Kau­der for­dert Kon­trol­le

Uni­ons­frak­ti­ons­chef will Mo­sche­en bes­ser über­wa­chen las­sen

Neue Presse - - MEINUNG & ANALYSE - VON WER­NER HER­PELL

BER­LIN. Un­mit­tel­bar vor dem Par­tei­tag der AfD hat die Uni­on ei­ne stär­ke­re Über­wa­chung ex­tre­mis­ti­scher Ak­ti­vi­tä­ten in deut­schen Mo­sche­en ver­langt. „Der Staat ist hier ge­for­dert. Er muss das kon­trol­lie­ren“, sag­te Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der (CDU) der „Ber­li­ner Zei­tung“. Er füg­te hin­zu: „Wir müs­sen dar­über re­den, dass in ei­ni­gen Mo­sche­en Pre­dig­ten ge­hal­ten wer­den, die mit un­se­rem Staats­ver­ständ­nis nicht im Ein­klang ste­hen.“

Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) wies in Potsdam dar­auf hin, dass es Mo­sche­en ge­be, „die be­reits jetzt von den Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den über­wacht wer­den, ob dort Hass­pre­di­gen statt­fin­den oder nicht“. Der baye­ri­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (CSU) sag­te: „Wir wol­len die Re­li­gi­ons­frei­heit, dass das klar ist – aber nicht den Miss­brauch.“Er hal­te Kau­ders Vor­stoß für sinn­voll. See­ho­fer füg­te hin­zu, er tre­te für deutsch­spra­chi­ge Pre­dig­ten in is­la­mi­schen Got­tes­häu­sern ein.

Die rechts­po­pu­lis­ti­sche Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) will an die­sem Wo­che­n­en­de in Stutt­gart ih­ren Kurs neu jus­tie­ren und zu­min­dest Tei­le ei­nes Grund­satz- pro­gramms be­schlie­ßen. Vor dem Tref­fen der in Um­fra­gen im Auf­wind be­find­li­chen Par­tei hat­ten AfD-Po­li­ti­ker sich un­ter an­de­rem ge­gen den Is­lam ge­wandt, weil er we­ni­ger rei­ne Re­li­gi­on sei als viel­mehr ei­nen po­li­ti­schen Macht­an­spruch ver­tre­te.

Kau­der sag­te in Ab­gren­zung zu CSU-For­de­run­gen: „Ich ver­lan­ge nicht, dass al­le Ima­me deutsch spre­chen sol­len. Das sind Schein­de­bat­ten.“Für Ita­lie­ner wer­de die Hei­li­ge Mes­se auch auf Ita­lie­nisch an­ge­bo­ten, in Sy­nago­gen wer­de auf He­brä­isch ge­be­tet. Es müs­se aber gel­ten: „Wir le­ben in ei­nem sä­ku­la­ren Staat, in dem die Re­li­gi­on nicht über dem Staat steht, son­dern um­ge­kehrt. Dar­an ha­ben sich al­le zu hal­ten, und dies müs­sen die Ver­tre­ter und die An­ge­hö­ri­gen aller Re­li­gio­nen ak­zep­tie­ren.“Der Uni­ons­frak­ti­ons­chef be­ton­te, die gro­ße Mehr­heit der Bür­ger wol­le „kei­nen Über­bie­tungs­wett­be­werb nach dem Mot­to ,Je här­ter man in der Aus­län­der­po­li­tik ist, des­to bes­ser’.“

Die Lin­ke for­der­te ein En­de des „AfD-Ähn­lich­keits­wett­be­werbs“in der Gro­ßen Ko­ali­ti­on. „Es ist kaum zu glau­ben, wie der Frak­ti­ons­chef der christ­li­chen Bun­des­tags­frak­ti­on in sei­nem Be­stre­ben, der AfD nicht den Kampf ge­gen den Is­lam zu über­las­sen, die Axt an die Gr­und­fes­te der frei­en Re­li­gi­ons­aus­übung legt“, sag­te Frak­ti­ons­vi­ze Jan Kor­te.

