Boateng und die AfD-Ma­sche

Der ei­ne pro­vo­ziert, die an­de­re be­schwich­tigt. Tau­sen­de so­li­da­ri­sie­ren sich mit Fuß­bal­ler.

Neue Presse - - NACHRICHTE­N - VON TIM BRAU­NE

BeR­lin. Es sind nur ein paar St­un­den, bis die AfD-Füh­rung auf ih­re alt­be­währ­te Ma­sche zu­rück­greift. Als im Netz un­ter dem Schlag­wort „Nach­bar“die Em­pö­rung über AfDVi­ze Alex­an­der Gau­land zum Shits­torm an­schwillt, mel­det sich Frau­ke Pe­try zum ers­ten Mal an die­sem Sonn­tag zu Wort. Um 10.04 Uhr twit­tert die AfD-Che­fin: „Je­ro­me Boateng ist ein Klas­se-Fuß­bal­ler und zu Recht Teil der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft. Ich freue mich auf die EM.“

Zu­vor hat­te die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“(FAS) Gau­land so zi­tiert: „Die Leu­te fin­den ihn als Fuß­ball­spie­ler gut. Aber sie wol­len Boateng nicht als Nach­barn ha­ben.“So läuft das bei den Rechts­po­pu­lis­ten seit Aus­bruch der Flücht­lings­kri­se oft. Ei­ner pro­vo­ziert mit schrägen oder frem­den­feind­li­chen An­sich­ten, schon greift die Par­tei­spit­ze ver­meint­lich be­schwich­ti­gend ein. „Ty­pi­sches Mus­ter AfD: be­lei­di­gen, pro­vo­zie­ren – spä­ter dann re­la­ti­vie­ren“, meint CDU-Vi­ze Ju­lia Klöck­ner da­zu.

Auch der SPD-Po­li­ti­ker Ralf Steg­ner er­kennt ei­ne Stra­te­gie: „Gol­de­ne Rechts­po­pu­lis­ten­re­gel: Pro­vo­ka­ti­on, De­bat­te, Rück­zug, ‚War nicht so ge­meint‘.“Gau­land (75), Ju­rist, Pu­bli­zist, jahr­zehn­te­lang in der CDU, scheint ein gu­tes Bei­spiel da­für ab­zu­ge­ben. „Ich ha­be nie (...) Herrn Boateng be­lei­digt. Ich ken­ne ihn nicht und kä­me da­her auch nicht auf die Idee, ihn als Per­sön­lich­keit ab­zu­wer­ten“, teilt er in ei­ner Er­klä­rung mit. Er ha­be in ei­nem ver­trau­li­chen Hin­ter­grund­ge­spräch mit Re­dak­teu­ren der FAS die Ein­stel­lung „man­cher Men­schen“be­schrie­ben, „aber mich an kei­ner Stel­le über Herrn Boateng ge­äu­ßert, des­sen ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on und christ­li­ches Glau­bens­be­kennt­nis mir aus Be­rich­ten über ihn be­kannt sind“.

Gau­land nur ein Chro­nist von All­tags­ras­sis­mus, wo doch die AfD in der Flücht­lings­kri­se stän­dig mit dem Feu­er spielt, um Un­zu­frie­de­ne an­zu­lo­cken? Schuld soll al­so nun wie­der die „Lü­gen-, Pi­noc­chio- oder Sys­tem­pres­se“ha­ben, wie Rechts­po­pu­lis­ten wahl­wei­se die Me­di­en ger­ne at­ta­ckie­ren?

Die FAS-Re­dak­teu­re kön­nen nach ei­ge­nen An­ga­ben Gau­lands Sät­ze be­le­gen. Sie ha­ben mit­ge­schrie­ben. In­ter­es­sant ist dann, wie Pe­try par­al­lel ei­ne an­de­re Ver­si­on er­zählt und ih­rem Vi­ze in den Rü­cken fällt: „Herr Gau­land kann sich nicht er­in­nern, ob er die­se Äu­ße­rung ge­tä­tigt hat. Ich ent­schul­di­ge mich un­ab­hän­gig da­von bei Herrn Boateng für den Ein­druck, der ent­stan­den ist“, sagt Pe­try.

Im In­ter­net ist Gau­lands Aus­fall ge­gen den schwar­zen Boateng Top­the­ma. Tau­sen­de so­li­da­ri­sie­ren sich mit dem 27-jäh­ri­gen Ver­tei­di­ger von Bay­ern Mün­chen, der ein Ber­li­ner Jung aus dem Wed­ding ist. Boa­tengs Schal­ker Na­tio­nal­mann­schafts­kol­le­ge Be­ne­dikt Hö­we­des twit­tert: „Wenn du für Deutsch­land Ti­tel ge­win­nen willst, brauchst du Nach­barn wie ihn.“

Boateng selbst zeig­te sich ge­las­sen. „Kann ich nur drü­ber lä­cheln. Ist trau­rig, dass so et­was heu­te noch vor­kommt“, sag­te er in der ARD nach dem Län­der­spiel Deutsch­land – Slo­wa­kei. „Ich glau­be, heu­te wa­ren auch ge­nug po­si­ti­ve Ant­wor­ten im Sta­di­on. Ich ha­be ein paar Pla­ka­te ge­se­hen.“Fans hat­ten im Sta­di­on ein Trans­pa­rent mit der Auf­schrift „Je­ro­me sei un­ser Nach­bar!“auf­ge­hängt.

AFD-SPIT­ZE: Alex­an­der Gau­land pro­vo­ziert, Frau­ke Pe­try ent­schul­digt sich. Bei­de ge­hen sich al­ler­dings ger­ne mal an.

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