Der Re­gie­rungs­ma­na­ger Wei­se ist jetzt auf dem Rück­zug

Neue Presse - - MEINUNG & ANALYSE - VON DIE­TER WON­KA

Frank-Jür­gen Wei­se bringt vie­les von dem mit, was sich Po­li­ti­ker für ei­ne gu­te Kar­rie­re wün­schen. Er ist ein Ma­cher, schert sich we­nig um die läh­men­de For­mel „Das ha­ben wir schon im­mer so ge­macht“. Er ist bei der Bun­des­wehr ge­schult und auch des­halb bul­lig und ro­bust. Und vor al­lem bleibt Deutsch­lands be­kann­tes­ter Ver­wal­tungs­ma­na­ger auch dann von sich und sei­nem Op­ti­mis­mus über­zeugt, wenn es ein­mal nicht so läuft wie ge­dacht.

Der 1951 im säch­si­schen Ra­de­beul ge­bo­re­ne Re­gie­rungs­ma­na­ger hat jetzt an­ge­kün­digt, ge­gen En­de die­ses Jah­res sei­nen Kurz­zeit-Auf- trag als Chef­or­ga­ni­sa­tor des Bun­des­am­tes für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge auf­zu­ge­ben. Und im Jahr dar­auf will er sich auch, plan­mä­ßig, von sei­nem Amt als Chef der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) zu­rück­zie­hen.

Dort war Wei­se, nach Jah­ren der ver­krus­te­ten Be­am­ten­wirt­schaft, die kon­ge­nia­le Er­gän­zung zur Agen­da 2010 bei den Nürn­ber­ger Ar­beits­markt­ver­mitt­lern ge­lun­gen. Die BA ist mit ihm aus den ne­ga­ti­ven Schlag­zei­len her­aus­ge­kom­men. Ne­ben­bei fand der ge­lern­te Wirt­schafts- und Fi­nanz­ma­na­ger auch noch Zeit, ein in man­cher Au­gen rich­tungs­wei­sen­des Kon­zept zur Struk­tur­mo­der­ni­sie­rung der Bun­des­wehr zu ent­wi­ckeln. Als im Ok­to­ber 2015 die Flücht­lings­pro­ble­ma­tik auch das deut­sche Ver­wal­tungs­we­sen an sei­ne Gren­zen brach­te, war der Blick ei­ner rat­los wir­ken­den Re­gie­rung bei der Su­che nach ei­nem Not­fall-Ret­ter bei­na­he zwangs­läu­fig auf Wei­se ge­fal­len, da die­ser sich selbst oft und gern als „Rück­stands­ma­na­ger“sieht. Vie­les ist seit­dem im BAMF-Ap­pa­rat bes­ser ge­wor­den: Per­so­nal, Fall­be­ar­bei­tung und Mo­der­ni­sie­rung des Ent­schei­dungs­we­sens sind Wei­seAuf­ga­ben, die den Re­ser­ve­of­fi­zier der Bun­des­wehr ge­ra­de­zu her­aus­for­dern, um der stau­nen­den Po­li­tik­welt zu zei­gen, was al­les mög­lich ist.

Sol­che Ty­pen ge­fal­len nicht al­len. Aber klar ist, dass ei­ne Re­al­po­li­ti­ke­rin wie An­ge­la Mer­kel lie­bend ger­ne auf der­ar­ti­ge Of­fi­zie­re im Ma­schi­nen­raum zu­rück­greift. Wenn es nach ihr ge­gan­gen wä­re, hät­te Wei­se wohl schon längst in ih­rem Bun­des­ka­bi­nett Platz ge­nom­men. Das hat nie ge­klappt, vi­el­leicht auch des­halb, weil ein Ka­bi­netts­mit­glied Wei­se an­de­re, eher zö­ger­li­che Kol­le­gen, un­ter Leis­tungs­druck ge­setzt hät­te.

Er wer­de ge­hen, vi­el­leicht auch schon frü­her, weil er das Ge­fühl ha­be, das meis­te sei „ge­re­gelt“, meint Wei­se. Von sol­chen Ab­gän­gen träu­men vie­le in der Po­li­tik nur.

* 8.Ok­to­ber 1951 in Ra­de­beul. 2005 Vor­stands­vor­sit­zen­der der Bun­des­agen­tur für Ar­beit. 2015 Lei­ter des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge.

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