Stoppt Wild­kat­ze Tras­sen­bau?

Pla­nun­gen für Bar­sin­g­hau­sen wa­ckeln – Wun­storf be­sorgt

Neue Presse - - HANNOVER - Mor­gen für Sie von 13 bis 14 Uhr am Le­ser­te­le­fon: 05 11/51 01 22 78. VON A. KRASSELT

BAR­SIN­G­HAU­SEN. Wenn die Bahn neue Schie­nen ver­le­gen will, regt sich fast au­to­ma­tisch Wi­der­stand. Ak­tu­ell sor­gen Plä­ne ei­ner neu­en ICE-Tras­se zwi­schen Han­no­ver und Bielefeld ins­be­son­de­re im Raum Bar­sin­g­hau­sen für Wir­bel. Chan­cen, die Plä­ne zu stop­pen, hat die Wild­kat­ze.

And­ree Bal­lin ist Jä­ger. In sei­nem Re­vier zwi­schen De­densen und Os­termun­zel war er auch als Fal­len­stel­ler un­ter­wegs, al­ler­dings nur, bis ihm ei­ne Wild­kat­ze hin­ein ge­riet. Die ließ er – wie an­de­re Tie­re – wie­der lau­fen, Kas­ten­fal­len hat er seit­dem ver­bannt, Fo­to­fal­len nicht. Und schon mehr­fach sind ih­mWild­kat­zen vor die nächt­li­che Lin­se ge­ra­ten. Wild­kat­zen sind nach eu­ro­päi­schen Richt­li­ni­en ei­ne streng ge­schütz­te Art.

Bal­lins Re­vier aber liegt ge­nau dort, wo auch die neue ICETras­se ver­lau­fen soll. Theo­re­tisch ei­ne To­des­fal­le für Tie­re. „Die Wild­kat­zen gibt es hier we­nigs­tens seit 2009“, sagt Bal­lin. „Und sie durch­strei­fen ein Ge­biet von 40 Ki­lo­me­tern im Durch­mes­ser.“

Die An­lie­ger der ge­plan­ten Tras­se sind von den Plä­nen über- rascht wor­den, zu­mal ein ähn­li­ches Pro­jekt frü­her ein­mal aus Kos­ten­grün­den ge­stoppt wor­den war. Doch auch das neue Pro­jekt steckt noch halb in der Schub­la­de. Es ge­hört zum Re­fe­ren­ten­ent­wurf des Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plans 2030, in dem die­se Tras­se in den vor­dring­li­chen Be­darf ein­ge­stuft wer­den soll. Der­zeit läuft das ers­te von meh­re­ren Be­tei­li­gungs­ver­fah­ren. Noch bis zum 2. Mai kön­nen Bür­ger und Kom­mu­nen Ein­wän­de ein­rei­chen.

Die Stadt Bar­sin­g­hau­sen et­wa macht in ih­rer Stel­lung­nah­me kei­nen Hehl aus ih­rer Ab­leh­nung. Ne­ben Lärm- und Schad­stoff­be­las­tun­gen für die Bür­ger oder Be­den­ken hin­sicht­lich ei­nes von der Tras­se ge­streif­ten Trink­was­ser­schutz­ge­bie­tes bringt die Stadt auch um­welt­po­li­ti­sche Ar­gu­men­te ins Spiel wie et­wa Le­bens­räu­me ge­schütz­ter Brut­vö­gel und an­de­rer Ar­ten.

Als Al­ter­na­ti­ve schlägt Bar­sin­g­hau­sen ei­ne Ver­le­gung der Tras­se auf Wun­stor­fer Ge­biet vor. Was wie­der­um den dor­ti­gen Bür­ger­meis­ter Rol­fA­xel Eber­hardt schäu­men lässt: „So kann man mit ei­ner Nach­bar­kom­mu­ne nicht um­ge­hen“, wet­ter­te er.

Die Wild­kat­ze aber tum­melt sich eher et­was süd­li­cher. Im Wald rund um Has­te (Bad Nenn­dorf) ist sie seit 2013 nach­ge­wie­sen. „Und im Deis­ter ist sie seit Lan­gem eta­bliert“, weiß Wild­kat­zen­ex­per­tin Andrea Krug vom Bund. Und ja, ein sol­ches Vor­kom­men ei­ner streng ge­schütz­ten Art kön­ne auch den Schie­nen­bau stop­pen. „Prin­zi­pi­ell wirkt ei­ne sol­che Tras­se als Bar­rie­re“, be­tont Krug. Al­ler­dings ge­be es tech­ni­sche Lö­sun­gen für das Pro­blem, et­wa ei­ne Auf­stän­de­rung der Tras­se oder Que­rungs­hil­fen.

Das aber dürf­te den Bau teu­rer wer­den las­sen. Und ein Ar­gu­ment Bar­sin­g­hau­sens ge­gen die Tras­se ist das oh­ne­hin schon schwa­che Kos­ten-Nut­zen-Ver­hält­nis. Der Bund ar­bei­tet der­zeit an ei­ner Stel­lung­nah­me zum Bun­des­ver­kehrs­we­ge­plan, wird dar­in aber nicht spe­zi­ell auf die ICETras­se ein­ge­hen. Ein­wän­de wür­den aber wohl im Rah­men ei­nes Pl­an­fest­stel­lungs­ver­fah­rens fol­gen. Ob es da­zu über­haupt kommt, muss sich zei­gen. Die Bahn ha­be noch an­de­re Op­tio­nen, heißt es.

Fo­tos: Dil­len­berg/Pri­vat

PRO­TEST: Bar­sin­g­hau­sen will die Tras­se nicht. Die Ent­de­ckung von And­ree Bal­lin, hier mit dem be­stell­ten Jagd­auf­se­her Er­win Sys­ka, könn­te den Bau ver­hin­dern.

GE­FAN­GEN: Die­se Wild­kat­ze ist in ei­ne der Fal­len ge­ra­ten. Sie wur­de an­schlie­ßend frei­ge­las­sen.

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