Die Stern­stun­de ei­nes Fo­to­gra­fen

Neue Presse - - MENSCHEN - VON ANDREA TRATNER

Kön­nen Sie sich noch an den ers­ten be­zahl­ten Fo­to­gra­fen-Job im Jahr 2002 er­in­nern? Ja, da muss­te ich ein biss­chen schum­meln. Es ging um ein Bild von DJTo­mekk für das Hip-Hop-Ma­ga­zin „Back­spin“. Die woll­ten da­mals den Zug zum Fo­to­ter­min nach Ber­lin nicht be­zah­len. Al­so ha­be ich be­haup­tet, ich hät­te ei­ne Netz­card – die heu­ti­ge Bahn­card 100 – mit der es nix kos­ten wür­de, mich nach Ber­lin fah­ren zu las­sen. Aber ich hat­te die gar nicht und hab sie mir erst da­nach ge­kauft ( lacht).

Da­bei sind sie Fo­to-Au­to­di­dakt, ha­ben als Ho­ckey­leh­rer ge­jobbt ... Ei­ner der Vä­ter der Kids, die ich trai­niert hat­te, such­te je­man­den, der sein Fo­to­stu­dio über­nimmt. Zu­fäl­lig hab ich am Tre­sen da­von ge­hört und mir das mal an­ge­schaut. Nun gibts seit neun Jah­ren das „Stu­dio Paul Rip­ke“

Wie ha­ben Sie die Tür zum Fuß­ball ge­öff­net? Ich ar­bei­te als „In­hou­se-Stu­dio“ei­nes gro­ßen Text­il­lie­fe­ran­ten. Der mach­te ir­gend­wann auch mal die Tri­kots vom FC St Pau­li – dort durf­te ich dann die Fo­tos der Spie­ler ma­chen.

Ha­ben Sie frü­her sel­ber mal im Ver­ein ge­kickt? Nein, ich spie­le zwar sehr ger­ne und auch im­mer wie­der Fuß­ball – al­ler­dings kom­plett un­ta­len­tiert. Ähn­lich wie beim Fo­to­gra­fie­ren ha­be ich we­nig Ta­lent, da­für aber ganz gu­ten Ein­satz­wil­len. Ich trai­nie­re je­den Mon­tag in ei­ner Frei­zeit­mann­schaft, durf­te aber in vier Jah­ren nicht ein­mal mit­spie­len ...

Sie ha­ben sich sel­ber mal als „Kur­pfäl­zer Trot­tel“be­zeich­net. Wie ha­ben Sie es zum WM-Fi­na­le nach Bra­si­li­en ge­schafft? Viel Glück, viel Zu­fall und ein paar Men­schen, die mir ver­traut ha­ben. Am En­de hat mich die Mann­schaft ge­be­ten, die­sen Sieg für sie fest­zu­hal­ten. Das ist na­tür­lich ein groß­ar­ti­ger Auf­trag, bes­ser gehts nicht. Dass es die­se Bil­der nun als Buch „One Night in Rio“gibt, war gar nicht der Plan – das hat wie­der die Mann­schaft be­schlos­sen, um da­mit den Fans Dan­ke zu sa­gen.

Wie ha­ben Sie sich nach Ab­pfiff von der Zu­schau­er­tri­bü­ne auf den Ra­sen ge­schmug­gelt? Man geht ein­fach mit dem DFB-Tross, der auf der Tri­bü­ne saß, mit ( lacht).

Has­sen Ih­re Fo­to­gra­fen-Kol­le­gen Sie da­für? Es gibt im­mer wie­der ein paar Hass­kom­men­ta­re auf Face­book. Aber wenn man ehr­lich ist, müss­te je­der Fo­to­graf sa­gen, dass er nichts an­de­res ge­macht hät­te. Ich stand wohl doch ein paar mal an­de­ren Fo­to­gra­fen im Weg, aber es gibt ja doch so ein, zwei Bil­der, auf de­nen ich nicht bin ( lacht).

Hat die­se Nacht in Rio Ihr Le­ben ver­än­dert? Das war be­stimmt das High­light mei­nes fo­to­gra­fi­schen Le­bens, ab jetzt kann nur noch berg­ab ge­hen. Aber im Ernst: Durch die Bil­der ha­ben knapp 150 000 Leu­te ei­nen Ein­blick be­kom­men, wie das Gan­ze aus der Sicht der Mann­schaft war. Das macht mich schon et­was stolz.

Sie fo­to­gra­fie­ren ne­ben Fuß­ball­stars auch Mu­si­ker wie die To­ten Ho­sen, Si­do und Mar­te­ria. Wer ist am leich­tes­ten ab­zu­bil­den? Mit Si­cher­heit Mar­te­ria. Der ist nicht nur der bes­te Rap­per Deutsch­lands, son­dern auch der schöns­te. Da ist je­des Fo­to ein Tref­fer!

