Die­se Hil­fe ist nicht hilf­reich

Neue Presse - - VORDERSEITE -

Es könn­te so ein­fach sein: Es gibt zu viel Milch auf dem Markt, al­so pro­du­ziert man we­ni­ger da­von. Teil­wei­se pas­siert das Ge­gen­teil, sub­ven­tio­niert durch Steu­er­gel­der – da­bei wür­den auch die Bau­ern pro­fi­tie­ren, wenn die­ser Irr­sinn ein En­de hät­te.

Zwar lässt sich ei­ne Milch­kuh nicht ein­fach ab­schal­ten wie ei­ne Ma­schi­ne, aber es soll­te zu­min­dest nicht noch ver­sucht wer­den, schrump­fen­de Ge­win­ne durch ei­ne Aus­wei­tung der Milch­pro­duk­ti­on zu kom­pen­sie­ren – ei­ne durch­aus gän­gi­ge Pra­xis. Und so wird al­les nur noch schlim­mer: Noch mehr Milch drückt die Prei­se wei­ter in den Kel­ler, bis nur noch we­ni­ge Me­ga­be­trie­be üb­rig sind.

Klar: Die Land­wirt­schaft ist mehr als ei­ne In­dus­trie und dem Ge­setz von An­ge­bot und Nach­fra­ge aus gu­ten Grün­den ein we­nig ent­rückt. Sie hält dörf­li­che Ge­mein­schaf­ten zu­sam­men, pflegt die Kul­tur­land­schaft, fehlt in kei­nem Bil­der­buch als Hei­le-Welt-Idyl­le. Nicht zu­letzt macht sie uns auch satt – ein Land wie Russ­land et­wa wä­re glück­lich über die Qua­li­tät der Ver­sor­gung, wie wir sie ge­wohnt sind. Die Agrar­wirt­schaft hat des­we­gen zu Recht ei­nen be­son­de­ren Stel­len­wert bei uns, um­so mehr ver­dient sie in­tel­li­gen­te Lö­sun­gen.

Die 100 Mil­lio­nen Eu­ro So­fort­hil­fe durch den Bund ge­hö­ren nicht da­zu – sie zie­len al­len­falls auf die Sym­pto­me in der Hoffnung, die glo­ba­le Wirt­schaft mö­ge bald wie­der an Fahrt ge­win­nen. Die­se Ab­hän­gig­keit ist das ei­gent­li­che Pro­blem: Die Bau­ern ha­ben mit dem Weg­fall der Milch­quo­te ih­re hoch­ge­rüs­te­ten Be­trie­be voll auf Ex­port ein­ge­stellt und sich da­mit oh­ne Not den Un­be­re­chen­bar­kei­ten des Welt­markts aus­ge­setzt. Das war ih­re Ent­schei­dung – und nicht die der gern ge­schol­te­nen Dis­coun­ter und Ver­brau­cher.

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