„Ich bin froh, Deut­scher zu sein“

Jé­rô­me Boateng bleibt ge­las­sen nach Wir­bel um sei­ne Per­son. AfD-Vi­ze Gau­land will kein Ras­sist sein.

Neue Presse - - NACHRICHTEN - VON CHRIS­TI­AN KUNZ

augs­burg. Die schwarz-rot­gol­de­ne Ka­pi­täns­bin­de am lin­ken Ober­arm war dies­mal ein ganz be­son­de­res Zei­chen – auch für Jé­rô­me Boateng selbst. „Ich bin froh, Deut­scher zu sein. Ich bin stolz, sonst wä­re ich auch nicht hier in der Mann­schaft und heute nicht Ka­pi­tän ge­we­sen“, sag­te der Welt­meis­ter an ei­nem Tag des Auf­schreis.

Mit­ten in der deutsch­land­wei­ten Em­pö­rung über ei­nen um­strit­te­nen Satz von AfD-Vi­ze Alex­an­der Gau­land gab sich der Fuß­bal­lNa­tio­nal­spie­ler ganz ge­las­sen. „Da kann ich nur drü­ber lä­cheln. Es ist trau­rig, dass so et­was heute noch vor­kommt“, sag­te Boateng mit ge­wohnt ru­hi­ger Stim­me am Abend.

Der Sohn ei­nes Gha­na­ers und ei­ner Deut­schen ver­wies lie­ber auf die Sym­pa­thie­be­kun­dun­gen beim Län­der­spiel im Augs­bur­ger Sta­di­on. „Jé­rô­me, sei un­ser Nach­bar“, ver­ziert mit ei­nem Herz­chen, war auf ei­nem Trans­pa­rent zu le­sen. „Jé­rô­me, zieh ne­ben uns ein“stand auf ei­nem mit Boateng-Por­trät und Deutsch­lan­dFah­ne ge­schmück­ten Schild, das drei Kin­der in die Hö­he hiel­ten. „Das ist na­tür­lich schön, so was zu le­sen“, räum­te der 27-Jäh­ri­ge ein. Aber der gan­ze Wir­bel und die Aus­sa­ge hät­ten ihn so­wie­so „nicht son­der­lich be­schäf­tigt“, ver­si­cher­te der Bay­ern-Star glaub­haft.

Die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“hat­te Gau­land mit den Sät­zen zi­tiert „Die Leu­te fin­den ihn als Fuß­ball­spie­ler gut. Aber sie wol­len ei­nen Boateng nicht als Nach­barn ha­ben.“Dras­ti­scher als Boateng be­zo­gen dar­auf­hin die DFB-Kol­le­gen Stel­lung. „Das ist un­ver­schämt“, sag­te Sa­mi Khe­di­ra, der als Ver­tre­ter des ver­letz­ten Bas­ti­an Schwein­stei­ger die Ka­pi­täns­bin­de nach sei­ner Aus­wechs­lung in der Pau­se an Boateng wei­ter­ge­ge­ben hat­te: „Wir als Na­tio­nal­spie­ler le­ben das mo­der­ne Deutsch­land wie kei­ne an­de­ren.“In­ner­halb der Mann­schaft wer­de das The­ma nicht dis­ku­tiert, be­teu­er­te Na­tio­nal­mann­schafts­ma­na­ger Oli­ver Bier­hoff. „Das be­las­tet ihn jetzt nicht. Aber es ist na­tür­lich jetzt un­schön, weil na­tür­lich er in ei­ne Dis­kus­si­on kommt, in die er gar nicht kom­men bräuch­te“, sag­te Bier­hoff. Auch Boa­tengs Fa­mi­lie wird jetzt mit dem The­ma kon­fron­tiert. „Man fragt bei der Nach­bar­schaft jetzt rum – all die­se Din­ge, die man in sei­nem Pri­vat­le­ben gar nicht ha­ben will“, sag­te Bier­hoff über den Va­ter der Zwil­ling­s­töch­ter So­ley und La­mia.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel hat die dis­kri­mi­nie­ren­de Äu­ße­rung scharf ver­ur­teilt. „Die­ser Satz, der ge­fal­len ist, der ist ein nie­der­träch­ti­ger und ein trau­ri­ger Satz“, ließ sie über Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert in Ber­lin aus­rich­ten.

Und Gau­land? Der fühlt sich zu Un­recht an den Pran­ger ge­stellt. An sei­nem Ver­ständ­nis für Men- schen mit frem­den­feind­li­chen Res­sen­ti­ments hält der stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de der Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land aber fest.

„Ich bin na­tür­lich kein Ras­sist“, sag­te Gau­land ges­tern. Auf die Fra­ge, ob denn Men­schen, die Vor­be­hal­te ge­gen Nach­barn mit aus­län­di­schen Wur­zeln ha­ben, Ras­sis­ten sei­en, sag­te er: „So weit wür­de ich nicht ge­hen.“Die Glo­ba­li­sie­rung und die Wie­der­ver­ei­ni­gung hät­ten für vie­le Men­schen gro­ße Ve­rän­de­run­gen mit sich ge­bracht. Des­halb re­agier­ten ei­ni­ge jetzt mit ei­ner „ge­ra­de­zu in­stink­ti­ven Ab­wehr“auf Frem­de in ih­rer Um­ge­bung.

SCHÖ­NE SO­LI­DA­RI­TÄT: Von sol­chen Schil­dern gab es ei­ni­ge beim Spiel der Na­tio­nal­mann­schaft in Augs­burg – zur Freu­de von Boateng und des Fuß­ball-Bun­des.

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