War­um fo­to­gra­fie­ren Sie mit ei­ner Lei­ca? Das war eher Zu­fall. Ich bin ir­gend­wann über ei­ne Lei­ca ge­stol­pert und fand sie su­per, weil sie ir­gend­wie an­ders aus­sieht und sich an­ders be­die­nen lässt. In­zwi­schen ist sie ei­ne Art Mar­ken­zei­chen von mir ge­wor­den, ob­wohl ich nicht vom Her­stel­ler ge­spon­sert wer­de. „Es„ steht im Au­gen­blick 1:1, aber es hät­te auch um­ge­kehrt lau­ten kön­nen“– für Sprü­che wie die­sen lie­ben wir He­ri­bert Faß­ben­der. Heu­te wird di­ed Kom­men­ta­tor-Le­gen­de 75, Glück­wunsch!

War­um zie­hen Sie jetzt nach Los An­ge­les? Mir wird recht schnell lang­wei­lig. Der Um­zug ist ei­ne neue Her­aus­for­de­rung. Ich kann mei­ne Ar­beit mit­neh­men und woll­te schon im­mer mal am Strand woh­nen. Das klappt jetzt, zu­min­dest für ein paar Mo­na­te, vi­el­leicht Jah­re. Die „Rip­ke­de­my“war nur so ei­ne Schnaps­idee, in­zwi­schen ha­be ich da aber ul­tra Bock drauf, weil ich schon seit knapp 15 Jah­ren an­de­ren Leu­ten was bei­brin­ge – erst im Ho­ckey, dann im Fo­to­stu­dio. Dort wa­ren knapp 120 Leu­te, die als Prak­ti­kan­ten, As­sis­ten­ten oder Fo­to­gra­fen aus­ge­bil­det wur­den. Des­halb wird die „Rip­ke­de­my“be­stimmt lus­tig!

Sie wir­ken wie ein Gu­te-Lau­ne-Bär, der im­mer und über­all Sym­pa­thie weckt. Ha­ben Sie schon mal je­man­den fo­to­gra­fiert, der sie gar nicht lei­den konn­te? Ich glau­be, Hel­mut Schmidt fand mich nicht ganz so lus­tig. Das Bild ist auch nicht gut ge­wor­den. Letz­tens muss­te ich Mark Fors­ter fo­to­gra­fie­ren, den

Sei­ne Bil­der vom WM-Sieg der deut­schen Fuß­ball­na­tio­nal­mann­schaft 2014 ha­ben sich in un­ser Ge­dächt­nis ein­ge­brannt: Paul Rip­ke (35) hat es in Rio auf den hei­li­gen Ra­sen ge­schafft – mit viel Glück, über­bor­den­der Freund­lich­keit und Hart­nä­ckig­keit. Am 2. Ju­ni stellt der Fo­to­graf im Ci­ne­ma­xx am Rasch­platz mit dem „11 Freun­de“Li­ve­ti­cker-Team die Bil­der des Tri­umphs vor.

fin­def­id ichih zum Bei­spielBiil nich­ti so gut, das Bild wur­de auch nicht so su­per. Sprich: Man muss sich schon ver­ste­hen für gu­te Fo­tos.

Mit 18 wur­den Sie beim Ha­schi­schDea­len er­wischt, Sie ha­ben zwei Vor­stra­fen. Hät­te Ihr Le­ben auch schief ge­hen kön­nen? Ab­so­lut. Gera­de die Sa­che mit dem Dea­len war sehr hei­kel. Ich ha­be Be­wäh­rung be­kom­men und ging nach Ham­burg, um BWL zu stu­die­ren. Wä­re ich da­mals im Ge­fäng­nis ge­lan­det, wür­de ich heu­te wo­an­ders ste­hen.

Ste­hen Sie beim EM-Fi­na­le in Pa­ris auch wie­der auf dem Ra­sen? Ich glau­be nicht. Man soll­te auf­hö­ren, wenns am schöns­ten ist, und das war Rio. Wenn aber je­mand an­ruft, sit­ze ich so­fort im Flie­ger. Los An­ge­les – Pa­ris geht fünf­mal täg­lich.

„11 Freun­de Trai­nings­la­ger fea­turing Paul Rip­ke“: 2. Ju­ni, 20 Uhr im Ci­ne­ma­xx am Rasch­platz. Ti­ckets kos­ten 14 bis 16,50 Eu­ro.

Fo­tos (4) Paul Rip­ke

DA FREU­EN SIE SICH: Bas­ti­an Schwein­stei­ger und Tho­mas Mül­ler fei­ern den WM-Sieg – Fo­to­graf Rip­ke war ganz nah dran.

„Pran­ken­stein“„Rip­ke­de­my“ bringt sich das Fo­to­gra­fie­ren sel­ber bei, wie Jé­ro­me Boateng (27) oder sehr per­sön­li­chen Por­träts von Stars Bas­ti­an Schwein­stei­ger (31). TV-FLOP: Rip­ke (rechts) mit Jan Strem­mel, An­toi­ne Mo­not, Jr. und Mo­del Le­na Gehr­ke bei...

DA IST DER TOR­SCHÜT­ZE: Jo­gi Löw flüs­tert Ma­rio Göt­ze An­wei­sun­gen ins Ohr.

DA IST DAS DING: ExCa­pi­ta­no Phil­ipp Lahm (vor­ne) ju­belt mit sei­nen Team.

Paul McCart­ney

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