Neue Osnabrucker Zeitung - Wallenhorst

Ra­di­ka­le An­sät­ze als An­re­gung

Fan­bünd­nis po­si­tio­niert sich klar zur an­ste­hen­den Ver­tei­lung der Fern­seh­gel­der

- Von Frank Hell­mann Fribourg · South Carolina · FC Bayern Munich · Bavaria · Rhine-Main Airport · Karl-Heinz Rummenigge · Auch · UEFA · Marco · SC Freiburg · Hamburger SV · Swiss Super League · Super

FRANK­FURT Das ein­fluss­rei­che Fan­bünd­nis „Un­se­re Kur­ve“hat ih­re Po­si­ti­on zur bald an­ste­hen­den Ver­tei­lung der Fern­seh­gel­der un­ter­brei­tet. An die Deut­sche Fuß­bal­lLi­ga (DFL) er­geht der Ap­pell, die mit Aus­bruch der Co­ro­na-Kri­se be­gon­ne­nen Dis­kus­sio­nen über drin­gend not­wen­di­ge Re­for­men nicht au­ßer Acht zu las­sen.

„Wei­ter­ma­chen wie bis­her darf kei­ne Op­ti­on sein. Die Ent­schei­dung über die Ver­tei­lung der DFL-Me­die­n­er­lö­se ist für uns und vie­le an­de­re Fans rich­tung­wei­send. Die­se Ent­schei­dung ist ein Grad­mes­ser für die Re­form­be­reit­schaft des Pro­fi­fuß­balls“, sag­te die Vor­sit­zen­de He­len Breit in Rich­tung DFL-Prä­si­di­um. Der war­nen­de Un­ter­ton ist nicht zu über­hö­ren.

Die An­hän­ge­rin des SC Frei­burg hat als Mit­glied der von der DFL ein­be­ru­fe­nen „Task Force Zu­kunft Pro­fi­fuß­ball“mit ih­rer Stim­me deut­lich an Ge­wicht ge­won­nen. Fünf Fan­ver­tre­ter sit­zen in dem Gre­mi­um, das den an­ge­schla­ge­nen deut­schen Pro­fi­fuß­ball zu­kunfts­si­che­rer ma­chen soll. Nach­dem 14 Li­zenz­ver­ei­ne Re­form­vor­schlä­gen bei der Fern­seh­geld­ver­tei­lung

zu­guns­ten der klei­ne­ren Klubs ver­schickt hat­ten, lud der FC Bay­ern kürz­lich nur je­ne 14 Erst­li­gis­ten (und den Ham­bur­ger SV) an den Frank­fur­ter Flug­ha­fen, die die­ses The­sen­pa­pier nicht ge­zeich­net hat­ten.

Die Fan­grup­pie­rung be­zeich­ne­te den von Bay­ernBoss Karl-Heinz Rum­me­nig­ge ein­be­ru­fe­nen „G-15-Gip­fel“als „öf­fent­li­ches Schau­lau­fen“. Die Bot­schaft sei ge­we­sen: Wagt es nicht, das eta­blier­te Sys­tem an­zu­grei­fen. „Es ist al­le Jah­re wie­der das glei­che: Die So­li­da­ri­tät im Pro­fi­fuß­ball hört auf, so­bald

es ums Geld geht. Wenn es um den ei­ge­nen Macht­er­halt geht, in­ter­es­sie­ren die Wor­te von ges­tern nicht mehr: Klar, es kann zu Re­for­men kom­men, aber bit­te nur dann, wenn ich als di­rek­ter Ge­win­ner vom Platz ge­he.“

