„Sie ha­ben sich sehr ab­ge­schot­tet“

Neue Presse - - NACHRICHTEN - VON SA­B­RI­NA FRIED­RICH

Bos­se­Born. Ge­pfleg­te Vor­gär­ten, hei­me­lig wir­ken­de Häu­ser: In Bos­se­born (Höx­ter) war die Welt noch in Ord­nung – bis ges­tern. Nach dem Be­kannt­wer­den der Er­eig­nis­se, die sich in dem Haus der Fa­mi­lie W. am Saat­weg er­eig­net ha­ben, war es vo­vor­bei mit der dörf­li­chen Ru­he.

Zahl­rei­che Ka­me­ra­teams ha­ben vor dem Ge­bäu­de Stel­lung be­zo­gen, Jour­na­lis­ten lau­fen von Haus zu Haus, um mit Nach­barn zu spre­chen.

Die An­woh­ner sind fas­sungs­lo­fas­sungs­los. Nie­mand hät­te da­mit ge­rech­ne­ge­rech­net, dass sich aus­ge­rech­net­ge­rech­net in de­dem klei­nen Dorf im We­ser­berg­land ei­ne sol­che Tat ab­spie­len könnt­könn­te. „In Bos­sen­dorf kennt man sich­sich. Wir ha­ben ei­ne ech­te Dorf­ge­mein­schaft“, sagt ei­ne 38-jäh­ri­ge Nach­ba­rin, die ih­ren Na­men nicht nen­nen möch­te. Das Paar, das die 41-jäh­ri­ge Nie­der­säch­sin in ih­rem Haus ge­fan­gen ge­hal­ten hat, ha­be al­ler­dings nie da­zu­ge­hört. „Die bei­den sind erst vor we­ni­gen Jah­ren hier­her ge­zo­gen. Sie ha­ben sich sehr ab­ge­schot­tet, nicht am dörf­li­chen Le­ben teil­ge­nom­men“, be­rich­tet die Nach­ba­rin, die schon ihr Le­ben lang in Bos­se­born wohnt.

Ähn­lich sieht es auch ei­ne 77-jäh­ri­ge Bos­se­bor­ne­rin, die ein paar Häu­ser wei­ter lebt. „Wann im­mer die Frau vor die Tür ge­kom­men ist, ist sie so­fort ins Haus zu­rück­ge­kehrt, so­bald sie je­mand an­de­ren ge­se­hen hat“, er­in­nert sie sich.

Schon dass Haus des Paa­res will nicht recht in die Nach­bar­schaft pas­sen. Der Putz brö­ckelt. Vor den Fens­ter hän­gen löch­ri­ge Flie­gen­git­ter. Der Gar­ten ist ver­wil­dert, es hat sich of­fen­bar schon lan­ge nie­mand mehr dar­um ge­küm­mert. Die Tü­ren sind von der Po­li­zei ver­sie­gelt. Die Fens­ter von in­nen ver­ram­melt. Aus ei­nem An­bau, der wie ein Stall wirkt, zieht ein un­an­ge­nehm süß­li­cher Ge­ruch. „Das hat hier in der Ge­gend auch vie­le ge­stört, die an­de­ren An­woh­ner ge­ben sich Mü­he und die las­sen hier al­les ver­fal­len“, be­schwert sich ein Pas­sant.

Da­von, dass in dem Haus des Paa­res ei­ne Frau ge­fan­gen ge­hal­ten wur­de, ha­ben die Nach­ba­rin­nen nichts mit­be­kom­men. Sie hat­ten nie ei­nen Ver­dacht, dass „so et­was in dem Haus vor sich ge­hen könn­te“.

An­ders als an­de­re ih­rer Nach­barn. Ei­ner von ih­nen be­rich­tet ei­nem Ka­me­ra­team, dass er vor kur­zer Zeit ge­se­hen ha­be, dass das Paar ei­ne Frau da­zu ge­zwun­gen ha­be, in ihr Au­to zu stei­gen. Die Frau ha­be sich ge­wehrt, sich dann aber doch ge­fügt. Der Po­li­zei ge­mel­det ha­be er den Vor­fall aber nicht.

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