Ist Ca­ri­tas-Chef ein Dr. plag.?

Pro­mo­ti­on von Andre­as Schu­bert soll ein „Bru­tal-Pla­gi­at“sein. Be­trof­fe­ner leug­net Täu­schung.

Neue Presse - - HANNOVER - Heu­te für Sie von 17 bis 18 Uhr am Le­ser­te­le­fon: 05 11/51 01 22 78. VON THO­MAS NA­GEL

HAN­NO­VER. Han­delt es sich bei der Dok­tor-Ar­beit von Ca­ri­tasChef Andre­as Schu­bert um ein Pla­gi­at? Die In­ter­net-Platt­form „Vro­niPlag Wiki“ist über­zeugt da­von. Auf 41 Pro­zent der Ar­beit (76 von 185 Sei­ten) be­fän­den sich Fremd­text­über­nah­men. Ju­ra-Pro­fes­sor Ger­hard Dan­ne­mann von „Vro­niPlag Wiki“spricht so­gar von ei­nem „Bru­tal-Pla­gi­at“. Denn der Ca­ri­tas-Chef ha­be so­gar die Dank­sa­gung seiner Pro­mo­ti­on zum The­ma Kran­ken­haus­fi­nan­zie­rung aus dem Jah­re 2009 ab­ge­schrie­ben. Schu­bert weist die Vor­wür­fe zu­rück. In ei­ner Pres­se­mit­tei­lung der Ca­ri­tas heißt es: „Die zu­stän­di­ge Co­me­ni­us-Uni­ver­si­tät in Bra­tis­la­va (...) hat ihm (Andre­as Schu­bert, d. Red.) mit­ge­teilt, dass die Dis­ser­ta­ti­on und das Dis­ser­ta­ti­ons­ver­fah­ren mit al­len 2009 zur Ver­fü­gung ste­hen­den (...) Mit­teln über­prüft wor­den sind.“Da­bei hät­ten sich kei­ne Auf­fäl­lig­kei­ten er­ge­ben.

Das be­strei­tet auch nie­mand. Vie­le Uni­ver­si­tä­ten be­mer­ken nicht, dass bei Pro­mo­tio­nen ge­schum­melt wird. „Vro­niPlag Wiki“hat 156 Dis­ser­ta­tio­nen und zehn Ha­bi­li­ta­ti­ons­schrif­ten do­ku­men­tiert, bei de­nen Pla- gia­te in der Be­gut­ach­tung nicht er­kannt wur­den. Un­ge­wöhn­lich an der Ge­schich­te ist, dass es sich bei Schu­bert um kei­ne über­re­gio­nal be­kann­te Per­sön­lich­keit han­delt. Ei­gent­lich über­prüft „Vro­niPlag“nur die Ar­bei­ten von Pro­mi­nen­ten.

In dem Fall von Schu­bert hat­ten Mit­ar­bei­ter der Ca­ri­tas Zwei­fel an den Aka­de­mi­ker-Wür­den des Ma­na­gers. Sie be­schaff­ten sich die Dok­tor­ar­beit, die Andre­as Schu­bert in der Deut­schen Na­tio­nal Bi­b­lio- thek (DNB) hin­ter­legt hat­te.

Der Wis­sen­schafts­jour­na­list Her­mann Horst­kot­te schrieb in „Le­gal Tri­bu­ne On­li­ne“(LTO), dass Schu­bert für 10 000 Eu­ro ei­ne Dres­de­ner Agen­tur zur Pro­mo­ti­ons­ver­mitt­lung be­auf­tragt ha­be. Ei­nen fünf­stel­li­gen Be­trag ha­be er dann als Stu­di­en­ge­bühr an die Uni in Bra­tis­la­va be­zahlt. Sei­nen Ti­tel darf Andre­as Schu­bert in je­dem Fall be­hal­ten. Es gibt in der Slo­wa­kei kei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge, ei­nen Dok- tor­ti­tel nach­träg­lich zu ent­zie­hen, schreibt Horst­kot­te in „LTO“. Der deut­sche Staat er­kennt laut ei­nes Ab­kom­mens den slo­wa­ki­schen „Dr.“an.

Was sagt der Be­trof­fe­ne da­zu? Per Mail ant­wor­te­te Schu­bert der NP: „Zu Spe­ku­la­tio­nen rund um die Ur­he­ber­schaft der Pla­gi­ats­vor­wür­fe mir ge­gen­über be­zie­he ich grund­sätz­lich kei­ne Stel­lung.“Die Dok­tor­ar­beit in der DNB hat Schu­bert im Ja­nu­ar 2016 sper­ren las­sen.

Der Ca­ri­tas-Chef ha­be sich ent­schlos­sen, die­se Sper­rung nicht wie­der auf­he­ben zu las­sen, heißt es in der Pres­se­mit­tei- lung der Ca­ri­tas. Er hat­te die­se Ar­beit ge­gen­über sei­nen Kri­ti­kern als ei­ne „frü­he­re Ar­beits­ver­si­on“be­zeich­net.

Laut Ju­ra-Pro­fes­sor Dan­ne­mann von „Vro­niPlag Wiki“weicht die Fas­sung aus der Na­tio­nal­bi­blio­thek nur mi­ni­mal von der hin­ter­leg­ten Ar­beit in Bra­tis­la­va ab und sei nach Ab­schluss des Pro­mo­ti­ons­ver­fah­rens in Bra­tis­la­va ab­ge­ge­ben wor­den. Der NP schrieb Dan­ne­mann: „Soll­te Herr Schu­bert tat­säch­lich an ei­ner wei­te­ren Auf­klä­rung in­ter­es­siert sein, könn­te er mü­he­los die in Bra­tis­la­va vor­lie­gen­de Fas­sung seiner Dis­ser­ta­ti­on frei­ge­ben.“

Ca­ri­tas-Chef Andre­as Schu­bert

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