Die Ver­tei­lung der ab der Sai­son 2021/2022 leicht schrump­fen­den Fern­seh­gel­der gilt vie­len als Lack­mus­test, ob die Be­stre­bun­gen für ei­nen ge­rech­te­ren Wett­be­werb wirk­lich ehr­lich ge­meint sind. Denn die Me­die­n­er­lö­se bil­den – ge­ra­de bei ein­bre­chen­den Zu­schauer­und sin­ken­den Spon­so­ring­ein­nah­men in der Pan­de­mie – die ent­schei­den­de Kenn­grö­ße. Der ak­tu­el­le Macht­kampf wird mit gro­ßen Ir­ri­ta­tio­nen ver­folgt: „Wo sind sie hin, die Wor­te der De­mut, Selbst­kri­tik und Ve­rän­de­rung? Was muss denn noch pas­sie­ren, da­mit end­lich ein Um­den­ken statt­fin­det?“Bleibt al­les beim Al­ten, das könn­te die nächs­te Schluss­fol­ge­rung sein, dann braucht es auch die Task Force mit den 35 Ex­per­ten aus Po­li­tik, Me­di­en, Wirt­schaft und Fans als Fei­gen­blatt nicht mehr.

Bun­des­wei­te Fan­or­ga­ni­sa­tio­nen mit über 50 Ver­tre­tern hat­ten be­reits vor Wo­chen über ein ab­ge­stimm­tes The­sen­pa­pier im Pro­jekt „Zu­kunft Pro­fi­fuß­ball“kon­kre­te Mo­dell­rech­nun­gen für die Me­die­n­er­lö­se vor­ge­stellt. Dem­nach soll­ten al­le Ver­ei­ne ei­nen gro­ßen So­ckel­be­trag er­hal­ten, das rest­li­che Geld wür­de nach Leis­tungs­kri­te­ri­en ver­teilt, die Sprei­zung in­ner­halb ei­ner Li­ga aber ma­xi­mal 1,5 be­tra­gen.

Die von der DFL ver­ein­nahm­ten na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Me­die­n­er­lö­se wur­den ge­mein­sam be­trach­tet. Auch die ge­wal­ti­gen UE­FA-Zu­wen­dun­gen aus der Cham­pi­ons Le­age müss­ten die Top­klubs dem­nach teil­wei­se an die Li­ga wei­ter­lei­ten. Als Fol­ge hät­te der FC Bay­ern in der Sai­son 2019/2020 statt 256 Mil­lio­nen nur noch 140 Mil­lio­nen Eu­ro be­kom­men, der SC Frei­burg aber 63 statt 50 Mil­lio­nen. Rum­me­nig­ge wür­de bei der Ver­ab­schie­dung sol­cher Vor­schlä­ge ver­mut­lich di­rekt ei­ne Su­per Le­ague grün­den und die Bay­ern aus der Bun­des­li­ga ab­zie­hen.

Sol­che ra­di­ka­len An­sät­ze ge­hen selbst DFL-Boss Chris­ti­an Sei­fert viel zu weit. In­ter­es­sant nur, dass auch Wer­der Bre­mens Auf­sichts­rats­chef Mar­co Bo­de die Ver­tei­lung der Fern­seh­gel­der grund­sätz­lich an­ders se­hen möch­te. Der Ex-Na­tio­nal­spie­ler hält Kor­rek­tu­ren für „die Bran­che ins­ge­samt“für un­ver­zicht­bar, wie er am Wo­che­n­en­de sag­te: „Ich fin­de schon, dass wir al­le be­reit sein müs­sen, uns zu ver­än­dern. Ins­be­son­de­re bei den Zie­len in­te­grer Wett­be­werb, wirt­schaft­li­che Ro­bust­heit der Klubs und Iden­ti­fi­ka­ti­on zu den Fans – auch da ist et­was ka­putt ge­gan­gen oder durch die Co­ro­na-Kri­se zu­min­dest be­droht.“Das „Un­se­re-Kur­ve“-Kom­mu­ni­qué stützt seit Mon­tag die­se Ver­mu­tung.

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Fo­to: dpa/Phil­ipp von Dit­furth Kla­re For­de­run­gen stel­len He­len Breit und das Fan­bünd­nis „Un­se­re Kur­ve“in Sa­chen TV-Gel­der.
 ?? Fo­to: dpa/Frank Augstein ?? Stil­ler Ge­nie­ßer: ATP-Fi­nal­sGe­win­ner Da­niil Med­we­dew in Lon­don.
Fo­to: dpa/Frank Augstein Stil­ler Ge­nie­ßer: ATP-Fi­nal­sGe­win­ner Da­niil Med­we­dew in Lon­don.

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