Ge­walt ge­gen Kin­der nimmt zu

Kin­der­schutz­bund be­klagt Teu­fels­kreis, der vor al­lem die Schwächs­ten trifft

Neue Presse - - NACHRICHTEN - VON DIE­TER WONKA

Kin­der brau­chen ein wach­sa­mes Um­feld, um wir­kungs­vol­ler vor Straf­ta­ten ge­schützt zu wer­den.

BER­LIN. Mor­gen fei­ert die Welt­ge­mein­schaft den in­ter­na­tio­na­len Kin­der­tag. In Deutsch­land schla­gen zur glei­chen Zeit der Kin­der­schutz­bund und die Ge­werk­schaft der Po­li­zei Alarm, weil Kin­der und Ju­gend­li­che von Ge­walt­de­lik­ten über­durch­schnitt­lich hoch be­trof­fen sind.

Sta­tis­tisch wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr wö­chent­lich 61 Ju­gend­li­che Op­fer von Se­xu­al­de­lik­ten. Zu­dem wur­de rein rech­ne­risch ein Kind Op­fer ei­nes vol­len- de­ten oder ver­such­ten Tö­tungs­de­lik­tes. Oft stamm­ten die Tä­ter da­bei aus dem fa­mi­liä­ren Um­feld. Das er­gibt sich aus er­gän­zen­den Zah­len zur Kri­mi­na­li­täts­sta­tis­tik für 2015.

Der Prä­si­dent des Deut­schen Kin­der­schutz­bun­des, Heinz Hil­gers, sprach ge­gen­über dem Re­dak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land von ei­nem „Teu­fels­kreis der Ge­walt“, der vor al­lem die so­zi­al Schwächs­ten und die Ge­mein­den mit den größ­ten so­zia­len Pro­ble­men be­trä­fe. „Die ärms­ten Städ­te mit den we­nigs­ten Steu- er­ein­nah­men und den höchs­ten So­zi­al­aus­ga­ben ha­ben die meis­ten Kri­sen­fa­mi­li­en, aber gleich­zei­tig die ge­rings­ten Per­so­nal­ka­pa­zi­tä­ten für vor­beu­gen­de und auf­su­chen­de So­zi­al­ar­beit.“Hil­gers for­der­te „noch kla­re­re Rechts­an­sprü­che auf Un­ter­stüt­zung nach dem Kin­der- und Ju­gend­hil­fe­ge­setz so­wie end­lich ei­ne Ge­mein­de­fi­nanz­re­form, die die be­son­de­ren Pro­blem­ge­bie­te, bei­spiels­wei­se im Ruhr­ge­biet, aber auch in vie­len Be­rei­chen Ost­deutsch­lands aus dem Teu­fels­kreis der Pro­ble­me und Op­fer be­freit“.

Der Vor­sit­zen­de der Ge­werk­schaft der Po­li­zei, Oli­ver Mal­chow, mach­te ins­be­son­de­re bei den Tö­tungs­de­lik­ten auf den mit 9,2 Pro­zent „er­schre­ckend ho­hen“An­teil von Kin­dern an der Ge­samtop­fer­zahl auf­merk­sam. Die­ser lie­ge in der Kri­mi­na­li­täts­sta­tis­tik deut­lich über dem der Grup­pe von Ju­gend­li­chen (2,2 Pro­zent) und der Her­an­wach­sen­den (2,7 Pro­zent): „Kin­der brau­chen ein wach­sa­mes Um­feld, um wir­kungs­vol­ler vor Straf­ta­ten ge­schützt zu wer­den. Da­zu ge­hö­ren vor al­lem Kin­der­ärz­te, Ki­tas und Schu­len.“Die Po­li­zei grei­fe in der Re­gel erst ein, wenn ei­ne Straf­tat ge­sche­hen sei.

Nach ei­ner Stu­die der Uni­ver­si­tät Re­gens­burg ist das Ri­si­ko ei­nes se­xu­el­len Miss­brauchs für jun­ge Mäd­chen mit nied­ri­gem Bil­dungs­stand, die in Groß­städ­ten auf­wach­sen, so­wie bei schwie­ri­gen Fa­mi­li­en­ver­hält­nis­sen be­son­ders hoch. Stark zu­ge­nom­men hat zu­dem die Ge­fahr von On­li­neGe­walt. Zwei Pro­zent der Jun­gen und sechs Pro­zent der be­frag­ten Mäd­chen sind min­des­tens ein­mal im Jahr be­reits Op­fer ei­ner se­xu­el­len Be­läs­ti­gung ge­wor­den.

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