Ei­ne ra­san­te Wen­de ins Trump-La­ger

Neue Presse - - MEINUNG & ANALYSE - VON STE­FAN KOCH

Selbst ein­ge­fleisch­te Po­li­tik­be­ob­ach­ter in Wa­shing­ton rei­ben sich ver­wun­dert die Au­gen. Aus­ge­rech­net Mar­co Ru­bio, bis­her ei­ner der schärfs­ten Geg­ner von Do­nald Trump, will dem Mo­gul im Prä­si­dent­schafts­wahl­kampf nun un­ter­stüt­zen: „Ich wer­de al­les tun, was un­se­rer Sa­che hilf­reich ist“, sag­te der Se­na­tor aus Flo­ri­da.

Es ist noch gar nicht so lan­ge her, dass Trump mit Blick auf sei­nen da­ma­li­gen Kon­kur­ren­ten ver­ächt­lich von „Litt­le Mar­co“ge­spro­chen hat­te. In sei­ner ty­pi­schen Ma­nier spiel­te Trump da­bei auch auf die Kör­per­grö­ße Ru­bi­os an. Die bei­den Po­li­ti­ker stan­den sich im Vor­wahl­kampf in Be­lei­di­gun­gen al­ler­dings in nichts nach: Ru­bio nann­te Trump ei­nen Auf­schnei­der, ja so­gar ein Groß­maul. Vor al­lem aber be­zeich­ne­te er es als ge­fähr­lich, soll­te Trump zum „Com­man­der in Chief“ge­wählt wer­den und Zu­griff auf das Ato­mar­se­nal er­hal­ten. Auch wür­de der Ge­schäfts­mann die „Grand Old Par­ty“aus­ein­an­der­trei­ben.

Der auf­stre­ben­de Se­na­tor mit ku­ba­ni­schen Wur­zeln galt lan­ge Zeit als Hoff­nungs­trä­ger der re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei­füh­rung, da er Zu­gang zu der wach­sen­den la­tein­ame­ri­ka­ni­schen Be­völ­ke­rung ver­sprach. Sei­ne po­li­ti­sche Wen­dig­keit ist je­doch ge­ra­de­zu sprich­wört­lich: So hat­te Ru­bio jah­re­lang ge­mein­sam mit Se­na­to­ren der de­mo­kra­ti­schen Par­tei an ei­nem Kom­pro­miss zur Ein­wan­de­rungs­re­form ge­ar­bei­tet, als aber die Kri­tik in den ei­ge­nen Rei­hen an dem Vor­ha­ben wuchs, stimm­te er im Kon­gress kur­zer­hand ge­gen sein ei­ge­nes Pa­pier.

Selbst engs­te Ver­trau­te sind über sei­ne jüngs­te Kurs­kor­rek­tur er­schüt­tert: „Sein Ver­hal­ten wirft ein schlech­tes Licht auf die ge­sam­te po­li­ti­sche Klas­se. Es zeigt ein­mal mehr, dass ei­ge­ne Über­zeu­gun­gen über Bord ge­wor­fen wer­den, wenn sich der Wind dreht“, be­klagt sich Bryan McG­rath. Der frü­he­re Ma­ri­ne­of­fi­zier hat­te Ru­bio in si­cher­heits­po­li­ti­schen Fra­gen be­ra­ten.

Ru­bio wie­der­um ver­sucht den Är­ger sei­ner An­hän­ger auf­zu­fan­gen. Per Twit­ter lässt er wis­sen: „Wer mit ei­ner vier­jäh­ri­gen Cl­in­ton-Prä­si­dent­schaft le­ben will, kann ge­gen mich stim­men. Ich aber will al­les tun, um ih­re Wahl zu ver­hin­dern.“Ru­bio steht mit sei­ner 180-Gra­dWen­de nicht al­lein. Chris Chris­tie, Gou­ver­neur von New Jer­sey, tritt re­gel­mä­ßig ge­mein­sam mit Trump auf, ob­wohl er zu­nächst ge­gen ihn kan­di­dier­te. Das La­ger wech­sel­te auch der eins­ti­ge Mit­be­wer­ber Ben Car­son. Nur der Bush-Clan lässt sich of­fen­bar nicht um­stim­men: Der ge­schei­ter­te Kan­di­dat Jeb Bush will lie­ber gar nicht zur Wahl ge­hen, als Trump zu wäh­len.

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