Mu­sik in völ­li­ger Fins­ter­nis

Be­mer­kens­wer­tes Nacht­kon­zert en­det mit Ge­zwit­scher der Vö­gel

Neue Presse - - KULTUR -

HAN­NO­VER. Um 4.20 Uhr in der Mor­gen­däm­me­rung öff­ne­te der In­ten­dant die Tü­ren der Her­ren­häu­ser Ga­le­rie und bat zu ei­nem Früh­kon­zert der be­son­de­ren Art. In­go Metz­ma­cher: „Hö­ren Sie auf die Vö­gel, die ma­chen jetzt die Mu­sik.“Ganz na­tür­lich und ganz selbst­ver­ständ­lich.

Vor­her war das sehr gut be­such­te „Nacht­kon­zert“von mehr als vier St­un­den Dau­er am Ab­schluss­wo­chen­en­de der Kunst­fest­spie­le bra­vou­rös über die Büh­ne ge­gan­gen.

Mit ei­nem kräf­ti­gen Schuss Geis­ter­bahn, denn der Be­ginn mit dem 3. Streich­quar­tett von Ge­org Fried­rich Haas er­klang in völ­li­ger Fins­ter­nis. Und das war ge­nau so ge­meint, Han­dys aus, so­gar die Mar­kie­rung der Not­aus­gän­ge war weg. Man­che woll- ten das nach kur­zer Leucht­pro­be nicht aus­hal­ten, ver­lie­ßen flucht­ar­tig die Ga­le­rie.

Da­nach gab es die­ses er­staun­li­che Stück, ei­ne St­un­de lang, al­les schwarz, nur der Klang war da. Meist ge­tra­ge­ne Strei­cher­mu­sik an der Hör­bar­keits­schwel­le, die vier Mu­si­ker wa­ren im Qua­drat rund um die Zu­hö­rer­schaft auf­ge­stellt. Ei­ne wert­vol­le Grenz­er­fah­rung, auch da­für ste­hen die Kunst­fest­spie­le.

Mit dem Raum hat­te üb­ri­gens ei­nen Abend vor­her Star­gei­ge­rin Isa­bel­le Faust ge­ar­bei­tet, die Lu­i­gi No­nos „Lon­tanan­za“-Stück für Vio­li­ne und Ta­pe zwi­schen den Zu­schau­ern her­um­wan­dernd auf­ge­führt hat – das es auch noch bei den Ber­li­ner Fest­wo­chen ge­ben wird, lan­ge nach dem Han­no­ver-Gig. Um 1.40 Uhr ging dann im Nacht­kon­zert die „Ti­ta­nic“un­ter, das En­sem­ble von Ga­vin Bryars spiel­te sein Er­folgs­stück „The Sin­king of the Ti­ta­nic“– mit di­gi­ta­len Zu­spie­lun­gen von Zeit­zeu­gen.

Um ganz ak­tu­el­le Ka­ta­stro­phen gings in der be­nach­bar­ten Oran­ge­rie. Hier brach­te die Thea­ter­grup­pe Ri­mi­ni Pro­to­koll die Er­fah­run­gen von Flücht­lin­gen mit Was- ser-Mu­sik von John Ca­ge in Ver­bin­dung („Ev­ros Walk Wa­ter“) – und ließ die Be­su­cher mit­ma­chen.

Zwi­schen­durch setz­te sich In­go Metz­ma­cher ans Kla­vier, spiel­te me­di­ta­ti­ve Aus­zü­ge aus den „Vexa­ti­ons“von Eric Sa­tie. Vor dem Ge­zwit­scher gabs ab zehn vor vier noch knall­har­te Avant­gar­de von Hel­mut La­chen­mann. Ei­ne be­mer­kens­wer­te Nacht. Que

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