Wie sehr scho­cken die­se Ekel­bil­der?

Fo­tos auf Zi­ga­ret­ten­schach­teln: Wir­kung auch heute am Welt­nicht­rau­cher­tag um­strit­ten

Neue Presse - - PANORAMA - VON SON­JA FRÖH­LICH

Ein län­ge­rer Blick auf die Bil­der ist nur schwer zu er­tra­gen. Sie zei­gen vom Krebs zer­fres­se­ne Lun­gen, Tu­mo­re am Kopf, schwar­ze Zahn­stum­mel, fau­len­de Rau­cher­bei­ne, blu­ti­ge Darstel­lun­gen von Herz-OPs. Seit dem 20. Mai müs­sen neue Zi­ga­ret­ten­schach­teln in Deutsch­land zu zwei Drit­teln mit Schock­bil­dern und Warn­hin­wei­sen ver­se­hen sein, um die Men­schen vom Rau­chen ab­zu­hal­ten. Das sieht die neue EU-Richt­li­nie so vor. Ob das am heu­ti­gen Welt­nicht­rau­cher­tag sei­ne Wir­kung tut, dar­über gibt es ge­teil­te Mei­nun­gen.

Doch wo­her stam­men die Ekel­bil­der, die Rau­chern zur Ab­schre­ckung die­nen sol­len? Rein­hard Hö­nig­haus, Spre­cher der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on in Deutsch­land, ver­si­chert, dass es sich um au­then­ti­sche Bil­der han­delt. Laut Hö­nig­haus wur­den zahl­rei­che Fo­tos – ba­sie­rend auf den 14 Text­war­nun­gen, die 2012 be­schlos­sen wur­den – von ei­ner ex­ter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­agen­tur pro­du- ziert und auf ih­re Wirk­sam­keit ge­tes­tet. Da­für ha­ben 8000 Teil­neh­mer aus zehn EU-Staa­ten bei ei­ner Stu­die mit­ge­wirkt: Den Pro­ban­den wur­den un­ter­schied­li­che Bil­der vor­ge­legt, um de­ren emo­tio­na­le und ko­gni­ti­ve Re­ak­ti­on auf die Darstel­lun­gen zu un­ter­su­chen. Ein Com­pu­ter­pro­gramm hat da­bei kleins­te Re­gun­gen des Ge­sichts auf­ge­zeich­net. Ins­ge­samt 42 Gru­sel­mo­ti­ve sol­len Käu­fer künf­tig ab­schre­cken.

Schon vor ei­ni­ger Zeit hat ein Wis­sen­schaft­ler­team un­ter der Lei­tung der Uni­ver­si­tät Bonn die Wir­kung der Auf­dru­cke bei Rau­chern und Nicht­rau­chern un­ter­sucht. Das Er­geb­nis: Auf Nicht­rau­cher wirk­ten die Bil­der ab­schre­ckend. Ähn­li­ches gilt für Rau­cher, die ge­ra­de ge­raucht ha­ben. Al­ler­dings sol­len Rau­cher schon im leich­ten Ent­zug sich völ­lig un­be­ein­druckt von Rau­cher­lun­gen und Co. zei­gen. Ins­ge- samt aber, heißt es wei­ter, könn­ten die Schock­bil­der da­bei hel­fen, das Image des Rau­chens wei­ter zu ver­schlech­tern und Kin­der und Ju­gend­li­che da­von ab­zu­hal­ten. Der Deut­sche Zi­ga­ret­ten­ver­band kri­ti­siert un­ter­des­sen, dass die EU-Kom­mis­si­on bis­her nicht hät­te be­wei­sen kön­ne, dass die groß­flä­chi­gen Bil­der ge­gen­über den Text­warn­hin­wei­sen bes­ser funk­tio­nie­ren.

Es wird je­den­falls noch dau­ern, bis die Schock­bil­der in den Ta­bak­re­ga­len auf­tau­chen. Pro­du­zier­te Wa­re darf noch ein Jahr lang ver­kauft wer­den. Man­che Ni­schen­mar­ken könn­ten jetzt auch ganz vom Markt ver­schwin­den, wie der Ge­schäfts­füh­rer des Deut­schen Zi­ga­ret­ten­ver­ban­des, Jan Mü­cke, schätzt. Für ei­ni­ge Mar­ken sei der Auf­wand der Um­stel­lung zu groß. Auch mach­ten ei­ni­ge Her­stel­ler mög­li­cher­wei­se aus zwei Mar­ken ei­ne. Für Rau­cher, die sich den Ap­pe­tit nicht ver­der­ben las­sen wol­len, gibt es Mög­lich­kei­ten. Ob Me­tall­do­sen oder bun­te Auf­kle­ber – ver­drän­gen las­sen sich War­nun­gen ja im­mer ir­gend­wie.

QS­ter­be­ra­te: Je­des Jahr ster­ben in Deutsch­land 121 000 Men­schen an den Fol­gen ih­res Ta­bak­kon­sums. Wie die Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­li­che Auf­klä­rung mit­teil­te, ist je­der sieb­te To­des­fall auf Rau­chen zu­rück­zu­füh­ren.

Verbot von Wer­bung: Die Dro­gen­be­auf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung, Mar­le­ne Mort­ler (CSU), be­kräf­tig­te zum heu­ti­gen Welt­nicht­rau­cher­tag ih­re For­de­rung nach ei­nem Verbot von Ta­bak­wer­bung auf Pla­kat­wän­den

QE-Zi­ga­ret­te: Die Lei­te­rin der Bun­des­zen­tra­le für ge­sund­heit­li­che Auf­klä­rung, Heidrun Thaiss, be­ton­te, E-Zi­ga­ret­ten sei­en kein un­be­denk­li­cher Er­satz.

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SOL­LEN DAS VER­LAN­GEN AUF­HAL­TEN: Ekel­bil­der pran­gen neu­er­dings auf Zi­ga­ret­ten­pa­ckun­gen.

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