So hoch ist das Ri­si­ko für Ein­bre­cher

Sta­tis­tik zeigt: Auf­klä­rungs­quo­ten in Nie­der­sach­sen schwan­ken er­heb­lich

Neue Presse - - NACHRICHTEN - VON DIRK ALTWIG

Han­no­ver. Wie groß ist die Ge­fahr für Ein­bre­cher, in Nie­der­sach­sen er­wischt zu wer­den? Ei­ne Sta­tis­tik des In­nen­mi­nis­te­ri­ums zeigt jetzt be­mer­kens­wer­te Un­ter­schie­de bei der Auf­klä­rungs­quo­te.

Im Lan­des­schnitt wur­den 2015 ex­akt 22,21 Pro­zent aller Ein­brü­che auf­ge­klärt. Die Zahl ist rück­läu­fig. 2014 wa­ren es 24,59 Pro­zent, 2013 noch 26,44 Pro­zent.

Be­son­ders er­folg­reich ist die Po­li­zei im Land­kreis Au­rich. Dort wur­den im ver­gan­gen Jahr 39,15 Pro­zent der Ein­brü­che ge­klärt. Am an­de­ren En­de der Ska­la steht der Land­kreis Wol­fen­büt­tel, dort wur­den in 5,33 Pro­zent der Ein­brü­che die Tä­ter er­mit­telt – das ist lan­des­weit die schlech­tes­te Auf­klä­rungs­quo­te der ver­gan­ge­nen drei Jah­re. Die Re­gi­on Han­no­ver liegt mit 25,77 Pro­zent noch bes­ser als im Lan­des­schnitt (sie­he Ta­bel­le rechts).

Die Zah­len hat das In­nen­mi­nis­te­ri­um jetzt auf An­fra­ge der FDP ver­öf­fent­licht. Jan-Chris­toph Oet­jen, in­nen­po­li­ti­scher Spre­cher der FDP-Land­tags­frak­ti­on, führt die Rück­gän­ge bei den Auf­klä­rungs­quo­ten auf Per­so­nal­man­gel bei der Po­li­zei zu­rück. „Die Er­fah­rung zeigt, dort wo es be­son­de­re Er­mitt­lungs­grup­pen gibt, lässt sich die Auf­klä­rungs­quo­te nach oben drü­cken.“Da­für müs­se es aber auch ge­nü­gend Be­am­te ge­ben, die ganz alt­mo­disch von Tür zu Tür ge­hen könn­ten, um mög­li­che Zeu­gen zu su­chen. Er ha­be aber von Po­li­zei­dienst­stel­len ge­hört, die er­folg­rei­che Er­mitt­lungs­grup­pen auf­lö­sen muss­ten, um sich um an­de­re Fäl­le zu küm­mern. Au­ßer­dem daue­re es oft­mals zu lan­ge, bis Spu- ren auf DNA-Ma­te­ri­al un­ter­sucht wür­den.

Diet­mar Schilff, Lan­des­vor­sit­zen­der der Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP), be­kräf­tigt die For­de­rung nach mehr Per­so­nal. Es sei falsch, wenn das In­nen­mi­nis­te­ri­um ge­le­gent­lich den Ein­druck er­we­cke, die Auf­klä­rungs­quo­te ha­be mit der Zahl der Be­am­ten nichts zu tun. Schilff: „Na­tür­lich hilft es, wenn nachts auch Zi­vil­strei­fen un­ter­wegs sein kön­nen.“

Schilff merkt an, dass für die Schwan­kun­gen bei den Auf­klä­rungs­quo­ten ver­schie­den Fak­to­ren ver­ant­wort­lich sein kön­nen. Et­wa, ob ein Tä­ter ge­fasst wird, der für ei­ne gan­ze Se­rie von Ein­brü­chen ver­ant­wort­lich ist – oder ob so ein Se­ri­en­tä­ter eben nicht er­wischt wird.

In der schrift­li­chen Ant­wort für die FDP be­tont das In­nen­mi­nis­te­ri­um, wie wich­tig Vor­beu­gung ist, et­wa mit ge­si­cher­ten Tü­ren und Fens­tern. Fast 40 Pro­zent aller Ein­brü­che wür­den als Ver­such en­den. Mit 22,2 Pro­zent lie­ge die Auf­klä­rungs­quo­te in Nie­der­sach­sen über dem Bun­des­schnitt von 16 Pro­zent. Au­ßer­dem kün­digt Mi­nis­ter Bo­ris Pistorius (SPD) an, dass DNA-Spu­ren im Lan­des­kri­mi­nal­amt künf­tig schnel­ler be­ar­bei­tet wer­den sol­len. Für rund 260 000 Eu­ro wird zu­sätz­li­che Tech­nik an­ge­schafft.

Mit 5,33 Pro­zent auf­ge­klär­ter Ein­brü­che hat die Po­li­zei im Land­kreis Wol­fen­büt­tel lan­des­weit die schlech­tes­te Auf­klä­rungs­quo­te der ver­gan­ge­nen drei Jah­re. Dort fällt au­ßer­dem auf, dass die Quo­te in­ner­halb ei­nes Jah­res von 19,88 auf 5,33 Pro­zent ein­ge­bro­chen ist. Die Zahl der Fäl­le ist da­ge­gen prak­tisch gleich ge­blie­ben.

Die Wol­fen­büt­te­ler Po­li­zei be­wer­tet die Zah­len so: An­ders als in den Vor­jah­ren ha­be man „nicht den durch­grei­fen­den Er­folg“ge­habt. Da­für ge­be es ei­ne Viel­zahl von Grün­den, un­ter an­de­rem das Auf­tre­ten „in­ter­na­tio­na­ler Ban­den“.

Spre­cher Rai­ner Rasch­ke nennt al­ler­dings auch Grün­de, die bei der Be­hör­de sel­ber lie­gen. Es ge­be Qu­el­le: In­nen­mi­nis­te­ri­um

zwar kei­nen Per­so­nal­man­gel, die Po­li­zei in Wol­fen­büt­tel sei aber „in ei­ner Pha­se des Um­bruchs“. Vie­le Kol­le­gen sei­en in Ru­he­stand ge­gan­gen, da­für jun­ge Po­li­zis­ten nach­ge­rückt, de­nen es noch an Be­rufs­er­fah­rung feh­le. „Das muss erst wach­sen“, so der Be­hör­den­spre­cher.

DAS RI­SI­KO STEIGT: 16 575 Woh­nungs­ein­brü­che hat es laut Kri­mi­na­li­täts­sta­tis­tik im ver­gan­ge­nen Jahr ge­ge­ben – ein Zu­wachs um 13,1 Pro­zent.

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