Kroosar­ti­ge Nacht in Mai­land!

Sai­son ge­ret­tet: Na­tio­nal­spie­ler To­ni Kroos ge­winnt mit Re­al Ma­drid die

Neue Presse - - SPORT - VON ERIC ZIM­MER

MAI­LAND. Als ei­ner der letz­ten Spie­ler stieg To­ni Kroos in die­ser ma­gi­schen Nacht im Mai­län­der San Si­ro in den Mann­schafts­bus von Re­al Ma­drid, der längst zum Par­ty­ex­press ge­wor­den war. Oh­ne gro­ße Show klet­ter­te Kroos hin­ein, er ist ein stil­ler Ge­nie­ßer. 2.15 Uhr war es da be­reits am Sonn­tag­mor­gen – und der 26-Jäh­ri­ge durf­te sich in je­nem Mo­ment zwei­fa­cher Cham­pi­ons-Le­ague-Sie­ger nen­nen. Mit Re­al ge­wann er das Fi­na­le der Kö­nigs­klas­se ge­gen den Stadt­ri­va­len At­lé­ti­co über den span­nends­ten al­ler We­ge: in ei­nem 6:4-Elf­me­ter­kri­mi um den Hen­kel­pott. „Das ha­be ich mir nie er­träumt, ich glau­be, dass das et­was ganz Gro­ßes ist“, sag­te Kroos.

Es war groß. Und his­to­risch. Mit dem Sieg am Sonn­abend und nach dem Tri­umph 2013 mit dem FC Bay­ern (auch wenn er da­mals im End­spiel ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund ver­letzt fehl­te) hat Kroos den wich­tigs­ten Eu­ro­pa­po­kal nun mit zwei Ver­ei­nen ge­won­nen – als ers­ter deut­scher Spie­ler. Ihm dürf­te das Schub für die nächs­te Auf­ga­be ge­ben: Er wird in die­ser Wo­che zur deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft sto­ßen und sich in der Schweiz mit auf die EM in Frank­reich vor­be­rei­ten – nach ei­ner Pau­se. „Es war ei­ne lan­ge Sai­son. Da ist es nor­mal, dass man zwei, drei Ta­ge braucht“, sag­te Kroos.

Kein Wun­der, zu­mal auch das Fi­na­le ziem­lich in­ten­siv war. 71 942 Zu­schau­er im San Si­ro sa­hen, wie Re­al schon in der 15. Spiel­mi­nu­te in Füh­rung ging. Kroos zir­kel­te den Ball auf Ga­reth Ba­le, der auf Ser­gio Ra­mos ver­län­ger­te. Ra­mos stand knapp im Ab­seits, das Tor zähl­te den­noch. 1:0 für die „Kö­nig­li­chen“, die die ers­te Hälf­te be­stimm­ten. Und die An­fang der zwei­ten Halb­zeit Glück hat­ten: Pe­pe foul­te At­lé­ti­cos Fer­nan­do Tor­res im Sech­zeh­ner, An­toi­ne Griez­mann setz­te den Straf­stoß aber an die Lat­te (48. Mi­nu­te). Was den Fran­zo­sen trös­te­te: Yan­nick Fer­rei­ra-Car­ras­co traf spä­ter noch zum 1:1 (79.).

Kroos saß da be­reits auf der Bank. Re­als Trai­ner Zi­né­di­ne Zi­da­ne hat­te den deut­schen Na­tio- nal­spie­ler sie­ben Mi­nu­ten zu­vor ge­gen Is­co aus­ge­tauscht – und sich da­mit fast ver­po­kert. Als Kroos raus war, ver­lor Re­al die Ord­nung im Mit­tel­feld. War­um der Wech­sel? Muss sich Löw Ver­let­zungs­sor­gen ma­chen? „Nein, ich hat­te kei­ne Pro­ble­me. Und ich den­ke, dass ich auch ein gu­tes Spiel ge­macht ha­be“, sag­te Kroos spä­ter. Der Trai­ner ha­be wohl „et­was Fri­sches brin­gen“wol­len, um das Spiel in 90 Mi­nu­ten über die Zeit zu ret­ten“. Das klapp­te nicht. Die Ver­län­ge­rung brach­te kei­ne To­re. Es kam zum Elf­me­ter­dra­ma.

Kroos be­ob­ach­te­te das Ge­sche­hen von der Sei­ten­li­nie aus. Die ers­ten sie­ben Schüt­zen ver­wan­del­ten, 4:3 lag Re­al vor­ne, dann kam At­lé­ti­cos Ju­an­fran. Pfos­ten! Und so hat­te es je­ner Mann in der Hand, der bis da­hin blass ge­blie­ben war: Cris­tia­no Ro­nal­do. Schuss. Tor. Tri­kot aus. Ju­bel­trau­be. Wie 2014 schlug Re­al den Stadt­ri­va­len im End­spiel. Und Ro­nal­do war wie­der im Mit­tel­punkt in die­sem Mo­ment. „Ich wuss­te, dass ich das Tor ma­che“, sag­te er.

Kroos ord­net den elf­ten Cham­pi­ons-Le­ague- Tri­umph von Re­al so ein: „Die­ses Spiel hat­te ei­ne un­ge­mei­ne Be­deu­tung, es war die letz­te Chan­ce, ei­nen gro­ßen Ti­tel zu ho­len. Und wenn du das dann er­reichst, ist das un­fass­bar.“Re­al hat­te die Sai­son nur als Zwei­ter ab­ge­schlos­sen und war im spa­ni­schen Po­kal früh ge­schei­tert. Mit dem Cham­pi­ons-Le­ague-Tri­umph ist das aber längst ver­ges­sen. Noch am Sonn­tag stieg in Ma­drid die gro­ße Par­ty mit den Fans.

Und bei At­lé­ti­co? Da bat Trai­ner Die­go Si­meo­ne um Ent­schul­di­gung für die zwei­te Fi­nal­nie­der­la­ge sei­nes Klubs ge­gen Re­al in­ner­halb von drei Jah­ren. „Ich muss jetzt nach Hau­se und ver­su­chen, die Wun­den der Leu­te zu hei­len.“Sein Ge­gen­über Zi­da­ne, erst seit fünf Mo­na­ten Chef an der Li­nie bei Re­al, be­dank­te sich un­ter­des­sen da­für, das Ver­trau­en vom Klub be­kom­men zu ha­ben. „Ich bin glück­lich, weil ich seit lan­ger Zeit Teil die­ses Klubs bin. Erst als Spie­ler, dann als As­sis­tent, nun als Chef­trai­ner. Ich bin stolz, in die­sem gro­ßen Haus zu sein.“Am Sonn­abend ist die­ses Haus wei­ter ver­edelt wor­den. Auch dank To­ni Kroos.

Fo­to: dpa

„Kö­NIG­LI­CHE“Kö­NIGS­KLAS­SE: Re­al Ma­drid fei­ert mit Po­kal den elf­ten Ti­tel in der Cham­pi­ons Le­ague.

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