Ab­ge­sof­fen!

Land un­ter in Augs­burg: DFB-Team ver­liert mit 1:3

Neue Presse - - SPORT - VON PATRICK STRAS­SER

AUGS­BURG. Ein kräf­ti­ges Don­ner­wet­ter zur Halb­zeit gibt es im­mer dann, wenn ein Trai­ner mit der Leis­tung seiner Mann­schaft ganz und gar nicht zu­frie­den ist. Doch was ges­tern am frü­hen Abend in Augs­burg vom Him­mel kam, war ein ge­wal­ti­ges Un­wet­ter samt Blitz, Don­ner, Ha­gel und Stark­re­gen. Da­durch dau­er­te die Halb­zeit­pau­se beim ers­ten EMTest der Na­tio­nal­elf ge­gen die Slo­wa­kei sat­te 35 Mi­nu­ten, ehe Schieds­rich­ter Ser­ge Gu­mi­en­ny aus Bel­gi­en ent­schied: Ja, es darf hei­ter ge­rutscht und ge­schlit­tert wer­den auf dem re­gen­durch­tränk­ten Ra­sen. Die Slo­wa­ken ge­wan­nen die Was­ser­schlacht mit 3:1.

Was die Zu­schau­er in der Augs­bur­ger Are­na oft­mals er­hei­ter­te, hat Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw über­haupt nicht ge­fal­len. Ge­nau zwei Wo­chen vor dem deut- schen EM-Auf­takt­spiel in Lil­le ge­gen die Ukrai­ne zeig­te sich sein Team ziem­lich an­fäl­lig in der De­fen­si­ve, ei­ne wirk­li­che Ord­nung war nicht zu er­ken­nen. Seit sie­ben Spie­len hat man es nicht mehr ge­schafft, zu Null zu spie­len – das gab es zu­letzt vor fünf Jah­ren.

„So ein Spiel ha­be ich noch nie er­lebt“, sag­te Löw nach dem Schluss­pfiff zur Was­ser­schlacht. „Es ist na­tür­lich nicht un­ge­fähr­lich. Es hat auch ge­dau­ert, bis wir uns dar­an ge­wöhnt ha­ben.“Das Fa­zit des Bun­des­trai­ners fiel ent­spre­chend durch­wach­sen aus. „In der Of­fen­si­ve war ich zu­frie­den. Es wa­ren ein paar gu­te Ak­tio­nen da­bei. Im Mit­tel­feld wa­ren die Räu­me zu weit of­fen. De­fen­siv ha­ben wir es nicht gut ge­macht“, sag­te Löw. „Man kann von den jun­gen Spie­lern, die jetzt da­bei wa­ren, aber nicht al­les ver­lan­gen.“

EM-Teil­neh­mer Slo­wa­kei zock­te die­se jun­gen Spie­ler im­mer wie­der ab und gab dem deut­schen Trai­ner­stab ei­ni­ge Den­kauf­ga­ben mit auf die Heim­rei­se. Wer hat das Cas­ting über­stan­den? Wel­che vier Spie­ler wer­den bis zur Mel­de­frist bei der Ue­fa in der Nacht auf Mitt­woch aus dem Ka­der ge­stri­chen? Noch am Abend flog der Tross der Na­tio­nal­mann­schaft zu­rück ins Trai­nings­la­ger nach As­co­na in der Schweiz.

Dort wird man dis­ku­tie­ren und auf­ar­bei­ten, was am Sonn­tag schief­ge­gan­gen ist. Der Re­gen­kick in Augs­burg hat­te über wei­te Stre­cken der zwei­ten Halb­zeit Slap­stick-Cha­rak­ter, taugt al­so nur be­dingt, um her­aus­zu­fin­den, wer von den Youngs­tern nun mit nach Frank­reich darf. „Ich hof­fe na­tür­lich, dass ich da­bei bin“, sag­te Le­roy Sa­né, der 90 Mi­nu­ten zum Ein­satz kam. „Es ist ein gro­ßer Traum für mich.“Und Nach­wuchs­spie­ler Ju­li­an Weigl sag­te: „Ich hät­te mir ein an­de­res De­büt vor­ge­stellt. Die Platz­ver­hält­nis­se wa­ren sehr schwie­rig. Wir ha­ben es nicht ge­schafft, un­se­re Über­le­gen­heit aus­zu­nut­zen. Ich ma­che mir jetzt kei­nen Kopf. Ich ver­su­che Tag für Tag von den Jungs zu ler­nen. Es macht Spaß im Trai­ning.“

22 110 Zu­schau­er wur­den Zeu­ge des Was­ser­ball­spiels, das in der Halb­zeit­pau­se kurz vor dem Ab­bruch stand. Was in der Län­der­spiel­his­to­rie des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des (DFB) bis­lang üb­ri­gens erst ein­mal ge­sche­hen ist: 1978 wur­de das Län­der­spiel in Frank­furt ge­gen Un­garn we­gen Ne­bels nach 60 Mi­nu­ten ab­ge­bro­chen. Das wä­re Löw ges­tern si­cher auch nicht recht ge­we­sen, woll­te er doch Er­kennt­nis­se ge­win­nen. Aber konn­te er das wirk­lich?

Im­mer­hin: Tor­hü­ter Bernd Le­no (Bay­er Le­ver­ku­sen), Jos­hua Kim­mich (FC Bay­ern), Ju­li­an Brandt (Bay­er Le­ver­ku­sen) und Weigl (Dort­mund) fei­er­ten ih­re Pre­mie­re im Na­tio­nal­tri­kot. So­mit stieg die Zahl der De­bü­tan­ten in der Ära Löw auf 82. Das deut­sche Neu­lings­quar­tett konn­te je­doch nicht wirk­lich Plus­punk­te sam­meln, vor al­lem Weigl und Brandt,

die in der zwei­ten, der Rutsch- par­tie-Halb­zeit spiel­ten. Po­si­tiv fie­len der spiel­freu­di­ge Ma­rio Göt­ze und Mit­tel­stür­mer Ma­rio Go­mez auf, der den Elf­me­ter nach ei­nem Foul an Göt­ze ver­wan­del­te (13. Mi­nu­te). Das 27. Län­der­spiel­tor gibt dem Tor­schüt­zen­kö­nig der tür­ki­schen Li­ga si­cher noch mehr Selbst­ver­trau­en.

Nach der Füh­rung hat­te das deut­sche Team das Spiel aus der Hand ge­ge­ben. Wie schon häu­fi­ger und er­neut un­er­klär­lich. Ein Dop­pel­schlag der Slo­wa­ken durch Marek Hamsik (41.) und Michal Du­ris (44.) zer­stör­te den bis da­hin gu­ten Ein­druck. Ju­ray Ku­cka traf zum 3:1 (52.) mit freund­li­cher Un­ter­stüt­zung des ein­ge­wech­sel­ten Tor­hü­ters Marc-An­dré ter Ste­gen, der den Ball durch die Bei­ne rut­schen ließ. Was nicht am Re­gen lag.

Fo­tos: ima­go, dpa

UN­AN­GE­NEH­ME SA­CHE: Ma­rio Göt­ze kommt auf re­gen­nas­sem Ra­sen zu Fall, am En­de ver­liert die deut­sche Elf ge­gen über­ra­schend star­ke Slo­wa­ken. Ma­rio Go­mez (klei­nes Bild, oben) er­ziel­te das ein­zi­ge Tor für den Welt­meis­ter. Die Zu­schau­er harr­ten im Re­gen aus.

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