Steg­ner: Buß­geld bei La­den­dieb­stäh­len

Neue Presse - - NACHRICHTEN - VON DIE­TER WON­KA

Ber­lin. Die SPD will die Po­li­zei bei Ba­ga­tell­de­lik­ten ent­las­ten: So soll es et­wa bei La­den­dieb­stäh­len Buß­geld­ver­fah­ren ge­ben – statt der üb­li­chen staats­an­walt­li­chen Er­mitt­lungs­ver­fah­ren.

Bis­her wer­de ein ho­her bü­ro­kra­ti­scher Auf­wand be­trie­ben, ob­wohl die Straf­ver­fah­ren am En­de häu­fig ein­ge­stellt wür­den, ar­gu­men­tiert SPD-Vi­ze­chef Ralf Steg­ner: „Wir soll­ten prü­fen, ob stan­dar­di­sier­te Ver­fah­ren bei Dieb­stäh­len ge­ring­wer­ti­ger Wa­ren – ähn­lich wie Buß­gel­der bei Ver­kehrs­de­lik­ten oder beim Schwarz­fah­ren – die Po­li­zei ent­las­ten und beim Dieb zu wir­kungs­vol­ler Be­stra­fung füh- ren könn­ten.“Klei­ne Dieb­stäh­le sei­en nicht nur für La­den­be­sit­zer höchst är­ger­lich, son­dern für die Po­li­zei auch mit viel Ar­beit ver­bun­den, die vie­le Po­li­zei­kräf­te bin­de, sag­te Steg­ner dem Re­dak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land. „Im Er­geb­nis wer­den Ver­fah­ren häu­fig oh­ne Stra­fe ein­ge­stellt und blei­ben so für den Dieb oh­ne Fol­ge.“

Der Han­del wehrt sich je­doch da­ge­gen, La­den­dieb­stahl als „Ka­va­liers­de­likt“zu be­han­deln. Nach ei­ner Stu­die des Han­dels­for­schungs­in­sti­tuts EHI gibt es bun­des­weit jähr­lich rund 26 Mil­lio­nen La­den­dieb­stäh­le. Da­durch ist dem Ein­zel­han­del 2014 ein Scha­den von 2,1 Mil­li­ar­den Eu­ro ent­stan­den. Laut Kri­mi­nals­ta- tis­tik ist die Zahl der an­ge­zeig­ten La­den­dieb­stäh­le 2014 im Ver­gleich zum Vor­jahr um 2,6 Pro­zent auf 365 373 Fäl­le ge­stie­gen.

Bei der Ge­werk­schaft der Po­li­zei sieht man Steg­ners Vor­stoß mit gro­ßer Skep­sis. GdP-Rechts­ex­per­te Sa­scha Braun warn­te: „Auch um Buß­geld­ver­fah­ren rechts­staat­lich sau­ber ab­zu­ar­bei­ten, muss ein Dieb­stahl als sol­cher durch Po­li­zei­be­am­te auf­ge­nom­men wer­den.“Die Ent­las­tung ent­stün­de eher im Be­reich der Jus­tiz. „Die Tat­ver­däch­ti­gen zu er­fas­sen ist auch des­halb not­wen­dig, weil nur so or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät durch Mehr­fach­tä­ter er­kannt wer­den kann.“

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