Wie ver­lernt man die Schä­big­keit?

Neue Presse - - MEINUNG & ANALYSE -

Der Bun­des­in­nen­mi­nis­ter macht ei­ne „Teil­ver­ro­hung“der Ge­sell­schaft aus. Da hat Tho­mas de Mai­ziè­re si­cher recht. Die Fra­ge ist nur, wie man aus ver­roh­ten Leu­ten wie­der zi­vi­li­sier­te Men­schen macht? Wie soll man Bür­gern Wer­te wie An­stand, Rück­sicht, Men­sch­lich­keit, aber auch To­le­ranz und Em­pa­thie bei­brin­gen, wenn sie sie nicht ge­lernt ha­ben oder wenn sie ih­nen am Al­ler­wer­tes­ten vor­bei­geht? Oder noch schlim­mer: Wenn sie mei­nen, sie hät­ten das Recht da­zu, sich wie die Axt im Wal­de zu be­neh­men?

Die Mo­ti­va­tio­nen mö­gen un­ter­schied­lich sein – doch Schä­big­keit, feh­len­des Scham­ge­fühl und aso­zia­les Ver­hal­ten ha­ben im­mer die sel­ben Frat­zen: Der Gaf­fer, der vom schwer­ver­letz­ten Un­fall­op­fer noch ein Fo­to auf­neh­men will. Der ag­gres­si­ve Be­trun­ke­ne, der Sa­ni­tä­ter und Ärz­te an­greift, die ihm hel­fen wol­len. Die gei­fern­de Rent­ne­rin, die sich vor Flücht­lings­hei­me stellt und vor Krieg und Ter­ror ge­flo­he­ne Men­schen als Schma­rot­zer be­schimpft. Der ver­na­gel­te Typ aus dem schwar­zen Block, der St­ei­ne auf Men­schen in Uni­form wirft, weil sie den ver­meint­li­chen „Po­li­zei­staat“sym­bo­li­sie­ren. Die vie­len Nut­zer der so­zia­len Me­di­en, die An­ders­den­ken­de an­onym be­dro­hen – so wie ZDF-Mo­de­ra­to­rin Dun­ja Ha­ya­li, der Ver­ge­wal­ti­gun­gen ge­wünscht wer­den.

Es wird Zeit für Ur­sa­chen­for­schung der Ver­ro­hung. Und es wird Zeit für po­si­ti­ve Vor­bil­der. Kon­struk­ti­ve kri­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zun­gen et­wa sind das ei­ne, po­pu­lis­ti­sches Ge­schrei – wie so oft in der Po­li­tik – das an­de­re. De Mai­ziè­re & Co. könn­ten schon mal bei sich an­fan­gen. 4

Im Fo­kus Die­ter Won­ka

Im Fo­kus Pe­tra rückerl

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