Ge­richt: Prü­fung auf ru­mä­nisch

Neue Presse - - HANNOVER - VON THO­MAS NA­GEL

HAN­NO­VER. Als Bei­spiel für gu­te In­te­gra­ti­on dürf­te das nicht gel­ten: Ju­gend­rich­ter Jens Buck ver­ur­teil­te ei­nen 19-jäh­ri­gen Ru­mä­nen we­gen Fah­ren oh­ne Füh­rer­scheins zu ei­ner Geld­bu­ße in Hö­he von 600 Eu­ro.

Ei­gent­lich ei­ne Ba­ga­tel­le. Doch die nä­he­ren Um­stän­de ma­chen den Fall be­son­ders. Zu­erst kam der Va­ter zum Ge­richt und sag­te, dass sein Sohn nicht in Han­no­ver sei und des­halb der Pro­zess aus­fal­len müs­se. Dar­auf ver­ließ sich der Rich­ter nicht. Ei­ne Po­li­zei­strei­fe fand den 19-Jäh­ri­gen dann in seiner Un­ter­kunft. Für den Va­ter blieb die ver­such­te Straf­ver­ei­te­lung oh­ne Kon­se­quen­zen. „Weil es sich um den Va­ter han­del­te, bleibt das De­likt straf­frei.“

Noch un­ge­wöhn­li­cher war, dass der jun­ge De­lin­quent ei­nen gül­ti­gen bri­ti­schen Füh­rer­schein vor­le­gen konn­te. Auf die Fra­ge des Rich­ters, wie das denn an­ge­hen kön­ne, ant­wor­te­te der jun­ge Mann: Er ha­be sich sie­ben, acht Mo­na­te im ver­gan­ge­nen Jahr bei sei­nem On­kel in En­g­land auf­ge­hal­ten. Ei­ne prak­ti­sche Füh­rer­schein­prü­fung brauch­te er nicht zu ma­chen, den theo­re­ti­schen Teil ha­be er in ru­mä­ni­scher Spra­che ab­le­gen kön­nen.

Rich­ter Buck hat­te Zwei­fel an die­ser Schil­de­rung. Zu­mal der 19-Jäh­ri­ge nur drei Jah­re zur Schu­le ging, und wahr­schein­lich kaum Schrei­ben und Le­sen kön­ne.

Al­ler­dings ist der An­ge­klag­te be­reits sechs Mal mit dem Ge­setz in Kon­flikt ge­ra­ten; we­gen Dieb­stahls und Schwarz­fah­rens. Da­bei lebt er erst seit Ok­to­ber 2012 in Deutsch­land.

Mit der Geld­bu­ße ist die Sa­che aber noch nicht vom Tisch. Laut Rich­ter Buck wird jetzt ge­prüft, ob der Va­ter 2015 Kin­der­geld er­hal­ten ha­be. Falls ja, wä­re das nicht rech­tens. Schließ­lich hat Soh­ne­mann da in En­g­land sei­nen Füh­rer­schein ge­macht.

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