So glatt läuft die Flug­ha­fen­sper­rung

Ent­war­nung nach nur knapp fünf St­un­den Ein paar Be­schwer­den gibt es aber doch

Neue Presse - - HANNOVER - VON TOBIAS WELZ

LAN­gEN­HA­gEN. Um 7.30 Uhr ist für Ha­ya­ti Ka­ra­ka­ya (49) aus Vah­ren­wald Schicht­be­ginn. Der 49-jäh­ri­ge Haus­tech­ni­ker jobbt ne­ben­bei als Flug­haf­en­trans­por­teur. Der Sonn­tag war für ihn kein nor­ma­ler Tag: „End­lich ist hier mal was los. Da muss ich zwar mehr ar­bei­ten, kann aber auch mehr ver­die­nen“, sag­te er. Er war für Cr­ew­mit­glie­der des Rei­se­un­ter­neh­mens Tui im Ein­satz; ei­ne Grup­pe brach­te er von Lan­gen­ha­gen nach Pa­der­born, von dort aus ging es mit ei­ner wei­te­ren Tui-Grup­pe zu­rück nach Lan­gen­ha­gen – und im An­schluss mit ein paar Pi­lo­ten aus der We­de­mark zum han­no­ver­schen Haupt­bahn­hof: „Da kom­men ganz gut Ki­lo­me­ter zu­sam­men“, so Ka­ra­ka­ya zu­frie­den.

Ge­gen acht Uhr lie­fen die Eva­ku­ie­rungs­vor­be­rei­tun­gen im Ho­tel Leo­nar­do am Han­no­ver Air­port be­reits auf Hoch­tou­ren. Hol­ger Graf, Tech­ni­scher Lei­ter des Ho­tels, gab sich al­ler­dings ge­las­sen: „Wir sind sehr gut or­ga­ni­siert“, er­klär­te Graf. Sei­ne Gäs­te Alex­an­der Nehls (44), des­sen Ehe­frau Peg­gy (44) und de­ren ge­mein­sa­mer Sohn Ar­ne (17) wa­ren da we­ni­ger ent­spannt: „Das Ho­tel kann ja auch nichts für den Bom­ben­fund, aber wir hät­ten schon lie­ber aus­ge­schla­fen. Wir sind im­mer­hin im Ur­laub“, sag­te Peg­gy Nehls. Doch statt­des­sen setz­te sich die Fa­mi­lie um kurz nach Acht ins Au­to und fuhr heim nach Stral­sund.

Im Ho­tel Leo­nar­do lief die Eva­ku­ie­rung bis 9.30 Uhr. Graf sag­te dann: „Bei uns soll­ten jetzt al­le Räu­me leer sein.“Soll­ten? „Wir über­las­sen na­tür­lich nichts dem Zu­fall“, füg­te Graf hin­zu. Die bei­den Feu­er­wehr­män­ner Kai Jütt­ner und Tim Faß­nacht wa­ren ins Leo­nar­do ge­kom­men, die drei Män­ner kon­trol­lier­ten je­des der 214 Ho­tel­zim­mer ein­zeln; ein Blick ins Bad, ei­ner in den Schlaf­be­reich und ei­ner in mög­li­che to­te Win­kel im Raum. Fa­zit: „Kei­ner mehr drin“, sag­te Graf.

Für Pas­sa­gie­re, die nicht recht­zei­tig von ih­ren Rei­se­ver­an­stal­tern er­reicht wur­den, rich­te­te die Jo­han­ni­ter-Un­fal­lHil­fe ei­ne Sam­mel­stel­le in der Eis­hal­le Lan­gen­ha­gen ein. Mir­ko Heu­er, Lan­gen­ha­gens Bür­ger­meis­ter, schau­te dort auch mal nach dem Rech­ten: „Es ist ein­fach ge­ni­al zu se­hen, wie gut die be­tei­lig­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen heu­te rund um den Flug­ha­fen zu­sam­men­ar­bei­ten“, sag­te er der NP.

Klingt al­les zu per­fekt, um wahr zu sein? „Bei uns ist ei­ni­ges schief­ge­gan­gen“, sag­te Bet­ty Jo­han­sen (60) aus Nexo in Dä­ne­mark. Sie füg­te hin­zu: „Un­se­re Air­line SAS hat­te kei­ne Ah­nung, dass in Han­no­ver heu­te eva­ku­iert wird.So et­was soll­te ein­fach nicht pas­sie­ren.“Die 60-Jäh­ri­ge ver­trieb sich zu­sam­men mit ih­rem Ehe­mann Nis Jordt Pe­ter­sen (61) die War­te­zeit in der Eis­hal­le mit Le­sen und kos­ten­lo­ser war­mer Nu­del­sup­pe.

Um 13.42 kam dann die of­fi­zi­el­le Ent­war­nung: „Der Blind­gän­ger ist ent­schärft“, so ei­ne Flug­ha­fen­spre­che­rin. Um 14.07 Uhr wur­de die Sper­rung auf­ge­ho­ben, und we­nig spä­ter star­te­te auch schon das ers­te Flug­zeug vom HAJ – ganz schön auf­re­gend, so ei­ne Flug­ha­fe­ne­va­ku­ie­rung.

Fo­tos: Els­ner

AUS­FÄL­LE: 28 Ab­flü­ge wa­ren be­trof­fen, eben­so 26 Lan­dun­gen. Teil­wei­se lan­de­ten oder star­te­ten sie nach der Bom­ben­ent­schär­fung.

FRÜH­AUF­STE­HER: Alex­an­der, Peg­gy und Ar­ne Nehls aus Stral­sund kürz­ten ihr Früh­stück ab – sie muss­ten ihr Ho­tel ver­las­sen.

KON­TROL­LE: Feu­er­wehr­mann Tim Faß­nacht über­prüft im Ho­tel Leo­nar­do, ob wirk­lich al­le Zim­mer ge­räumt sind.

WEI­TER­FAHRT UN­TER­SAGT: Ab 9 Uhr war das Sperr­ge­biet rund um den Flug­ha­fen ab­ge­rie­gelt.

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