Die neue in­tel­li­gen­te Tech­nik

Die Ce­mat zeigt, wie Mö­bel und Tech­nik zu den­ken be­gin­nen

Neue Presse - - NACHRICHTEN - VON MAT­THI­AS AR­NOLD

Han­no­ver. Die meis­ten Kühl­schrän­ke er­ken­nen nicht, wann die Milch sau­er ist. Sie be­stel­len auch kei­nen Nach­schub und wis­sen nicht, was ih­re Be­sit­zer be­son­ders gern es­sen. Da­bei gibt es längst Kühl­schrän­ke, die all das kön­nen – doch sie sind teu­er, und in Deutsch­land ge­fällt vie­len Men­schen der Ge­dan­ke nicht, dass der Kühl­schrank und da­mit der Her­stel­ler zu viel über ih­re Vor­lie­ben weiß. In der In­tra­lo­gis­tik hat sich die­se Tech­nik al­ler­dings längst durch­ge­setzt. Von heute an stellt die In­dus­trie die neu­es­ten Ent­wick­lun­gen in die­sem Be­reich auf der Bran­chen­leit­mes­se Ce­mat in Han­no­ver vor.

„In­tra­lo­gis­tik ist der Teil der Lo­gis­tik, der nicht auf der Stra­ße statt­fin­det. Es geht um Trans­port in­ner­halb ei­nes Ge­bäu­des“, er­klärt Christoph Be­u­mer, Vor­sit­zen­der des Ce­mat-Prä­si­di­ums und Ge­schäfts­füh­rer ei­nes gro­ßen In­tra­lo­gis­tik-Her­stel­lers aus dem west­fä­li­schen Beck­um, der Be­u­mer Group. Al­so qua­si die Tech­nik der in­tel­li­gen­ten Kühl­schrän­ke im Groß­for­mat: Re­gal­sys­te­me, in de­nen sich die Pro­duk­te bei fah­rer­lo­sen Trans­por­tern mel­den, und ih­nen mit­tei­len, wann und wo sie ab­ge­lie­fert wer­den müs­sen.

Von solch ei­ner voll­stän­dig au­to­ma­ti­sier­ten Fir­ma sind die Ent­wick­ler nicht mehr weit ent­fernt. Be­son­ders was au­to­no­me Fahr­zeu­ge an­geht, sei man im Rah­men der In­tra­lo­gis­tik schon sehr fort­ge­schrit­ten, sagt Be­u­mer.

Spek­ta­ku­lä­re Bei­spie­le da­für las­sen sich in den Pro­duk­ti­ons­hal­len von Volks­wa­gen, bei Salz­git­ter oder Uni­le­ver be­ob­ach­ten. Gan­ze Flot­ten von au­to­no­men Fahr­zeu­gen rol­len wie von Geis­ter­hand durch die Hal­len. Fah­rer­lo­se Ga­bel­stap­ler la­gern Pa­let­ten in Re­ga­le ein. Trans­por­t­ro­bo­ter lie­fern den Mon­teu­ren die be­nö­tig­ten Fahr­zeug­tei­le in der rich­ti­gen Rei­hen­fol­ge di­rekt an den Mon­ta­ge­platz.

Mit Hil­fe die­ser Ma­schi­nen wer­den in­ter­ne Ab­läu­fe op­ti­miert, Pro­zes­se be­schleu­nigt und Kos­ten ein­ge­spart. „30 bis 40 Pro­zent un­se­rer fah­rer­lo­sen Sys­te­me ver­kau­fen wir an die Au­to­mo­bil­in­dus­trie“, sagt Ro­nald Kret­sch­mer. Er ist Mar­ke­ting­chef beim In­tra­lo­gis­tik-Un­ter­neh­men E & K Au­to­ma­ti­on aus dem Kreis Har­burg. Ein Groß­teil der dort ver­kauf­ten An­la­gen be­steht aus gleich meh­re­ren au­to­no­men Trans­port­fahr­zeu­gen. Durch­schnitt­lich 400 000 bis 600 000 Eu­ro kos­tet so ei­ne An­la­ge im Durch­schnitt, je nach Au­s­prä­gung.

Doch noch fol­gen die Fahr­zeu­ge an ih­rem Ein­satz­ort größ­ten­teils star­ren, vor­ge­ge­be­nen Stre­cken. Sie ori­en­tie­ren sich an Licht­sen­so­ren oder Ma­gnet­strei­fen auf dem Bo­den. „Ein gro­ßes For­schungs­the­ma ist des­halb die voll­stän­di­ge Au­to­no­mie“, sagt Ma­ri­an Köl­ler vom In­no­va­ti­ons­zen­trum Nie­der­sach­sen: „Sich aus­wei­chen, neue Zie­le selbst­stän­dig er­ken­nen und an­steu­ern, da­hin soll die Rei­se ge­hen.“

Das ist nicht nur ein The­ma der Groß­kon­zer­ne. Die Di­gi­ta­li­sie­rung der In­tra­lo­gis­tik be­tref­fe auch die Klei­nen, sagt Köl­ler. Schon jetzt grif­fen die mitt­le­ren Be­trie­be et­wa auf As­sis­tenz­sys­te­me zu­rück, mit de­nen die Mit­ar­bei­ter schnel­ler den Über­blick über das La­ger und die Re­ga­le er­hal­ten. „Na­tür­lich nutzt es ei­nem klas­si­schen Ma­schi­nen­bau­be­trieb nichts, jetzt In­dus­trie 4.0-mä­ßig ir­gend­wel­che Fahr­zeu­ge hin und her fah­ren zu las­sen“, sagt Be­u­mer, „da schießt man mit Ka­no­nen auf Spat­zen.“Doch sei­en auch klei­ne­re Un­ter­neh­men schlecht be­ra- ten, sich den neu­en Ent­wick­lun­gen zu ver­schlie­ßen.

Schließ­lich rei­chen Schnitt­stel­len mit der In­tra­lo­gis­tik bis in den All­tag hin­ein. Die Kühl­schrän­ke sind da nur ein Bei­spiel. Wenn der Pa­ket­bo­te in Zu­kunft nur we­ni­ge St­un­den nach der Be­stel­lung an der Haus­tür klin­gelt oder der Bier­kas­ten im Kel­ler dem Su­per­markt mit­teilt, dass das Bier al­le ist: „Dann steckt hin­ter die­sen Pro­zes­sen die Tech­nik aus der In­tra­lo­gis­tik“, sagt Köl­ler.

ZWEI BEI­SPIE­LE FÜR VOLL­STÄN­DI­GE AU­TO­NO­MIE: Der Kühl­schrank, der sich be­merk­bar macht, wenn et­was fehlt. Und ein Ro­bo­ter im VWWerk (un­ten), der ei­nen Mo­tor­block trans­por­tiert. In bei­de Be­rei­che spielt die In­tra­lo­gis­tik hin­ein – das wich­ti­ge The­ma für die Leit­mes­se Ce­mat, die heute in Han­no­ver­no­ver star­tet.

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