Drit­te Lan­des­be­hör­de im Vi­sier

Ra­batt-Af­fä­re: Er­mitt­lun­gen ge­gen Eich­amt-Mit­ar­bei­ter. Ge­feu­er­te Po­li­zei-Frau kämpft vor Ge­richt.

Neue Presse - - HANNOVER - VON ANDRE­AS KÖRLIN

HAN­NO­VER. Wei­te­re Be­hör­de im Vi­sier: Die Staats­an­walt­schaft Han­no­ver er­mit­telt we­gen des Ver­dachts der Vor­teils­an­nah­me auch ge­gen „ei­ne Per­son“, die im Mes­sund Eich­we­sen Nie­der­sach­sen (MEN, Goe­the­s­tra­ße) be­schäf­tigt ist. Das be­stä­tig­te ges­tern An­na Ta­fel­ski, Spre­che­rin der Staats­an­walt­schaft, auf NP-An­fra­ge. Da­mit steigt die Zahl der Be­schul­dig­ten in der so­ge­nann­ten Ra­batt-Af­fä­re auf 37.

Bis­her wur­de seit En­de Fe­bru­ar ge­gen 35 Be­am­te und An­ge­stell­te der Po­li­zei­di­rek­ti­on Han­no­ver (3600 Mit­ar­bei­ter) und der Zen­tra­len Po­li­zei­di­rek­ti­on Nie­der­sach­sen (List, 2300 Mit­ar­bei­ter) so­wie ge­gen ei­nen Au­to­werk­statt­be­sit­zer er­mit­telt. Der Mann – der frü­her auch in of­fi­zi­el­lem Auf­trag Funk­strei­fen re­pa­rier­te – soll Po­li­zis­ten für pri­va­te Re­pa­ra­tu­ren klei- ne­re Ra­bat­te ge­währt ha­ben. Laut Staats­an­walt­schaft han­delt es sich bei den Ra­bat­ten – ins­ge­samt soll es um rund 2000 Eu­ro ge­hen – meist um ge­rin­ge Sum­men, die an der un­te­ren Gren­ze des mög­li­cher­wei­se straf­ba­ren Be­reichs lie­gen.

Staats­an­wäl­tin Ta­fel­ski: „Der­zeit ha­ben wir kei­ne Hin­wei­se, dass über den bis­her er­mit­tel­ten Per­so­nen­kreis hin­aus wei­te­re Mit­ar­bei­ter an­de­rer öf­fent­li­cher Ein­rich­tun­gen Ra­bat­te er­hal­ten ha­ben.“

In­zwi­schen be­schäf­tigt die Af­fä­re auch das Ar­beits­ge­richt. Dort kämpft ei­ne An­ge­stell­te der Po­li­zei­di­rek­ti­on ge­gen ih­re frist­lo­se Kün­di­gung. Die Be­hör­de hat­te am 9. März ei­ne so­ge­nann­te Ver­dachts­kün­di­gung aus­ge­spro­chen. Grün­de: Ver­dacht auf Ver­let­zung von Di­enst­ge­heim­nis­sen und Ver­dacht auf Vor­teils­an­nah­me.

Hin­ter­grund: Po­li­zis­ten hat­ten bei ei­ner Durch­su­chung der be­trof­fe­nen Werk­statt ein Be­hör­den­pa- pier mit hand­schrift­li­chen No­ti­zen der Frau ent­deckt. Au­ßer­dem soll der Be­sit­zer der Werk­statt in meh­re­ren Jah­ren zu­sam­men 159,36 Eu­ro Ra­batt für pri­va­te Kfz-Re­pa­ra­tu­ren ge­währt ha­ben.

Der Ver­tre­ter der Po­li­zei­di­rek­ti­on sprach von ei­ner „er­drü­cken­den Ver­dachts­la­ge“. Mar­kus Wie­se, An­walt der Be­schul­dig­ten, die seit 2002 bei der Po­li­zei ar­bei­tet, hielt da­ge­gen: „Das Pa­pier ist ein Nichts und frei zu­gäng­lich im In­ter­net.“Die Rech­nun­gen sei­en auf den Ehe­mann sei­ner Man­dan­tin aus­ge­stellt wor­den. Und über­haupt: „Es hat doch je­der die­se Pro­zen­te be­kom­men.“Er kön­ne 150 Rech­nun­gen von 30 an­de­ren Mit­ar­bei­tern der Po­li­zei vor­le­gen, die Ra­bat­te be­kom­men hät­ten.

Beim Gü­te­ter­min schlug Rich­te­rin Syl­via Bit­tens vor, die frist­lo­se in ei­ne frist­ge­rech­te Kün­di­gung zum 31. Au­gust um­zu­wan­deln – die Be­denk­zeit en­det am 6. Mai.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.