Un­ter­des­sen brach vor dem Par­tei­tag der Rich­tungs­streit zwi­schen AfD-Che­fin Frau­ke Pe­try und dem Thü­rin­ger Lan­des­vor­sit­zen­den Björn Hö­cke neu aus. Pe­try hat­te dem „Stern“ge­sagt: „Die AfD wird sich ent­schei­den müs­sen, wo sie hin will. Will sie ei­ne kon­ser­va­tiv-li­be­ra­le oder ei­ne na­tio­nal­kon­ser­va­tiv-so­zia­le Par-

Der Staat ist hier ge­for­dert. Er muss kon­trol­lie­ren.

Vol­ker Kau­der, CDU/CSU-Frak­ti­ons­chef

tei sein?“Hö­cke ent­geg­ne­te: „Ich se­he über­haupt kei­ne Not­wen­dig­keit für die AfD, sich grund­sätz­lich für ei­nen be­stimm­ten Kurs zu ent­schei­den.“In der „Thü­rin­ger All­ge­mei­nen“er­klär­te er wei­ter: „Im Ge­gen­teil: Die Par­tei muss sich mög­lichst breit auf­stel­len und das Bes­te aus kon­ser­va­ti­ven, li­be­ra­len und so­zia­len Tra­di­tio­nen in ei­nem neu­en Pa­trio­tis­mus ver­bin­den.“

Ge­gen Hö­cke war vor vie­len Mo­na­ten ein Par­tei­aus­schluss­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet wor­den, weil er be­haup­tet hat­te, nicht al­le NPDMit­glie­der sei­en als rechts­ex­trem ein­zu­schät­zen. Das Ver­fah­ren, das noch zu Zei­ten des Vor­sit­zen­den Bernd Lu­cke be­gon­nen wor­den war, wur­de in­zwi­schen ein­ge­stellt. Wäh­rend sich Hö­ckes Stel­lung in der Par­tei ge­fes­tigt hat, ist Pe­try im Vor­stand zu­neh­mend iso­liert.

Pe­try zeig­te sich nach wie­der- hol­ter Kri­tik am Is­lam of­fen für Ge­sprä­che mit Ver­tre­tern deut­scher Mus­lim-Ver­bän­de. „Mit­ein­an­der re­den ist wich­ti­ger als über­ein­an­der re­den“, sag­te Pe­try dem Deutschlandfunk. Der Vor­sit­zen­de des Zen­tral­rats der Mus- STUTT­GART. Spit­zen­ver­tre­ter der AfD hat­ten den Is­lam in den ver­gan­ge­nen Wo­chen als „Fremd­kör­per“und po­li­ti­sche Ideo­lo­gie be­zeich­net, die nicht mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar sei. Im Ent­wurf für ein Grund­satz­pro­gramm, das auf dem AfD-Par­tei­tag ver­ab­schie­det wer­den soll, wird ein Ver­bot des Mu­ez­zin­rufs so­wie von Mi­na­ret­ten und Bur­kas ge­for­dert.

Der Köl­ner Kar­di­nal Rai­ner Ma­ria Wo­el­ki warf der AfD-Par- li­me, Ai­man Ma­zy­ek, hat­te der AfD vor­ge­wor­fen, sie be­dro­he ei­ne gan­ze Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft in Deutsch­land. In der „Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung“lud Ma­zy­ek Pe­try zur nächs­ten Vor­stands­sit­zung sei­nes Ver­ban­des ein. tei­spit­ze vor, sie stel­le den Is­lam „in ge­häs­si­ger Ab­sicht an den Pran­ger“. Mo­sche­en sei­en in Deutsch­land ge­nau­so durch das Grund­ge­setz ge­schützt wie christliche Got­tes­häu­ser: „Wer ’Ja’ zu Kirch­tür­men sagt, der muss auch ’Ja’ sa­gen zum Mi­na­rett.“Wer die Re­li­gi­ons­frei­heit in Fra­ge stel­le, müs­se sich selbst fra­gen, ob er mit sei­nen „angst­schü­ren­den For­de­run­gen den Bo­den des Grund­ge­set­zes nicht längst ver­las­sen“ha­be.

VER­DäCH­TIG? Mus­li­me, die in ei­ner Mo­schee be­ten.

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