Die vie­len Rol­len des Sig­mar Ga­b­ri­el

Neue Presse - - MEINUNG & ANALYSE -

Sig­mar Ga­b­ri­el ist ein wan­deln­der Wi­der­spruch. Zur Er­klä­rung sei­ner Sprung­haf­tig­keit, sei­ner sich oft über­ra­schend schnell wan­deln­den An­sich­ten und Prio­ri­tä­ten, wird gern auf das an­geb­lich un­ste­te Na­tu­rell des Vi­ze­kanz­lers ver­wie­sen. Doch mit Kü­chen­psy­cho­lo­gie al­lein kommt man dem Di­lem­ma Ga­b­ri­els nicht auf den Grund. Dass der Mann sei­ne Über­zeu­gun­gen so oft zu wech­seln scheint wie an­de­re da­heim ih­re Blu­men­de­ko, liegt auch in den ein­an­der zu­wi­der­lau­fen­den Funk­tio­nen be­grün­det, die Ga­b­ri­el in­ne­hat. Im Streit um die trans­at­lan­ti­schen Han­dels­ab­kom­men TTIP und Ce­ta zeigt sich Ga­b­ri­els un­ver­söhn­li­che Rol­len­viel­falt.

Als Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter hat Ga­b­ri­el die EU-Kom­mis­si­on mit­be­auf­tragt, Han­dels­ver­trä­ge aus­zu­han­deln, die auf Li­be­ra­li­sie­rung, De­re­gu­lie­rung und Pri­va­ti­sie­rung set­zen; vom Er­folg der Groß­pro­jek­te TTIP und Ce­ta hängt auch Ga­b­ri­els Er­folg als Wirt­schafts­mi­nis­ter ab. Noch bis vor Kur­zem be­ton­te er die Chan­cen für Wachs­tum und Wohl­stand. Als Vor­sit­zen­der der deut­schen So­zi­al­de­mo­kra­tie hin­ge­gen muss Ga­b­ri­el die Rech­te von Ar­beit­neh­mern wah­ren und aus­bau­en. Bei vie­len von ih­nen löst das Kür­zel TTIP Ver­lust­ängs­te aus. Des­we­gen wür­de der lin­ke SPD-Flü­gel die Ver­hand­lun­gen lie­ber heute als mor­gen be­en­det wis­sen. Dort nimmt man jetzt mit Ge­nug­tu­ung Ga­b­ri­els jüngs­te Vol­te zur Kennt­nis – sei­ne Kri­tik an der Kanz­le­rin und de­ren Drän­gen auf ei­nen bal­di­gen Ab­schluss der Ver­hand­lun­gen. Der einst von Marx be­schrie­be­ne Wi­der­spruch von Ka­pi­tal und Ar­beit – Ga­b­ri­el ver­kör­pert ihn in ei­ner Per­son.

Gut mög­lich, dass ihm aus­ge­rech­net die EU-Kom­mis­si­on aus der Pat­sche hilft. In E-Mails an die 28 Brüs­se­ler EU-Bot­schaf­ter hat sich die Kom­mis­si­on vor we­ni­gen Ta­gen über die Stur­heit der US-Ver­hand­lungs­füh­rer be­klagt und ih­rer­seits ein bal­di­ges Schei­tern der Ver­hand­lun­gen nicht aus­ge­schlos­sen. 7

Ich bin na­tür­lich kein Ras­sist.

Im Fo­kus Ma­ri­na korMbaki

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