Mil­lio­nen­hil­fe für Milch­bau­ern

Streit um Ein­fluss auf Prei­se. Bau­ern­prä­si­dent ver­langt ver­bind­li­che Ab­spra­chen und Steu­er­ent­las­tung.

Neue Presse - - NACHRICHTE­N - VON SA­SCHA MEY­ER UND JAN-HEN­RIK PETERMANN

BER­LIN. Die deut­schen Milch­bau­ern kön­nen we­gen der dra­ma­ti­schen Preis­kri­se auf staat­li­che Un­ter­stüt­zung in Mil­lio­nen­hö­he hof­fen. Vor dem „Milch­gip­fel“bei Bun­des­agrar­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU) heu­te zeich­ne­te sich ein Hilfs­pa­ket ab, da­mit Be­trie­be fi­nan­zi­el­le Eng­päs­se we­gen der seit Mo­na­ten fal- len­den Er­lö­se bes­ser über­brü­cken kön­nen. Über grund­le­gen­de Neu­ord­nun­gen, wie die ho­he Milch­men­ge auf dem Welt­markt als Ur­sa­che des Preis­tiefs ge­steu­ert wer­den kann, ent­zün­de­te sich je­doch neu­er Streit.

Schmidt stell­te für das Tref­fen in Ber­lin „schnel­le di­rek­te Hil­fen“in Aus­sicht. „Wir wer­den ei­ne Rei­he von Be­trie­ben über Bürg­schaf­ten, Kre­di­te so­wie steu­er­li­che Er­leich­te­run­gen stüt­zen“, sag­te er dem „Fo­cus“. Im Ge­spräch war ein Hilfs­pa­ket von min­des­tens 100 Mil­lio­nen Eu­ro. Schmidt will zu­dem er­rei­chen, die Ri­si­ken des Mark­tes fai­rer zu ver­tei­len, die bis­her vor al­lem die Bau­ern tra­gen.

Zum „Gip­fel“sind Spit­zen­ver­tre­ter der Land­wir­te, der Mol­ke­rei­en und des Ein­zel­han­dels ins Mi­nis­te­ri­um ein­ge­la­den. Die Milch­prei­se für die Bau­ern sind zu­letzt teils un­ter 20 Cent je Li­ter ge­fal­len, zur De­ckung der Kos­ten gel­ten 35 Cent als min- des­tens nö­tig. Bau­ern­prä­si­dent Joa­chim Ruk­wied be­kräf­tig­te den Ruf nach „kon­kre­ter, so­fort wirk­sa­mer Un­ter­stüt­zung“. Not­wen­dig sei­en ein Li­qui­di­täts- und Bürg­schafts­pro­gramm so­wie Steu­er­ent­las­tun­gen nicht nur für Milch­vieh­hal­ter, son­dern für al­le land­wirt­schaft­li­chen Be­trie­be, sag­te er der „Neu­en Os­na­brü­cker Zei­tung“. Schwei­ne­hal­ter spür­ten eben­falls schon län­ger ei­ne Preis­kri­se. Der „Bild“-Zei­tung sag­te Ruk­wied zu­dem: „Wir brau­chen neue ver­bind­li­che Ab­spra­chen zwi­schen Bau­ern, Mol­ke­rei­en und dem Han­del.“Tei­le der Milch­men­gen müss­ten für die Bau­ern preis­lich ab­ge­si­chert wer­den kön­nen.

Ei­ne vom Dis­coun­ter Lidl ins Ge­spräch ge­brach­te Son­der­steu­er für Milch lehn­te die Uni­on ab. „Da­mit stiehlt sich vor al­lem der Han­del aus seiner Ver­ant­wor­tung. Denn sein rui­nö­ser Preis­krieg mit Le­bens­mit­teln ist Teil des Pro­blems“, sag­te Frak­ti­ons­vi­ze Git­ta Con­ne­mann. Sie mach­te deut­lich, dass die Po­li­tik in Not ge­ra­te­nen Bau­ern hel­fen wer­de. An ers­ter Stel­le müss­ten aber die Markt­be­tei­lig­ten han­deln: „Über­pro­duk­tio­nen kann die Bran­che nur selbst zu­rück­fah­ren.“Wich­tig sei auch das Ver­hal­ten des Ver­brau­chers: „Die Ent­schei­dung, wie vie­le Milch­bau­ern nach die­ser exis­ten­zi­el­len Kri­se noch wirt­schaf­ten wer­den, trifft am En­de er.“

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