Be­wäh­rung für Mes­ser­ste­cher

Nach ei­ner Gar­ten­par­ty streckt 22-Jäh­ri­ger zwei Brü­der nie­der

Neue Presse - - HANNOVER - VON THO­MAS NA­GEL

HAN­NO­VER. Al­ko­hol und Frau­en: Die­se Mi­schung hat schon so man­chen Mann um den Ver­stand ge­bracht. Lu­kas E. (22) hät­te sie fast ins Ge­fäng­nis ge­führt. Ges­tern wur­de der jun­ge Mann we­gen ge­fähr­li­cher Kör­per­ver­let­zung zu ei­nem Jahr und zehn Mo­na­ten Haft auf Be­wäh­rung ver­ur­teilt. Auf der An­kla­ge­bank im Schöf­fen­ge­richt sitzt ein Schwie­ger­mut­ter­t­raum: Sei­ten­schei­tel, mo­di­sche Bril­le, ma­kel­lo­ses Ge­sicht. Doch der Schein trügt. Das Straf­re­gis­ter von Lu­kas E. weist fünf Ju­gend­stra­fen auf: Dieb­stahl, Dro­gen­han­del und Fah­ren oh­ne Füh­rer­schein.

Das ist nichts im Ver­gleich mit der gest­ri­gen An­kla­ge. Am 6. Ju­ni 2015 fei­er­te er in der Klein­gar­ten­ko­lo­nie am Ro­sen­busch­weg (Ah­lem). Aus­drück­lich nicht ein­ge­la­den wa­ren zwei Brü­der (20 und 23 Jah­re alt). Ei­ner der un­ge­be­te­nen Gäs­te war zu­vor mit der Freun­din des An­ge­klag­ten li­iert ge­we­sen, und aus­ge­rech­net sie brach­te das Brü­der­paar mit. Ge­gen 1.50 Uhr es­ka­lier­te die Si­tua­ti­on. Lu­kas E. streck­te mit ei­nem Flei­scher­mes­ser die Brü­der nie­der. „Ein Stich ver­fehl­te nur knapp das Herz mei­nes Man­dan­ten“, sagt Op­fer­an­walt Mat­thi­as Wald­raff. Der An­ge­klag­te sag­te, dass er zu­erst mit ei­ner Bier­fla­sche auf den Kopf ge­schla­gen wor­den sei und in Not­wehr ge­han­delt ha­be. Doch sei­ne da­ma­li­ge Freun­din er­klär­te, dass E. zu­erst zu­ge­sto­chen ha­be. Er hat­te 1,5 Pro­mil­le im Blut, sei­ne Op­fer 2,6 be­zie­hungs­wei­se 1,5 Pro­mil­le.

Doch ge­ra­de die Freun­din war es, die den An­ge­klag­ten vor der Schwur­ge­richts­kam­mer be­wahr­te. Sie mein­te, dass ihr Freund von sich aus mit der Mes­ser­at­ta­cke auf­ge­hört ha­be. Die Staats­an­walt­schaft be­wer­te­te das als frei­wil­li­gen Rück­tritt vom ver­such­ten Tot­schlag. Rich­ter Burk­hard Litt­ger: „Auch Ih­re Al­ko­ho­li­sie­rung wirkt sich straf­mil­dernd aus.“Lu­kas E. muss je 2000 Eu­ro Schmer­zens­geld an die Op­fer zah­len. An­walt Wald­raff mein­te nur, dass es da­bei nicht blei­ben wer­de.

DIE TAT­WAF­FE: Mit die­sem Mes­ser wur­de das Brü­der­paar in der Klein­gar­ten­ko­lo­nie nie­der­ge­streckt.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.