Der Kurs bleibt un­klar

Neue Presse - - MEINUNG & ANALYSE -

Ei­ne Tor­te ins Ge­sicht von Sah­ra Wa­genk­necht zu schmei­ßen er­setzt kei­ne po­li­ti­sche Dis­kus­si­on. Die Ak­ti­vis­ten, die Wa­genk­necht ein Bä­cke­rei­pro­dukt ins Ge­sicht knall­ten, wer­den sich ei­ne Straf­an­zei­ge ein­han­deln. Der Lin­ken hat die Auf­re­gung über den Stö­rer aber auf ih­rem Mag­de­bur­ger Par­tei­tag ei­ne of­fe­ne und scho­nungs­lo­se Ana­ly­se der ei­ge­nen La­ge er­spart. Die in vie­len po­li­ti­schen und stra­te­gi­schen Fra­gen un­ei­ni­ge Par­tei- und Frak­ti­ons­spit­ze nutz­te die Ge­le­gen­heit, um de­mons­tra­tiv die Rei­hen zu schlie­ßen. Wie an­ge­sichts der Kon­kur­renz durch die AfD die ei­ge­ne Rol­le als Pro­test­par­tei in die Zukunft ge­ret­tet, zu­gleich der Wäh­ler­wech­sel von links nach rechts ge­stoppt und ne­ben­bei noch die Rol­le ei­nes ver­läss­li­chen Part­ners in ei­nem mög­li­chen rot-rot-grü­nen La­ger sta­bi­li­siert wer­den kann, bleibt vor­erst das Ge­heim­nis der Par­tei­füh­rung. Die Par­tei wird we­der den von au­ßen nör­geln­den Links-So­zi­al­de­mo­kra­ten Gre­gor Gy­si los, noch die in der Flücht­lings­fra­ge mit Stamm­tisch­kon­takt ar­gu­men­tie­ren­de Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Wa­genk­necht. Bei­de po­li­ti­sche Li­ni­en aber pas­sen nicht zu­sam­men. Die ge­for­der­te Hal­tung zu be­wah­ren hie­ße eben auch, Li­nie zu hal­ten und Ver­läss­lich­keit im po­li­ti­schen Be­trieb zu ga­ran­tie­ren. Das schafft ein lin­kes Kon­glo­me­rat nicht, das heu­te nach Be­darf so tut, als sei man wi­der­stän­di­ge Re­vo­lu­ti­ons­trup­pe und Ra­me­low-Re­gie­rungs­mann­schaft in ei­nem. Die Füh­rungs­spit­ze der Lin­ken hat bei ih­rer Wie­der­wahl na­he­zu kol­lek­tiv ei­nen Dämp­fer er­hal­ten. Das zeigt, es ist noch im­mer ge­hö­rig Druck im Kes­sel. Es ist ein we­nig na­iv, aus­ge­rech­net in die­ser Pha­se der ei­ge­nen Un­ord­nung nach Ge­werk­schafts­hil­fe zu ru­fen, um doch noch ein lin­kes La­ger für die nächs­te Bun­des­tags­wahl zu or­ga­ni­sie­ren. Das kann nur ge­lin­gen, wenn die Be­tei­lig­ten ehr­lich ge­gen­über sich selbst sind und ih­ren ei­ge­nen Kurs klä­ren.

Trau­en Sie uns zu, dass wir nicht ganz so blöd sind, wie man glaubt.

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