naye­li spielt nun al­so die drit­te Ge­ne­ra­ti­on von Gar­cia-Frau­en Fuß­ball – und Ma­ria und Eli­sa Gar­cia se­hen, wie viel sich im Frau­en­fuß­ball ver­än­dert hat, seit sie selbst an­ge­fan­gen ha­ben. Al­lein, dass Naye­li bei der TSG schon in der E-Ju­gend in ei­ner rei­nen Mäd­chen­mann­schaft spielt, ist ein Fort­schritt. „Frü­her hät­te es das nicht ge­ge­ben“, sagt Eli­sa Gar­cia. „Es ist ein­fa­cher für die jün­ge­ren Spie­le­rin­nen.“Frü­her ha­be ei­ne Frau im re­gio­na­len Fuß­ball oft kaum ei­ne Wahl ge­habt, er­gänzt Ma­ria Gar­cia. Man ha­be al­les eben „so mit­ge­macht“.

Aus ih­rer Sicht ist auch das Leis­tungs­ni­veau heu­te deut­lich hö­her. „Als ich an­ge­fan­gen ha­be in der Re­gio­nal­li­ga, da bin ich ganz ehr­lich, da wa­ren die schlecht. Da konn­te fast je­de Re­gio­nal­li­ga spie­len“, fin­det Eli­sa Gar­cia. Die bes­se­re und vor al­lem frü­he­re För­de­rung und ein hö­he­res En­ga­ge­ment der Trai­ner zah­le sich heu­te aus. „Die Schnel­lig­keit, das Kör­per­li­che, die Kon­di­ti­on, es ist ge­ne­rell al­les bes­ser ge­wor­den.“Wo­hin sich der Frau­en­fuß­ball in den kom­men­den Jahr­zehn­ten noch ent­wi­ckelt, wer­den die Gar­ci­as ver­mut­lich haut­nah er­le­ben – dann vi­el­leicht auch in vier­ter Ge­ne­ra­ti­on.

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Fo­tos: Micha­el Grün­del
Fuß­ball liegt bei ih­nen in der Fa­mi­lie: Ma­ria Gar­cia, En­ke­lin Naye­li Gar­cia und Toch­ter Eli­sa Gar­cia (v. l.). Fo­tos: Micha­el Grün­del
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